Nur einen müden Blick hatte der kleine Seelöwe für den Rummel um sich herum: Er wurde auf den Namen Emmett getauft, der aus 1 200 Vorschlägen der Zoobesucher ausgewählt wurde
Nur einen müden Blick hatte der kleine Seelöwe für den Rummel um sich herum: Er wurde auf den Namen Emmett getauft, der aus 1 200 Vorschlägen der Zoobesucher ausgewählt wurde | Foto: jodo

Taufe im Karlsruher Zoo

Ein kleiner Seelöwe namens Emmett

Von Nina Setzler und Susanne Jock

Schläfrig döst der Kleine auf seinem Lieblingsfelsen in der Mitte des Seelöwen-Schwimmbeckens des Karlsruher Zoos.  Als Papa Stevie röhrt, weil zahlreiche Zooangestellte mit ein paar Fremden samt einem Eimer Fisch ins Gehege kommen, und die Seelöwendamen aufgeregt hin und her rutschen, hebt der kleine Seelöwe nur müde den Kopf. Er ist einfach schon zu viel geschwommen heute.

Der kleine Seelöwe hat das Wasser für sich entdeckt

„Das ist seine Lieblingsbeschäftigung zur Zeit, das hat er gerade neu für sich entdeckt“, sagt Zooinspektorin Claudia Vollhardt, die neuerdings verstärkt Kontakt zu dem neuen Zoobewohner aufnimmt. Wie ausgelassen er durchs Wasser tobt, sich für Kleinigkeiten wie Algen begeistern kann und seine Familie mit seinen munteren Spielchen ansteckt, zeigt der folgende Film:

 

1 200 Kinder machten Namensvorschläge

Klar, dass er für das Training mit Claudia Vollhardt nun auch einen Namen braucht, mit dem sie ihn ansprechen kann. „Da gerade Sommerferien waren, haben wir einen Namenswettbewerb ausgerufen und die Kinder aufgefordert, uns Vorschläge zu schicken“, sagt der stellvertretende Zooleiter Clemens Becker. 1 200 Kinder machten mit.

Emil und Erich waren die Renner

„Besonders beliebt waren Emil und Erich. Aber so heißen leider schon zwei unserer Kropfgazellen.“ Vorgabe war einen männlichen Namen mit dem Anfangsbuchstaben „E“ zu finden – den kriegen alle 2016 im Zoo geborenen Jungtiere. „Ich habe dieses System vor 30 Jahren eingeführt, damit wir uns besser das Geburtsjahr der Tiere merken können“, so Becker. „Mittlerweile haben wir das Alphabet schon einmal durch und haben vor einigen Jahren wieder von vorn begonnen.

Einstimmig für Emmett

Und wie soll er denn nun heißen, der Mini-Seelöwe. Claudia Vollhardt tritt ans Mikrofon: „Wir haben uns einstimmig entschieden, dass er Emmett heißen soll.“ Wie? „Dieser Name kommt vor allem in den USA häufig vor, und schließlich haben wir ja hier eine kalifornische Seelöwenfamilie“,  erklärt die Tiertrainerin lachend.

Berühmte Namenspaten

Folgerichtig gibt es auch gleich zwei berühmte Film-Figuren mit diesem Namen: Der verrückte Doc aus „Zurück in die Zukunft“ und ein Vampir aus „Twilight“. Emmett passe perfekt, weil es ein kurzer, prägnanter Name ist, nur zwei Silben hat und sich von den Namen der übrigen Seelöwen wohltuend abhebe. Die heißen Iris, Olivia, Chica und Ilana. „Bei so vielen ‚I’s wollten wir mal einen anderen Vokal“, erklärt Clemens Becker schmunzelnd.  Geläufig war ihm der Name zwar vorher auch nicht, genausowenig wie den übrigen Kollegen. Allerdings, so beteuert er, war die Namensfindungsjury sofort von dessen Klang überzeugt. Und nachdem man die Bedeutung nachgeschlagen hatte, passte er sogar noch besser. „Der Name Emmett kommt aus dem Althochdeutschen und Germanischen und bedeutet etwa ‚der alles Überschauende‘, ‚der Allwissende‘ ‚der Große‘, ‚der Gewaltige‘“, verkündet Zoo-Pressesprecher Timo Deible, der die Taufe moderiert, und das Publikum kichert.

Das wird mal ein Riesentier

Besonders groß und mächtig sieht der schlummernde Pimpf auf seinem Sonnenfels ja nicht gerade aus. Jetzt räkelt er sich, hebt er eine Flosse und streckt sich, als ob er einwerfen wollte: „Aber bald!“. „Das wird mal ein Riesentier, so groß wie sein Vater, 350 Kilogramm“, beteuert Zoosprecher Deible. Und Emmett sitze tatsächlich sehr häufig mit seiner Mama ganz oben auf dem Felsen des Seelöwengeheges und überblicke von dort aus das Treiben im Zoo. Von daher passe der Name ganz wunderbar. Das Publikum applaudiert verhalten, an den Namen müssen sich viele wohl erst noch gewöhnen.

Küsschen vom Clanchef

Auch die Seelöwenfamilie interessiert sich mehr für die Fische, die die Taufgesellschaft mitgebracht hat. Clanchef Stevie sitzt ganz vorne und macht eifrig Kopfstand, um noch ein Leckerchen zu bekommen. Dann verteilt der stattliche Bulle noch Küsschen an Namenspatin Nele Becker aus Kippenheim. Auch Jonas Wenz hatte den Namen vorgeschlagen und wurde zur Taufe eingeladen, das nasse Küsschen überlässt der Sechsjährige aber lieber seiner Mutter – dieser Stevie ist doch ganz schön stattlich. Söhnchen Emmett rollt derweil in der Sonne hin und her, sortiert seine Flossen, plumst schließlich ins Wasser. Das Publikum juchzt. Nach einer kurzen Runde robbt der Kleine aber wieder an Land. Und verschläft auch noch den Rest seiner Taufe … Weitere Informationen zur Seelöwengruppe des Karlsruher Zoos und ihren Nachbarn im „Lebensraum Wasser“ finden sich hier.

 Ein Küsschen von Seelöwenbulle Stevie gab es für Nele Becker, die genau wie der sechsjährige Jonas Wenz den Namen Emmett für Stevies Sohn vorgeschlagen hat
Ein Küsschen von Seelöwenbulle Stevie gab es für Nele Becker, die genau wie der sechsjährige Jonas Wenz den Namen Emmett für Stevies Sohn vorgeschlagen hat | Foto: jodo