Christa Hoffmann (vorne), Inhaberin des „Bücherwurms“ in Weingarten, rechnet auch in den letzten Tagen vor Weihnachten noch mit vielen Kunden. Unterstützt wird sie von ihrer Mitarbeiterin Ingrid Hessdorfer.
Christa Hoffmann (vorne), Inhaberin des „Bücherwurms“ in Weingarten, rechnet auch in den letzten Tagen vor Weihnachten noch mit vielen Kunden. Unterstützt wird sie von ihrer Mitarbeiterin Ingrid Hessdorfer. | Foto: Lother

Weihnachtsgeschäft

Die Buchhändler in der Hardt sind zufrieden

Christa Hoffmann hat dieser Tage nicht viel Zeit. Schon seit Mitte November ist in ihrem Laden einiges los. „Trotz der langen Adventszeit hat das Weihnachtsgeschäft dieses Jahr erstaunlich früh begonnen“, berichtet die Inhaberin des „Bücherwurms“ in Weingarten. Dementsprechend glücklich ist sie über die bisherige Bilanz. „Wir können zufrieden sein – trotz der Konkurrenz im Internet“, sagt die Buchhändlerin fünf Tage vor Heiligabend, mit denen ihr der Endspurt der Geschenkejagd erst noch bevorsteht.

Alle Hände voll zu tun

Immer mehr Kunden besorgten ihre Geschenke erst auf den letzten Drücker. „Die kommende Woche wird für uns sicherlich die arbeitsreichste von allen“, sagt auch Isabell Kegreis von der Bücherecke in Jöhlingen. Genau wie Hoffmann wird sie den Laden deswegen ausnahmsweise auch am Mittwochnachmittag geöffnet haben.

Lokale Buchhändler setzen aufs Onlinegeschäft

Die Konkurrenz aus dem Internet deutlicher zu spüren bekommen hat Erika Krissel von der gleichnamigen Buchhandlung in Leopoldshafen. Als „durchwachsen“ bezeichnet sie das Geschäft der vergangenen Wochen: „Es gab gute und schlechte Tage.“ Das aber sei schon seit einigen Jahren der Fall. „Wir spüren, dass Amazon und Co uns einen Teil der Kunden nehmen“, so die Geschäftsführerin. Deswegen setzen auch die alteingesessenen Buchhandlungen vermehrt auf das Onlinegeschäft.
Alle drei genannten Läden bieten ihren Kunden inzwischen die Möglichkeit, online zu bestellen. Auch dafür sei die Nachfrage derzeit etwas größer, meint Krissel. Das Wahre für die Buchhändler allerdings ist es nicht. Schließlich kommt das Buch dann vom Großhändler, der auch etwas von dem Geschäft haben möchte. „Ich erkläre den Kunden immer, dass sie jederzeit bei uns anrufen können, um ein Buch zu bestellen“, sagt Hoffmann. „Auch nachts, dann geht der Anrufbeantworter ran.“ Viele machten das. Der größte Teil der Kunden aber möchte nach wie vor persönlich am Ort beraten werden. Oder weiß – wie jetzt vor Weihnachten – ganz genau, was er haben möchte.

Kassenschlager und Überraschungshits

Fragt man die Buchhändlerinnen nach den Kassenschlagern der Vorweihnachtszeit, fallen die immer gleichen Namen: Brigitte Glaser mit ihrem Krimi „Bühlerhöhe“, Eckart von Hirschhausens „Wunder wirken Wunder“ oder „Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante. Letztere indes gehört zu den Überraschungen dieses Jahres: „Dieses Buch hatten wir nicht auf dem Schirm. Die Mundpropaganda hat es so erfolgreich werden lassen“, sagt Krissel. Drei weitere Bände werden noch ins Deutsche übersetzt.

E-Books sind auf dem Vormarsch

Immer beliebter wird das E-Book, die elektronische Variante des Buches – vor allem seit die Kunden dieses auch bar an der Kasse oder mit einem Gutschein bezahlen können. Und auch die guten, alten Weihnachtsgeschichten sind nicht tot zu kriegen. „Wir verkaufen nicht mehr so viele, wie wir es uns wünschen würden – aber wir verkaufen sie noch“, sagt Isabell Kegreis in Jöhlingen.

Angemerkt
Jahrelang machten Amazon und Co Läden wie dem „Bücherwurm“ in Weingarten oder der „Bücherecke“ in Walzbachtal das Leben schwer. Immer wieder war vom bevorstehenden Untergang des gedruckten Buches zu hören.
Jetzt aber scheint sich für Christa Hoffmann und ihre Kollegen in den Dörfern in der Hardt wie auch andernorts alles zum Besseren gewendet zu haben. Denn inzwischen ist klar: Der Kunde von heute möchte sich entscheiden können – kauft er online oder nimmt er sich Zeit für den Laden? Kauft er das gedruckte Exemplar oder entscheidet er sich für ein E-Book?
Die alteingesessenen Buchläden in Weingarten, Pfinztal, Leopoldshafen und Co haben ihre Lektion gelernt: Um großen Konkurrenten wie Amazon und Thalia trotzen zu können, setzen auch sie auf das Multichannel-Konzept: Sie vereinen Laden- und Onlineverkauf, erweitern ihr Angebot – und retten damit nicht nur ihr Weihnachtsgeschäft.