Ortenau
Der demografische Wandel wird den Ortenaukreis in den kommenden Jahrzehnten vor große Herausforderungen stellen. Die Zahlen sind alarmierend, Hoffnung macht die Entwicklung bei den Unter-Sechsjährigen. | Foto: Jens Büttner

Demografischer Wandel

Die Ortenau altert drastisch

Von Christine Storck

Der demografische Wandel wird die Gesellschaft in der Ortenau drastisch verändern. Vor allem junge Leute zwischen 15 und 21 Jahren werden wegbrechen, prognostizierte Ulrich Bürger vom Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS) bei einer Veranstaltung in Offenburg. Gleichzeitig steige die Zahl der über 85-Jährigen um fast 50 Prozent. „Wir haben bis 2020 noch Chancen, wichtige Entscheidungen für die Zukunft zu treffen“, betonte er.

Neueste Ergebnisse vorgestellt

Das KVJS-Landesjugendamt veröffentlicht alle fünf Jahre einen Bericht zu den Folgen des demografischen Wandels für die Gesellschaft insgesamt und zu den Auswirkungen für junge Menschen und Familien. Beim „Gemeinde- und Partnerforum Demografie“, das jetzt im Landratsamt stattfand, stellte Ulrich Bürger nach 2011 die neuesten Ergebnisse für das Land und den Ortenaukreis vor.

Ortenau wird älter

Vor allem in der für das Weiterbestehen einer Gesellschaft wichtigen Altersgruppe der 15- bis unter 21-Jährigen wird die Ortenau mächtig abbauen: bis 2025 immerhin um 16 Prozent. Dann befinden sich die Jahrgänge 2007 bis 2010 im Wechsel von Schule und Beruf und fangen an Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig explodiere die Anzahl der Älteren: Die Gruppe der 65- bis 85-Jährigen wird laut Statistik im Kreis bis 2030 um 36 Prozent (+25 752) wachsen, die Zahl der über 85-Jährigen sogar um fast 50 Prozent (+5 082).

Konkurrierende Generationen

Die Generationen werden zunehmend um finanzielle Ressourcen konkurrieren. „Kein Kind darf verloren gehen“, erklärte Bürger. Wichtig seien Investitionen in Kinderbetreuung und Bildung. „Persönlichkeitsentwicklung findet aber nicht nur in der Schule, sondern auch zu Hause oder im Verein statt“, meinte Bürger.

Hohe Betreuungsquote

Die Betreuungsquote der unter Dreijährigen im Ortenaukreis sei von fünf Prozent 2008 auf 30 Prozent 2015 gestiegen und liege im oberen Drittel landesweit – ein Schritt in die richtige Richtung. Beachtlich sei auch der Anstieg der Ganztagsbetreuung im Kindergarten von 7,3 Prozent (2009) auf 19,8 Prozent (2015).

Handlungsbedarf bei Schulsozialarbeit

Der Sozialwissenschaftler lobte darüber hinaus die offene verbandliche Jugendarbeit. Der Kreis sei engagiert und dadurch im landesweiten Ranking weiter nach oben gerutscht. Das Ortenauer Bündnis für Familie, mit dem familienfreundliche Angebote und Strukturen weiter entwickelt werden, sei ein Paradebeispiel. Handlungsbedarf sieht der Experte allerdings in Sachen Schulsozialarbeit, selbst wenn der Anteil in der Ortenau zwischen 2008 und 2015 angestiegen sei. „Es ist eine zentrale Scharnierfunktion zwischen Schule und Jugendhilfe“, sagte er.

Kleinkinder machen Hoffnung

Es gibt auch gute Nachrichten: Die Gruppe der 0- bis unter 21-Jährigen wird in der Ortenau bis 2030 zwar um 3,5 Prozent schrumpfen, gleichzeitig legen die unter Sechsjährigen immerhin um zehn Prozent zu. Der Rückgang der gesamten Altersstufe sei zudem nicht mehr so stark wie ursprünglich angenommen. Das liege an der Zuwanderung und einer steigenden Geburtenrate.

Faktor Zuwanderung

„Zuwanderung wird noch wichtiger werden. Sie ist die einzige Stellschraube, an der wir drehen können“, erklärte Bürger. Dass der Ortenaukreis erst jüngst eine Gesamtstrategie zu diesem Thema verabschiedet habe, sei deshalb „hochrespektabel“.

Kreis rüstet sich

„Wir stehen vor noch nicht überschaubaren Herausforderungen“, sagt Kreissozialdezernent Georg Benz. Deshalb seien zum Beispiel die Frühen Hilfen und das Präventionsnetzwerk verstärkt worden. Dort beteilige sich der Kreis mit 830 000 Euro im Jahr. Das Programm Stärke umfasse mehr als 40 Anbieter mit über 80 Angeboten. Zudem sei der Rechtsanspruch bei der Betreuung von Krippenkindern in allen Kommunen erfüllt. Mit 30,3 Prozent liege der Kreis 4,1 Prozent über dem Landesschnitt. Weiterentwickelt werden soll die kommunale Jugendarbeit. In der Schulsozialarbeit kommen bis 2019 12,8 Stellen hinzu.