Brenner
Streuobstwiesen sollen erhalten bleiben – Brenner und Politik sind sich einig. Allerdings wird das Geschäft der Brenner schwieriger. | Foto: Rolf Haid

Brenner blicken sorgenvoll in Zukunft

Die Tage des Monopols sind gezählt

Von Robert Ullmann

Die Qualität der in Baden erzeugten Edelbrände ist unbestritten. Das sieht auch Klaus Lindenmann vom Verband Badischer Klein- und Obstbrenner so. Andererseits ist die Zahl der Brenner im Verband stetig rückläufig. Auch gibt es bei den Brennern starke Unsicherheiten, wie sich die Marktsituation nach dem Auslaufen des Branntweinmonopols zum 31. Dezember 2017 entwickeln wird. Bis zu diesem Zeitpunkt können die hiesigen Obstbrenner noch Alkoholkontingente an die Monopolverwaltung liefern. Danach muss der Markt diese Mengen aufnehmen.

Streuobstwiesen sollen erhalten bleiben

Die badischen Brenner bringen derzeit etwa 1,5 Millionen Liter Alkohol pro Jahr auf den Markt. Andere für die hiesigen Obstbrenner wichtige Regelungen bleiben. Dazu gehört das 300-Liter-Kontingent, das jeder Brenner brennen darf, desgleichen die Vergünstigung bei der Alkoholsteuer. Die Klein- und Obstbrenner bezahlen nur 10,22 Euro Steuer pro Liter Alkohol anstatt des sonst gesetzlich festgelegten Satzes von 13,03 Euro pro Liter. Diese Vergünstigung soll helfen, die Kulturlandschaft zu erhalten. Insbesondere geht es um die Streuobstwiesen, die das Schwarzwaldvorland prägen. „Diese Art des Obstanbaus entspricht nicht mehr den modernen Markterwartungen“, erklärt Lindenmann. „Die Streuobstwiesen können weitestgehend nur durch das Obstbrennen erhalten werden.“ Diese Erhaltung werde sowohl aus ökologischen Gründen wie auch aus Gründen des Tourismus gewünscht.

Zahl der Brenner geht zurück

8500 Brenner sind im Verband derzeit zusammengeschlossen. Ihre Zahl nimmt jährlich zwischen einem und zwei Prozent ab. Lindenmann: „Das geht Hand in Hand mit dem Strukturwandel.“ Über die Hälfte der rund 16 000 noch aktiven deutschen Klein- und Obstbrenner sind somit in Baden ansässig. Hochburg ist die Ortenau mit rund 6 000 aktiven Brennern, und hier insbesondere das Renchtal mit rund 2 000 Brennern. Das hängt zum einen mit der Geschichte zusammen. 1726 erlaubte der Bischof von Straßburg, dessen Herrschaftsbereich weite Teile des Renchtals zugehörten, seinen bäuerlichen Untertanen das Brennen von Kirschen. Ein weiterer Grund liegt in der kleinräumigen Struktur: Viele kleinere Höfe, jeder hat ein eigenes Brennrecht. Nicht umsonst ist der Verband in Appenweier ansässig. Das Brennen sieht Klaus Lindenmann als ein wichtiges Standbein für viele Höfe, auch weil es in die zeitlichen Abläufe passt: Man brennt in der Regel im Januar oder Februar.

Bald zu viel Alkohol auf dem Markt?

Die Frage sei, ob der Markt ab 2018 die zusätzliche Alkoholmenge aufnehmen kann. Der von den Obstbrennern derzeit noch an das Monopol gelieferte Alkohol wird als Industriealkohol verwertet. Aktuell liegt der Weltmarktpreis für Industriealkohol bei etwa 70 Cent pro Liter. So preisgünstig können die badischen Obstbrenner nicht produzieren. Da die Monopolverwaltung einen deutlichen höheren Preis bezahlt, gilt das nach EU-Recht als unzulässige Subvention. Lindenmann: „Ein Teil unserer Mitglieder fürchtet, dass künftig zu viel Alkohol auf dem Markt sein wird und der Preis, den große Brennereien für die Abnahme bezahlen, sinkt.“ Damit einher geht die Befürchtung, dass viele Brenner aufhören müssen, weil sich das Brennen für sie nicht mehr lohnt – und dass in der Folge Streuobstwiesen zu Spalieranlagen werden.

Problematische Vermarktung

Nach wie vor ist die Vermarktung das Problem. Selbstvermarktung sei für manchen eine Möglichkeit, aber nicht für alle. Ein guter Teil der Selbstvermarktung gehe an Feriengäste und Tagestouristen. Die Gäste, die wegen der schönen Streuobstlandschaft kommen, kaufen auch das von dort stammende Produkt – eben Edelbrände. Was vor 30 Jahren noch „Schnaps“ war, hat heute ein anderes Ansehen. Lindenmann: „Das ist den Brennerschulen zu verdanken.“ Hier sei sehr viel Positives passiert.