Zum Heulen finden die beiden Ensemblemitglieder des Pforzheimer Theaters, Spencer Mason (links) und Brian Garner das Ergebnis der US-Präsidentenwahl
Zum Heulen finden die beiden Ensemblemitglieder des Pforzheimer Theaters, Spencer Mason (links) und Brian Garner das Ergebnis der US-Präsidentenwahl | Foto: Ehmann

Pforzheimer zur Wahl Trumps

„Dieses Wahlergebnis macht mich krank“

Beim Bäcker, beim Frühstück, am Arbeitsplatz oder auf der Straße: Am Mittwoch gab es kein anderes Thema als die Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten. Nicht jeder hatte die verräterischen kleinen müden Äuglein, die ihn als Augenzeugen des nächtlichen Wahlmarathons entlarvten. Aber jeder hatte einen Kommentar zum Ausgang der Abstimmung parat.

„Gut, dass ich in Deutschland lebe“

Völlig „erschüttert“ und „geschockt“ reagieren die beiden US-Amerikaner Brian Garner und Spencer Mason, Ensemblemitglieder des Stadttheaters, auf die Neuigkeiten aus ihrer Heimat. „Gut, dass ich in Deutschland lebe“, sagt Garner. „Ich bin schockiert und 95 Prozent meiner Freunde sind schockiert.“ Gewählt hat er nicht. „Diese ganze Schmutzkampagne hat mich aufgeregt und enttäuscht.“ Auswirkungen befürchtet er „nicht nur für die USA, sondern für die ganze Welt“.

„Die Wassermelonen sind zur Wahl gegangen“

Spencer Mason hat sein Wahlrecht per Post ausgeübt. Genutzt hat es nichts. „Dieses Wahlergebnis macht mich krank. Es geht an die körperlichen Grenzen“, sagt er. Er befürchtet, dass die Menschen inzwischen „in komplett verschiedenen Geistesebenen leben“. Dass die Prognosen so „peinlich falsch“ waren, erklärt er sich damit, dass „die Meinungsforscher nur mit Menschen geredet haben, mit denen sie kommunizieren konnten. Wie soll man aus einer Wassermelone eine Meinung herausholen. Aber die Wassermelonen sind zur Wahl gegangen.“ Eigentlich, so Mason, wolle er vor Scham seine Wohnung nicht mehr verlassen. „Aber dieses Wahlergebnis ist trotz allem nicht das Ende der Welt. Es war ähnlich schlimm, als George W. Bush gewonnen hat. Und das haben wir auch überlebt.“

Krichbaum hofft auf Realismus

Mit diplomatischem Weitblick äußern sich Pforzheims Politgrößen. So sagt der Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Bundestags-Europaausschusses Gunther Krichbaum (CDU): „Gegenwärtig wissen wir noch nicht, was auf uns zukommt. Es bleibt zu hoffen, dass Donald Trump schnell aus dem Wahlkampfmodus herausfindet, Realismus einkehrt und die transatlantischen Beziehungen keinen Schaden nehmen. Seine Dankesrede gestern früh war jedenfalls erstaunlich versöhnlich und moderat. Das lässt mich trotz aller Schwierigkeiten hoffen.“

„Demokratie braucht keine Hetze“

Skepsis und Sorge treiben die SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast um: „In den USA kann man sehen, wohin soziale Spaltung und mangelnde Aufstiegschancen führen können. Die Wahl eines Kandidaten, der mit populistischen Parolen und Hetze gegen Minderheiten punkten konnte, zeigt, welche Folgen gesellschaftliche Spannungslinien haben können. Eine Demokratie braucht Miteinander, keinen Populismus und keine Hetze. Aber eben auch das Versprechen, dass jeder Chancen auf sozialen Aufstieg hat.“ Früh um fünf wurde Hans-Eberhardt Koch, Geschäftsführer des Pforzheimer Unternehmens Witzenmann, wach. „Und als ich das Wahlergebnis sah, konnte ich nicht mehr einschlafen.“ Er fürchtet, dass die „Unsicherheiten und Risiken für die Wirtschaft nach dem Wahlsieg von Trump noch größer“ werden.

Risiken für den Welthandel

Der künftige US-Präsident habe „Vorstellungen wie Importzölle oder die Aufkündigung von Nafta, die, wenn er sie wirklich in die Tat umsetzt, den Welthandel beeinträchtigen“. Als Exporteure und international tätige Wirtschaft träfe dies insbesondere die Unternehmen in Baden-Württemberg. „Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass er politisch noch in den Mainstream der republikanischen Partei eingenordet wird. Vielleicht hört er ja auf seine Berater.“

Chance für Europa

Nicht nur Unheil, sondern auch eine Chance glaubt Burkhard Thost, Präsident der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald, in dem Wahlergebnis zu sehen. „Amerika wird sich nach dieser Wahl dramatisch verändern. Wir müssen damit rechnen, dass freiheitliche Werte, Offenheit und Respekt öfter ausgespielt werden gegen nationale Abschottung, Ausgrenzung und nicht immer fairen Wettbewerb. Das macht es für die Wirtschaft nicht einfacher. Hierin liegt eine Chance für Europa. Wenn wir jetzt unsere Werte und unser Ansehen in der Welt einbringen, unsere Verantwortung wahrnehmen und selbstbewusst und gemeinsam unser europäisches Potenzial nutzen, politisch und wirtschaftlich.“