Supermarkt
Urteil gefallen: Hinter Gittern muss ein Mann aus dem Elsass, der in einem Kehler Supermarkt Tränengas verprühte.

Tränengas in Kehler Supermarkt

Eifersüchtiger Elsässer muss in Haft

Von Harald Rudolf

Ein 57 Jahre alter Franzose ist wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer einjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Er hatte im September in einem Supermarkt in Kehl mit Tränengas um sich gesprüht. Der Markt wurde geräumt, sieben Personen ins Klinikum gebracht. Vor dem Gericht in Offenburg gab der geständige wie reuige Analphabet unklare Motive an.

Eifersucht als Tatmotiv?

Weil er „äußerst eifersüchtig“ sei, sein Ehemann mit einer anderen Person, die sich angeblich in dem Penny-Markt am Tattag befunden haben soll, „etwas hatte“, will er mit dem Tränengas gesprüht haben. Mit seinem Ehemann kam er mit dem Bus von Straßburg nach Kehl und ging zu Fuß in den Markt in der Königsberger Straße. Dort will er „die andere Person“ getroffen haben. „Beide hatten etwas miteinander. Dann ist das passiert.“

Starke Alkoholsucht

Auf Nachfrage von Richterin Marion Weber, dass sie nach der Schilderung noch nicht immer nicht verstanden habe, weshalb er „in der Nähe von Menschen und Lebensmitteln“ mit Tränengas gesprüht hatte, erwiderte der Elsässer: Er habe das zuvor aus Selbstverteidigungsgründen in einem Waffengeschäft in Straßburg gekaufte Tränengas einfach mal ausprobieren wollen. Später erklärte er ohne Dolmetscher auf Elsässisch klar wie verständlich: „Ich war voll.“

Tagesration von 18 Bieren

Ein 18er-Pack Bier habe er bis zu seiner Inhaftierung täglich getrunken. Die erste Flasche stets morgens um 7.30 Uhr in einem mit seinem Ehemann bewohnten Wohnwagen auf dem öffentlichen Parkplatz hinterm Friedhof. Von den Auswirkungen des Gases habe er nichts mitbekommen, erklärte er. Sein Ehemann sagte noch, „tu das nicht“, und sei nach dem Sprühen in die Wolke gelaufen und davon gestürmt. „Danach gingen alle Leute los“, so der 57-Jährige.

Attacke an der Kühltheke

Laut Anklage befanden sich 15 Kunden und drei Angestellte zur Tatzeit gegen 14.13 Uhr in dem Markt. Acht Personen erlitten Reizungen in den Augen, sieben wurden in das Klinikum Kehl gebracht und dort zum Teil mit Cortison behandelt. Zunächst war unklar, ob Kühlmittel ausgetreten war. Die Attacke ereignete sich in einem Gang an der Kühltheke.

Verhaftung bei Rückkehr

Während der Evakuierung des Marktes stand der 57-Jährige vor dem Eingang und betrachtete das Geschehen. Als er Wochen später – aus welchem Grund auch immer – zurück in den Markt ging, wurde er erkannt und verhaftet. Zuvor hatte die Aufzeichnung der Videoüberwachung ergeben, dass ein Mann mit einem unverkennbaren Gesicht mit Tränengas um sich gesprüht hatte.

Täter will neues Leben beginnen

Nach anfänglichen Entzugserscheinungen in Untersuchungshaft fühle er sich jetzt ohne Alkohol besser, erklärte er. Trinken wolle er nichts mehr, „das ist fertig“, nur den Geburtstag seines Ehemanns wolle er noch nachfeiern. Mit diesem beabsichtige er auch den Umzug mit Wohnwagen. Vom öffentlichen Parkplatz hinterm Friedhof zum Privatparkplatz des örtlichen Pfarrers. Er wolle nach der Haftentlassung Schreiben und Lesen lernen und auf Arbeitssuche gehen, so der 57-Jährige, der bislang von französischer Sozialhilfe lebte.