Gegen den Zölibat  wenden sich nun auch in Achern katholische Laien (Symbolfoto)
Gegen den Zölibat wenden sich nun auch in Achern katholische Laien (Symbolfoto) | Foto: Uwe Zucchi/dpa

Aktion in Achern

Engagierte Christen sammeln Unterschriften gegen den Zölibat

Von Michaela Gabriel

Großen Zuspruch fand der Aufruf von Klaus Huber aus Oberachern, jetzt als gläubige Laien gegen den Zölibat für katholische Priester aufzustehen. 18 teilweise in der Seelsorgeeinheit Achern engagierte Christen folgten seiner Einladung  ins Gemeindehaus St. Josef in Achern. Gemeinsam wollen sie nun eine Unterschriftenaktion starten.

Dass der Acherner Pfarrer Matthias Fallert diesen Sommer sein Priesteramt niedergelegt hat, war nur der Anlass. „Es sind jetzt schon drei beliebte Pfarrer aus unserer Gegend gegangen”, erinnerte Klaus Huber an Bernhard Frey und Edgar Eisele. Das Zölibatsgesetz zwinge Menschen Lasten auf, die Jesus nicht gefordert habe. Gerhard Brock, Pastoralreferent aus Sasbachwalden, sieht das auch so: „Wenn jemand den Zölibat leben kann, ist das gut und wichtig und wertvoll. Aber viele leiden darunter. Wir müssen aufhören, sie leiden zu lassen.” Das im elften Jahrhundert formulierte Gesetz könne man heute in Frage stellen – zumal es Ausnahmen davon gebe und es in anderen christlichen Kirchen nicht gelte.

„Barmherzigkeit ist auch für Priester nötig“

„Kirche hat für mich viel Gutes”, aber der Zölibat sei unmenschlich, sagte Helga Strack vom Kirchenchor Oberachern. Um die Priester, die gegangen seien, könne man nicht mehr kämpfen, aber man könne sich für die Zukunft der Kirche einsetzen. Nach dem Memorandum einer großen Gruppe von Theologen 2011, die Reformen von der katholischen Kirche forderten, müssten nun ein nächster Schritt folgen , meinte Wolfram Fischer vom Gemeindeteam Achern. „Ohne Zölibat ist es ehrlicher. Deshalb bin ich dafür, dass es den Priestern freigestellt wird. Barmherzigkeit ist auch für Priester nötig”, plädierte Annette Bartsch, engagiert in der Caritas-Konferenz Achern.

„Ich bin schon ewig lange gegen den Zölibat. Ein Pfarrer sollte sich frei dafür oder dagegen entscheiden können”, erklärte Carola Eckl aus Sasbach: „Nur wenn wir etwas tun, kann sich etwas verändern.” Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin von „Iss gemeinsam” schloss sich an: „Für mich ist das ein großes Anliegen. Es ist wichtig, dass die Kirche hier einen größeren Schritt vorwärts macht.” Auch einige Christen der Acherner Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten waren gekommen, um mit Katholiken ins Gespräch zu kommen. Sie erinnerten daran, dass Jesus die Ehe selbst eingesetzt habe.

„Der Dialog ist unsere Aufgabe“

Nicht polarisieren will Gerhard Brock: „Aber der Dialog ist unsere Aufgabe. Wir möchten die Kirche voranbringen, dass sie sich reformiert, sich an Jesus orientiert und nah bei den Menschen bleibt.” Annette Bartsch ergänzte: „ … und damit uns nicht weiter die Leute davon laufen.” Es tue weh, wenn begabte Priester gehen, so Gerhard Brock, denn die Kirche brauche dringend gute Seelsorger.

„Ich hoffe, dass wir einen Aufbruch erzeugen können”, so Klaus Huber, Mitglied der Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche e.V.” Nicht nur in Achern, auch andernorts werde der Zölibat in Frage gestellt. Nun wolle man die Menschen informieren und Unterschriften sammeln. Der Aufruf soll gerichtet werden an das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, den Leiter der deutschen Bischofskonferenz und an Papst Franziskus in Rom.