Kräfte bündeln wollen vier Genossenschaftsbanken im Enzkreis. Der Sitz der neuen Bank soll künftig in Remchingen sein – hier die Hauptstelle der Volksbank Wilferdingen-Keltern. 	Foto: Archiv/eh
Kräfte bündeln wollen vier Genossenschaftsbanken im Enzkreis. Der Sitz der neuen Bank soll künftig in Remchingen sein – hier die Hauptstelle der Volksbank Wilferdingen-Keltern. Foto: Archiv/eh

Bankenfusion im Enzkreis

„Das ist die logische Konsequenz“

Überrascht und verständnisvoll reagieren Bürgermeister der betroffenen Gemeinden auf die geplante Bankfusion im Enzkreis. Wie berichtet, wollen sich die vier Genossenschaftsbanken Volksbank Wilferdingen-Keltern, Volksbank Stein Eisingen, die VR Bank im Enzkreis und die Raiffeisenbank Bauschlott im kommenden Jahr zusammenschließen.

Entlassungen soll es nicht geben

Der Kelterner Bürgermeister Steffen Bochinger war überrascht, als ihn Jürgen Wankmüller, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Wilferdingen-Keltern, am Telefon über die geplante Fusion informiert hat. Dass sich die Banken gemeinsam für die Zukunft stark aufstellen wollen, kann Bochinger nachvollziehen: „Das ist die logische Konsequenz.“ Das Kelterner Ortsoberhaupt überrascht aber, dass die Verschmelzung so schnell kommt und so groß ausfällt.
Wichtig ist Bochinger, dass es keine Entlassungen gibt und die Zweigstellen in Keltern erhalten bleiben. Das habe ihm Wankmüller zugesichert, so Bochinger. Derzeit gibt es eine Filiale in Dietlingen, Ellmendingen und Weiler.

Geschwindigkeit überrascht Bürgermeister

Ähnlich sieht der Neuhausener Bürgermeister Oliver Korz die Fusionspläne. Momentan hätten es die Banken vor allem durch die niedrigen Zinsen nicht leicht. Darum sei es nachvollziehbar, dass sie sich nach Partnern umschauen. Die Banken müssten auch auf das geänderte Kundenverhalten reagieren. Die Geschwindigkeit sei jedoch überraschend – „das ist ambitioniert“, so Korz. Wichtig sei nun, die Mitglieder von der Idee zu überzeugen. Wie berichtet, müssen im Mai mindestens 75 Prozent der Vertreter der vier Banken für die Fusion stimmen. Korz hofft ebenso wie Bochinger, dass das Filialnetz nicht ausgedünnt wird. Momentan ist die VR Bank im Enzkreis, die ebenfalls aus einer Fusion entstanden ist, in Neuhausen, Mühlhausen, Hohenwart, Iptingen, Enzberg, Niefern und Öschelbronn vertreten. Hauptsitz ist derzeit Niefern.

Trend zu Fusion schon länger zu beobachten

Heiko Genthner, Bürgermeister von Königsbach-Stein, wertet die Verschmelzung als „Bekenntnis zur Region und zu den Gemeinden“. Der Trend zu größeren Einheiten sei schon länger zu beobachten. Wichtig sei, dass die genossenschaftlichen Banken mit ihren Dienstleistungen und Ansprechpartnern weiterhin vor Ort vertreten seien. In Königsbach unterhält derzeit die Volksbank Wilferdingen Keltern eine Filiale und in Stein die Volksbank Stein Eisingen.

Verschmelzung „sinnvoller Zwischenschritt“

Wenig überrascht reagiert der Vorstandsvorsitzende der Pforzheimer Volksbank, Jürgen Zachmann, auf den geplanten Zusammenschluss. „Die Fusionswelle im Land läuft. Die geplante neuer Viererbank ist ein Beweis dafür.“ Als starke Konkurrenz sieht Zachmann die neue Bank nicht, da die vier Partner schon da gewesen seien und es sich nicht um einen neuen Mitbewerber handele. Außerdem gebe es wenig Überschneidungen. Die neue Bank würde eine Bilanzsumme von 1,3 Milliarden Euro verzeichnen, während die Pforzheimer Bank 2,9 Millionen Euro aufweist. „Für uns ändert sich nichts“, betont Zachmann, der das Vorhaben als „sinnvollen Zwischenschritt“ bezeichnet und auch nicht prophezeien will, ob sich in Zukunft weitere Genossenschaftsbanken im Enzkreis anschließen könnten. Ein Zusammenschluss mit der Pforzheimer Volksbank, die vor einigen Jahren die Raiffeisenbank in Birkenfeld geschluckt hatte, sei kein Thema gewesen. Unter anderem habe es Vorbehalte gegeben, da das Pforzheimer Kreditinstitut zu weit weg sei. Außerdem wäre keines der Vorstandsmitglieder der vier Enzkreis-Banken im neuen Vorstand vertreten gewesen.

Sitz der Bank soll Remchingen sein

Dieses Gremium soll besetzt werden mit den Vorständen der Volksbank Wilferdingen-Keltern, Ulf Meißner und Jürgen Wankmüller, der auch den Vorsitz übernehmen würde. Außerdem mit Klemens Schork und Armin Kühn, Vorstände der VR Bank im Enzkreis, sowie Martin Schöner, Vorstandsmitglied der Volksbank Stein Eisingen. Sitz der neuen Bank soll Remchingen werden.
Marcel Tilmann, Vorstand der Volksbank Stein Eisingen, Jan A. Dressle und Götz L. Machtolf, Vorstände der Raiffeisenbank Bauschlott, erhalten Gesamtprokura und übernehmen jeweils Führungsverantwortung in der vereinigten Genossenschaft.