In Handschellen abgeführt wurde der 33-Jährige, der seine Verlobte totgeprügelt hat. Dafür muss er acht Jahre hinter Gitter.
In Handschellen abgeführt wurde der 33-Jährige, der seine Verlobte totgeprügelt hat. Dafür muss er acht Jahre hinter Gitter. | Foto: Pfitzenmeier

In Rage zugeschlagen

Engelsbrand: Acht Jahre Gefängnis für tödliche Prügelattacke

Für acht Jahre muss der 33-Jährige, der im April seine Lebensgefährtin im gemeinsamen Haus in Grunbach totgeprügelt hat, hinter Gitter. Das Landgericht Karlsruhe verurteilte den Mann wegen Körperverletzung mit Todesfolge und nicht – wie in der ursprünglichen Anklageschrift verlautbart – auf Totschlag. Oberstaatsanwältin Gabriele Gugau hatte neun Jahre Haft gefordert. Verteidigerin Susanne Burkhardt forderte kein konkretes Strafmaß für ihren Mandanten, erkannte aber einen „minder schweren Fall“.

Gutachter: Angeklagter ist schuldfähig

Ralph-Michael Schulte kam in seinem psychiatrischen Gutachten zu dem Ergebnis, dass der Angeklagte schuldfähig sei. Er habe keine Hinweise feststellen können, die von Psychosen, einer Persönlichkeitsstörung oder schweren Depression vor der Tat künden. Den Charakter des Angeklagten beschrieb Schulte als „emotional instabil“. Er zeige „schizoid anmutende Züge“, eine „gesteigerte Eifersucht“ und ein eingeschränktes Selbstvertrauen“. Für das Tatgeschehen selbst, so der Gutachter weiter, zeige der Angeklagte eine „gewisse Amnesie“, was Details betrifft. Die Sozialprognose des Lagerlogistikers bezeichnete Schulte als „günstig“, es seien momentan weder eine Aggressionstendenz noch eine Selbstmordabsicht erkennbar. Er empfehle die Unterbringung in einer Haftanstalt, in der eine Berufsausbildung möglich ist.

Möchte mich entschuldigen für das Leid

Der Beschuldigte selbst wandte sich gleich zwei Mal – zu Beginn und am Ende des letzten Verhandlungstags – an die Eltern der Getöteten, die als Nebenkläger auftraten. Es vergehe kein Tag, an dem er seine Tat nicht bereue. „Ich möchte mich entschuldigen für das Leid, das ich euch angetan habe“, sagte der Angeklagte. Gabriele Gugau sah aus Sicht der Anklage eine regelrechte „Gewaltexplosion“ in der Tatnacht als gesichert.

Leichnam übersät mit Blutergüssen

Der Körper der Toten sei von Kopf bis Fuß mit Blutergüssen übersät gewesen. Der Abriss des linken Leberlappens resultierte Gugau zufolge nicht aus einem Stoß auf die Kommode. Vielmehr sorgten massive Faustschläge oder ein Fußtritt für die tödliche Verletzung. Der Angeklagte habe „in Rage, blindwütig und mit voller Wucht“ gehandelt. Weil er keine Waffe benutzt und Wiederbelebungsversuche eingeleitet hatte, könne nicht sicher gesagt werden, dass der Beschuldigte den Tod seiner Verlobten billigend in Kauf genommen habe. Dennoch habe er fahrlässig gehandelt. Von einem minder schweren Fall könne allerdings keine Rede sein.

Verteidigung: Tötungsvorsatz nicht gegeben

Susanne Burkhardt sah in ihrem Mandanten keinen „Totschläger“. Dem Angeklagten sei eine „Sicherung durchgebrannt“, töten habe er seine Partnerin aber nicht wollen. Ein Tötungsvorsatz sei demnach nicht gegeben. Das Gericht kam zu dem Ergebnis, dass es zwar zu einer „brutalen Verprügelungsorgie“ gekommen sei, die versuchte Reanimation der Frau zeige aber, dass ihm ihr Tod nicht egal war. Daher entschieden die Richter nicht auf Totschlag – wie es die Nebenklage gefordert hatte –, sondern auf Körperverletzung mit Todesfolge, wofür der Strafrahmen zwischen drei und 15 Jahren liegt. Der Vorsitzende Richter Leonhardt Schmidt bescheinigte dem Angeklagten eine „fehlende Impulskontrolle“.
Gleichwohl habe der 33-Jährige „eindrucksvoll und authentisch“ Reue gezeigt. Wie die Anklage sah auch das Gericht einen minder schweren Fall aber nicht gegeben. Dafür habe der Beschuldigte seine Verlobte zu brutal zugerichtet.