Zum Ehrenvorsitz im CDU-Kreisverband gratulierte der Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum (links) dem ehemaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus. 	Foto: pec
Zum Ehrenvorsitz im CDU-Kreisverband gratulierte der Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum (links) dem ehemaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus. Foto: pec

CDU wählt Stefan Mappus

Kleines Comeback auf politischer Bühne

Von Jürgen Peche

Sehnsucht nach den guten alten Zeiten trieb die CDU Pforzheim/Enzkreis am Freitag um. Dazu gehörte auch Dankbarkeit für Stefan Mappus, der wenig mehr als ein Jahr Ministerpräsident war und für eine Vielzahl weiterer Verdienste, die beim Kreisparteitag in der Festhalle Enzberg mehrfach aufgeführt wurden, wie bereits berichtet den Ehrenvorsitz des Kreisverbands erhielt.

74 Parteimitglieder stimmen für Mappus

Seine Parteifreunde sind stolz darauf, dass er dem Ortsverband Enzberg entsprang. Deshalb wundert es nicht, dass der CDU-Stadtverband Mühlacker im Juli einstimmig einen Antrag beschloss, mit dem Ziel, Stefan Mappus zum Ehrenvorsitzenden des Stadtverbands Pforzheim/Enzkreis zu wählen. Und es sollte hier geschehen, in Enzberg, wo alles begann, wo „der Stefan“ zur Schule und in den Fußballverein ging. „Herzlich willkommen zu Hause“, begrüßte ihn Theo Bellon, der CDU-Hausherr in der Halle – dabei auch sein politischer Ziehvater, Günter Bächle. „Ich hatte viel Glück gehabt im Leben“, resümierte Mappus später, als er schon die 74 von 100 gültigen Stimmen für den Ehrenvorsitz in der Tasche und einen Blumenstrauß auf dem Tisch hatte, neben Frau und Sohn.

„Ich habe wieder Bock auf Politik“

Es ist ein Comeback auf der politischen Bühne, ein kleines zumindest. „Denn ich habe noch einen anderen Job.“ Immerhin, als Ehrenvorsitzender des Kreisverbands hat er Stimmrecht im Vorstand – deshalb wurde auch geheim und nicht per Akklamation gewählt. „Ich habe wieder Bock auf Politik“, untermauerte der 50-Jährige sein Vorhaben, und denkt gerne zurück an die 15 Monate als Ministerpräsident, in der viel über ihn hereingebrochen sei. „Dennoch möchte ich diese Zeit nicht missen“, versicherte er den Zuhörern. Was hat er vor? Er hofft, die CDU geht wieder in die Richtung, wo sie herkommt, und meint die große Bandbreite der Partei. „Von links bis zur demokratischen Rechte“ müsse sie „als echte Volkspartei“ wieder alles abdecken. Dies zu erreichen, dazu fällt ihm das „Mittel des Streits als wichtiges Element der Politik“ ein. Emotionen gehörten einfach dazu. In dieser Auseinandersetzung um die Richtung der CDU will er im kommenden Wahlkampf etwas beitragen, um das Mandat von Gunther Krichbaum zu „stabilisieren“. Dass dieser den Sitz holt, sei klar. Und er will helfen, in fünf Jahren für die CDU die beiden Direktmandate wieder zurückzuholen – ob mit ihm als Kandidaten ließ er offen. „Die CDU kann Mitstreiter von seinem Kaliber gut brauchen“, versicherte Wolfgang Schreiber, der Ehrenvorsitzende des Stadtverbands Mühlacker. 26 der 100 gültigen Stimmen sagten Nein zum Ehrenvorsitz, aber öffentlich Farbe bekennen in der Aussprache nach dem Antrag wollte keiner.

Stationen in Mappus Karriere aufgezählt

Wolfgang Schreiber, der die Mitglieder zur Einheit aufrief, oblag es als Laudator unter großem Beifall den Werdegang von Mappus zu schildern, „Meilensteine“ einer politischen Karriere, die 1983 begann, wo er als 17-jähriger zur Jungen Union kam. Er wurde deren Sprecher, dann Stadtrat in Mühlacker, Kreisvorsitzender und Landespolitiker. Er war Umwelt- und Verkehrsminister und CDU-Fraktionschef, bevor er für den nach Brüssel gehenden Günter Oettinger auf den Chefsessel rückte – bis ihn der Grüne Winfried Kretschmann 2011 ablöste. 2011, war für den jungen Ministerpräsidenten ein schwieriges Jahr: „Stuttgart 21, der Kauf der EnBW-Anteile und Fukushima“, erinnert Schreiber. Ihm sei viel zugemutet worden, wobei sich die meisten Anfechtungen später als nicht haltbar herausgestellt hätten.

„Schlimme Rolle“ für Thomas Blenke

Was bleibt sind seine großen Verdienste, ums Land, den Kreisverband, die Partei, für Pforzheim. Krichbaum zählte alles auf, von der Gartenschau in Mühlacker bis zur Westtangente in Pforzheim. Soviel, das scheint aller Ehren wert. Und auch, was geschehen wäre, wäre Mappus Ministerpräsident geblieben: Pforzheim hätte heute ein Polizeipräsidium, ist Krichbaum überzeugt. Ein anderer litt an diesem Abend noch an dem Wahlergebnis vom 13. März: Der Betreuungsabgeordnete für die Wahlkreise Pforzheim und Enzkreis, Thomas Blenke aus Calw, kann sich kaum in diese schlimme Rolle finden, die früher undenkbar erschien. Angesichts der Juniorpartnerschaft in Stuttgart ist Blenke leicht säuerlich, steht dennoch zu der „Koalition der Verantwortung“, die aber kein Dauerzustand sein dürfe.
Die CDU sei durch das Innenressort „Garant für innere Sicherheit“, war sein Vortrag überschrieben. Ein Fachgremium werde jetzt die Polizeireform evaluieren und in einem halben Jahr Ergebnisse vorlegen. „Wir werden das Rad nicht ganz zurückdrehen, sondern nur die größten Fehler korrigieren“, stellte er seinen Parteifreunden in Aussicht.