Mit einem Bolzenschneider knacken Fahrraddiebe fast jedes Schloss.
Mit einem Bolzenschneider knacken Fahrraddiebe fast jedes Schloss. | Foto: Gentsch

Geringe Aufklärungsquote

Fahrraddiebstähle nehmen in Bühl dramatisch zu

Für die Beamten des Polizeireviers Bühl ist es längst Alltag. In diesem Jahr wurden bis Ende August im Stadtgebiet 134 Fahrräder gestohlen, die meisten davon in der Kernstadt. Die Steigerung ist signifikant. Im gesamten Jahr 2015 wurden nur 108 Fahrräder in Bühl entwendet. Damit ist Bühl im Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg neben Offenburg und Achern ein Brennpunkt. In den kleineren Bühler Nachbargemeinden gibt es hingegen relativ wenige Probleme mit Fahrraddiebstählen.

Neues Konzept der Polizei

Warum die Fallzahlen in Bühl explodiert sind, ist unklar. „Wir haben den steilen Anstieg bereits im Juni festgestellt und eine Konzeption erarbeitet“, berichtet Walter Kautz, Leiter des Polizeireviers Bühl. „Wir haben die Zahlen ausgewertet und nach Schwerpunkten geschaut.“ Die sind offensichtlich. Besonders viele Fahrräder werden im Bahnhof und seiner Umgebung gestohlen. Im ersten Halbjahr waren es 72. Im Sommer kam das Freibad als weiterer Schwerpunkt hinzu. Alle Wochentage sind gleichermaßen betroffen, nur am Wochenende sind offensichtlich weniger Diebe unterwegs.

Verstärkte Kontrollen

Die Bühler Polizei reagierte auf die Diebstahlserie unter anderem mit Fahrradkontrollen. „Wenn ein Wohnsitzloser ein teures Mountainbike fährt, ist das schon verdächtig“, meint Kautz. Auch die Schulwege werden stichprobenartig überwacht. Wichtig für die Arbeit der Polizisten ist die Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN). Mit deren Hilfe können sie feststellen, ob ein bestimmtes Zweirad als gestohlen gemeldet wurde.
„Es werden nicht nur teure Räder gestohlen, sondern auch solche in der Preisklasse um 500 Euro“, sagt Kautz. Dabei sind die Diebe ziemlich dreist und schlagen oft am helllichten Tag zu. Die Polizei geht davon aus, dass oft mehrere Täter zusammenarbeiten, um die Schlösser gefahrlos knacken zu können. Ein kleiner Bolzenschneider passt unauffällig in jeden Rucksack. Während zwei oder mehr Personen das Fahrrad mit ihren Körpern abdecken, zerschneidet eine andere das Schloss. Selbst in publikumsintensiven Bereichen wie der Eisenbahnstraße oder im Umfeld des Johannesplatzes werden auf diese Weise Fahrräder entwendet.

Aufklärungsquote von 15,8 Prozent

„Wir tun unser Möglichstes“, erklärt der Bühler Polizeichef. „Die Kollegen auf Streife sind besonders aufmerksam.“ Das trägt Früchte. In diesem Jahr wurden 21 Fahrraddiebstähle aufgeklärt, das entspricht einer Quote von 15,8 Prozent. Im vergangenen Jahr betrug die Aufklärung hingegen nur 4,6 Prozent.
Dennoch bleibt der Kampf gegen den Fahrradklau für die Polizei eine Sisyphusarbeit. Auch Kautz spricht lediglich von einem Teilerfolg. „Die ermittelten Täter stammen aus dem Raum Bühl und nutzten die entwendeten Räder selbst“, berichtet er. Ein Mehrfachtäter, gegen den es einen Haftbefehl gibt, ist untergetaucht.
Die übrigen Fahrzeuge bleiben in aller Regel dauerhaft verschwunden und sind vermutlich längst nicht mehr in der Gegend. „Bei hochwertigen Räder ist organisierte Kriminalität möglich“, räumt Kautz ein. „Wir können nicht ausschließen, dass sie ins Ausland transportiert wurden.“

Tipps zur Sicherheit

Der Bühler Polizeichef hat für Radfahrer einige Tipps. Sicher sind die beiden von der Stadt betriebene Radhäuser beim Bahnhof, für die es allerdings eine Warteliste gibt. Kautz empfiehlt in jedem Fall gute Schlösser vor allem für hochwertige Räder. „Ein Speichenschloss reicht definitiv nicht“, stellt er fest. Außerdem sollen die Radler alle Kaufunterlagen aufbewahren, die der Polizei im Fall eines Diebstahls und einer Anzeige die Arbeit erleichtern.

Viele Fälle sind kurios

Bühl hat sich zu einer Hochburg für Fahrraddiebstahl entwickelt. Viele Fälle sind kurios. Der ABB blickte in die Polizeiberichte.
Während des Zwetschgenfestes stellte eine Ehepaar seine beiden E-Bikes in der Eisenbahnstraße ab. Die beiden Fahrzeuge wurden an das Geländer des Kirchgassgrabens gekettet und zusätzlich miteinander verbunden. Als das Ehepaar gegen 23.15 Uhr zum Abstellplatz zurückkehrte, musste es feststellen, dass beide Schlösser mit einem Bolzenschneider aufgeschnitten worden waren. Das E-Bike des Mannes wurde gestohlen, das der Frau blieb zurück.

Nur kurz ausgetreten

Noch kurioser ist ein anderer Fall, der beim Bühler Polizeirevier zur Anzeige kam. Ein Radfahrer war von Bühl nach Vimbuch unterwegs. „Kurz nach dem Umspannwerk musste der Geschädigte absteigen, um sich zu erleichtern“, heißt es im Polizeibericht. „Hierzu stellte er sein Fahrrad am Radweg ab und begab sich in ein angrenzendes Maisfeld. Als der Geschädigte kurz darauf wieder zu seinem Fahrrad gehen wollte, musste er feststellen, dass dieses entwendet wurde.“

Glückliches Ende

Ein glückliches Ende fand ein anderer Fahrraddiebstahl. In der Nähe des Kauflands entdeckte die Polizei ein unverschlossenes neuwertiges Fahrrad. Die Beamten stellten fest, dass es in einem Bühler Fahrradgeschäft gekauft worden war und erhielten dort die Kundendaten.
Sie riefen bei der Besitzerin an und erfuhren, dass ihr das Rad zuvor im Bereich des Kauflands gestohlen worden war. Die rechtmäßige Eigentümerin konnte ihr Fahrrad wieder in Besitz nehmen.