Jennifer Lehoux-Wäldele und Klaus Wäldele beim Füttern des Fleckviehs.
Jennifer Lehoux-Wäldele und Klaus Wäldele beim Füttern des Fleckviehs. | Foto: Bühler

Familie Wäldele züchtet Rinder

Fleisch aus Steinbach

„Mein Mann wollte schon immer Landwirt werden. 1996 hat er sich dann die ersten drei Kühe angeschafft. Durch Nachzucht haben wir jetzt 48 Tiere auf der Weide stehen“, bekennt stolz Jennifer Lehoux-Wäldele. „Die Frage ist, woher kommt das Fleisch. Und die Kunden wollen wissen, wie die Tiere aufwachsen. Bei uns ist das alles transparent“, geht sie auf die Vermarktung ein, die unter ihrer Regie liegt.
Das Fleckvieh steht einträchtig auf einer Wiese direkt vor den Toren Steinbachs mitten im Naturschutzgebiet. „Wir haben für die Bewirtschaftung einen genauen Weide- und Mähplan, damit die hier vorhandenen Kräuter und Gräser auch blühen können“, führt sie aus. Am Anfang begann der Fleisch-Verkauf langsam durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Kundschaft kommt überwiegend aus der näheren Umgebung. Die Wäldeles sind aber auch auf einem Flyer des Landwirtschaftsamtes bei direkt vermarktenden Betrieben vertreten. Und bei den verschiedenen Bauernmärkten in der Region sind sie mit einem Stand präsent. „Es gibt auch immer wieder Urlauber, die spontan auf uns zukommen und nach unserem Fleisch fragen“, freut sich Jennifer Lehoux-Wäldele.
Es ist ein Bild wie aus früheren Tagen: Klaus Wäldele hat den Unterarm auf eine Heugabel gestützt, hinter ihm stehen die Rinder und kauen gemächlich das Heu. „Das Futter machen wir natürlich selbst. Bei den feuchten Wiesen hier müssen wir in diesem Frühjahr jedes noch so kleine Zeitfenster nutzen, um es reinzuholen“, stellt der Landwirt im Nebenerwerb fest. Man merkt sofort, Klaus Wäldele ist Landwirt mit Leib und Seele – vor und nach der Arbeit und natürlich am Wochenende kümmert er sich um die Tiere. „Die Menschen müssen sich klar darüber sein, dass gutes Fleisch seinen Preis hat. Wir vermarkten selbst, weil sonst der Handel absahnt, was wir hier tagtäglich auf dem Feld und bei der Versorgung der Tiere leisten“, geht er auf die finanzielle Seite ein. Beim Stichwort Discounter und deren Einkaufsmacht winkt er ab. „Der Verkauf in Massen hat nichts mit Qualität zu tun“, bringt er es auf den Punkt.
Wenn es ans Schlachten geht – acht Mal im Jahr, von Januar bis Mai und von September bis Dezember – nimmt Jennifer Lehoux Wäldele die Vorbestellung der Kunden entgegen. Geschlachtet wird bei einer kleinen Familienmetzgerei in Ottenhöfen. „So haben ich auch bei der Schlachtung einen genauen Überblick, was mit den Tieren geschieht“, gibt Wäldele zu bedenken.
Am Anfang der Direktvermarktung gab es ein Angebotspaket von zehn Kilogramm mit Braten, Suppenfleisch, Steak und Gulasch. „Mittlerweile gibt es viele Kunden, die Kleinmengen ab einem Kilogramm abnehmen. Vor allem die vielen Grillseminare, die es jetzt gibt, sorgen für eine gute Nachfrage“, setzt Jennifer Lehoux-Wäldele auseinander. In Mode sind dadurch auch teils vergessene Fleischstücke wie Tafelspitz oder der zarte Nierenzapfen sowie das Flank-Steak aus der hinteren Keule gekommen.
„Das Fleckvieh ist eine Nutzrasse, die etwas größer ist und die vor allem recht robust ist, weshalb wir so gut wie keine Probleme mit Krankheiten haben“, ergänzt Klaus Wäldele und schiebt noch etwas Heu zu den bulligen Rindern. Im Winter gibt es Silage, die die Wäldeles mähen und in großen Ballen lagern. „Wir arbeiten eng mit dem Naturschutz zusammen und wir verwenden keinen Kunstdünger“, betont er. „Das Preisniveau unseres Fleisches kann man mit dem einer hiesigen Metzgerei vergleichen. Und wenn sich das alles toll rechnen würde, dann müsste mein Mann nicht mehr regulär als Gärtner arbeiten gehen“, kommt Jennifer Lehoux-Wäldele auf die betriebswirtschaftliche Seite zu sprechen.
Vor und nach der Arbeit kontrolliert Klaus Wäldele, ob auf der Weide alles in Ordnung ist und im Winter, wenn das Vieh im großen Kaltstall steht, muss eben auch noch gefüttert werden. An Urlaub ist kaum zu denken, höchstens einmal fünf Tage im Jahr, weil dann Verwandte für die Versorgung der Tiere einspringen müssen. „Wir überlegen, ob wir mittelfristig offiziell auf Bio-Betrieb umstellen. Draußen ändert sich zwar dadurch nichts, aber wegen der Dokumentation wird der Verwaltungsaufwand stark zunehmen.“ Auch die Verwaltung schmeißt neben der Vermarktung Jennifer Lehoux-Wäldele. Die gebürtige Kanadierin hat sich der Liebe wegen 1999 entschieden, in Steinbach zu bleiben.
„An den Tieren hängt viel Arbeit, insgesamt bewirtschaften wir eine Fläche von 40 Hektar“, umreißt sie das Arbeitspensum. Pro Jahr werden im Schnitt zwölf Rinder vermarktet. Und wie sieht es mit der Zucht aus? „Wir haben einen Zuchtbullen. In der Regel geht das mit der Geburt glatt, die Tiere schaffen das eigentlich völlig selbstständig. Lediglich, wenn eine Kuh zum ersten Mal ein Kalb bekommt, kann es auch zu problematischen Situationen kommen. Aber das ist natürlich und wir wissen, was wir zu tun haben.“