Bilden vielleicht bald ein großes Bankhaus: Die Volksbanken Pforzheim und Karlsruhe treten in Sondierungsgespräche ein
Bilden vielleicht bald ein großes Bankhaus: Die Volksbanken Pforzheim und Karlsruhe treten in Sondierungsgespräche ein | Foto: Montage PK

"Zwei Banken auf Augenhöhe"

Fusion der Volksbanken Pforzheim und Karlsruhe „frühestens Anfang 2018“

Gerne hätte Jürgen Zachmann, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Pforzheim, zunächst seine Mitarbeiter informiert über die Gespräche, die man mit der Volksbank Karlsruhe zur Anbahnung einer Bankenfusion anstrebt. Doch der Pforzheimer Kurier kam den Bankenchef zuvor und berichtete exklusiv von den Fusionsplänen.

Aufsichtsrat gibt grünes Licht

Bereits in der vergangenen Woche hatte der Aufsichtsrat der Volksbank Pforzheim seinem Vorstand grünes Licht gegeben, Verhandlungen mit den Karlsruher Kollegen aufzunehmen. Und auch vom Karlsruher Pendant wurde ein eindeutiges Ja zur Aufnahme der Gespräche erwartet.

Zachmann betonte, Gedanken über eine Fusion würden „aus einer Position der Stärke“ heraus geführt. Beide Banken seien zukunftsfähig aufgestellt und hätten keinerlei Probleme. „Wir sind beide so stark und glücklicherweise groß genug, dass wir die Zukunft meistern können – das gilt für beide Häuser. Diese Ausgangssituation erleichtert solche Gespräche“, so Zachmann.

Führungsanspruch der Pforzheimer?

Zu einer möglichen Führungsstruktur eines fusionierten Instituts wollte sich der Pforzheimer Bankchef nicht äußern. Unbestätige Meldungen gehen von einem Führungsanspruch Pforzheims aus. „Wir sind gemessen an der Bilanzsumme etwas größer als Karlsruhe, in der ein oder anderen Bilanzposition ist dafür Karlsruhe größer.“ Auch zu einem künftigen Namen der Bank könne er naturgemäß nichts sagen. Ob es möglich sei, die Geschäfte östlich von Pfinztal unter dem Namen Volksbank Pforzheim und alles westlich davon als Volksbank Karlsruhe abzuwickeln, sei eine Frage, die man mit Juristen klären müsse. Auch zum Zeitplan wollte Zachmann wenig sagen.

Verschlankung der Verwaltung

„Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass wir im Frühjahr schon soweit sind.“
Etwas konkreter wurde hier Zachmanns Karlsruher Kollege Andreas Lorenz. Er rechnet vor, dass man für die Klärung aller Fragen mindestens das Jahr 2017 brauche, so dass frühestens Anfang 2018 eine mögliche gemeinsame Bank stehen könnte. Er erhoffe sich, durch die Fusion eine Verschlankung der Verwaltungsstruktur. Betriebsbedingte Kündigungen allerdings wolle er ausschließen. „Das wäre ein fatales Signal an die Kunden.“

„Stärkung für unseren Raum“

Burkhard Thost, Präsident der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald, sieht in den Gedankenspielen der Banker einen wichtigen zukunftsorientierten Schritt. „Wir sehen die klar erkennbare Entwicklung entlang der Wirtschaftsachse Stuttgart-Pforzheim-Karlsruhe. Da ist es wichtig, auch starke Finanzpartner zu haben. Ich sähe eine solche Fusion als Stärkung für unseren Raum.“ Pforzheims Oberbürgermeister Gert Hager betonte, es handle sich nach seinen Informationen „um Gespräche unter Gleichen“. Die weitere Entwicklung bleibe abzuwarten.

Weder eingekreist noch unbehaglich

Weder „eingekreist“ noch „unbehaglich“ fühlt sich derweil Jürgen Wankmüller, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Wilferdingen-Keltern, der seinerseits derzeit in Fusionsgesprächen mit den drei benachbarten Volksbanken VR Bank im Enzkreis, Volksbank Stein-Eisingen und Raiffeisenbank Bauschlott steckt.

Für sein Institut gehe es darum, den regionalen Charakter zu bewahren. „Wir genießen als Bank im ländlichen Raum ein sehr sehr hohes Maß an Vertrauen. Wir haben einen ganz anderen Bezug zu unseren Kommunen, zu Verwaltungen und Bevölkerung, als das Stadtbanken haben können“, so Wankmüller. Und mit Blick auf die fusionsfreudigen Kollegen in Pforzheim und Karlsruhe sagt er: „Bei einer Ausdehnung von Mühlacker bis Bad Wildbad und dann noch ganz Karlsruhe, da kann man nicht mehr von einer regionalen Bank sprechen.“