Schon von weitem sahen Jürgen Kast und sein Arbeitskollege die S 41 aus Karlsruhe kommend Richtung Freudenstadt in den Bahnhof Gaggenau einfahren. Die Türen ließen sich allerdings nicht öffnen, der Fahrer fuhr nach kurzem Stand weiter.
Schon von weitem sahen Jürgen Kast und sein Arbeitskollege die S 41 aus Karlsruhe kommend Richtung Freudenstadt in den Bahnhof Gaggenau einfahren. Die Türen ließen sich allerdings nicht öffnen, der Fahrer fuhr nach kurzem Stand weiter. | Foto: Hensen

Am Bahnhof stehengelassen

AVG reagiert auf Kundenprotest

Jeder Bahnfahrer kennt es: Man hat es gerade noch mit ach und krach zur Bahn geschafft, stürmt auf die Türe zu, nur öffnen lässt sie sich nicht mehr. Zu spät. Die Bahn rollt wieder an. Selbst schuld, wird sich der Betroffene selbst eingestehen müssen. Anders liegt der Fall bei Jürgen Kast. Als er am Mittwoch vor drei Wochen pünktlich um 22.51 Uhr am Bahnhof Gaggenau in die S 41 in Richtung Freudenstadt einsteigen will, wähnt er sich wie jeden Abend in Zuversicht. Doch auch bei ihm bleibt die Tür bleibt verschlossen. Dem Fahrer können er und sein Arbeitskollege nur noch hinterher winken.
Der Unterschied zu den Zu-Spät-Gekommenen dieser Welt: Jürgen Kast und sein Kollege haben bereits zehn Minuten auf die Bahn gewartet, sehen sie sogar einfahren, trotzdem fährt die Bahn einfach los. „Nach Druck auf den Knopf fuhr das Trittbrett heraus, jedoch öffnete sich die Tür nicht. Darauf bin bin ich zur nächsten Tür gegangen, in diesem Augenblick ist die Bahn weitergefahren.“ Damit nicht genug: „Ich habe beobachtet, dass in der Bahn zwei Personen an der selben Tür aussteigen wollten, diese Personen konnten die Bahn nicht verlassen“, schildert der Weisenbacher. Die vier Herrschaften sehen sich ungläubig in die Augen.

Taxikosten sollen erstattet werden

Bis die nächste Bahn kommen würde, müssten sie eine Stunde warten. Der 53-Jährige ruft ein Taxi und lässt sich nach Hause fahren, Kosten: 30,10 Euro. Über den Online-Kundenservice der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) bittet er um eine Erstattung der Kosten. Die wird dem Weisenbacher auch schriftlich zugesichert.
Drei Wochen später wartet er allerdings immer noch auf das Geld. Wie Nicolas Lutterbach, Pressesprecher der AVG, auf Nachfrage versichert, sei die Zahlung bereits angewiesen. Man bedauere den Vorfall, gehe jedoch von einer technischen Störung der Türe aus. Einen entsprechenden Vermerk im Fahrtenprotokoll gebe es indes nicht. Die Fahrer seien grundsätzlich dazu angehalten, die einsteigenden Fahrgäste über die Außenspiegel in den Blick zu nehmen und ihnen den Zustieg zu ermöglichen. Wahrscheinlich, vermutet Lutterbach, hat der Fahrer die Männer in der Dunkelheit und der rund 80-Meter-Entfernung schlichtweg nicht gesehen, immerhin wollten die Männer erst in den vorletzten Waggon zusteigen und liefen dann zum letzten.
Eine vorgeschriebene Standzeit gebe es nicht. „Wie lange die Bahn hält, richtet sich nach den Ankunfts- und Abfahrzeiten“, so der AVG-Sprecher. Der Fahrer hat in der Regel einen Toleranzbereich, der dann sinkt, wenn er sich verspätet hat. Will heißen: Ist der Fahrer in Verzug, bleibt er eine kürzere Zeit lang stehen. „Er darf aber nie zu früh abfahren“, so Lutterbach. Die in der Vergangenheit vielfach beklagte Personalknappheit der Verkehrsgesellschaft habe mit solchen Vorfällen nichts zu tun. „Dann würden einzelne Bahnen ganz ausfallen.“ Die Beschwerde des Weisenbachers ist kein Einzelfall, räumt der AVG-Sprecher ein und verweist auf die Mobilitätsgarantie.

Kunden haben Mobilitätsgarantie

Der Fahrgast kann dann ein Taxi in Anspruch nehmen, wenn er davon ausgehen kann, dass er sein Fahrziel mit den zur Fahrt benutzten AVG-Verkehrsmitteln um mehr als 30 Minuten später als im Fahrplan ausgewiesen erreichen wird. Die Taxikosten werden bis zu einer Höhe von 50 Euro, bei Fahrten innerhalb Karlsruhes bis zu einer Höhe von 25 Euro ersetzt.
Jürgen Kast, der ähnliches übrigens schon vor zwei Jahren erlebt hat, hofft nun, dass er eine Weile Ruhe hat und nicht mehr sehenden Auges stehen gelassen wird. „Eine Entschuldigung erwarte ich gar nicht“, sagt er.
Anregungen und Reklamationen sind hier möglich.