Das größte Naturbad Süddeutschlands ist das Waldseebad Gaggenau - so hat die Stadtverwaltung wiederholt für ihre Anlage geworben. Das Waldseebad soll Naturbad bleiben, fordert jetzt der Freundeskreis.
Das größte Naturbad Süddeutschlands ist das Waldseebad Gaggenau - so hat die Stadtverwaltung wiederholt für ihre Anlage geworben. Das Waldseebad soll Naturbad bleiben, fordert jetzt der Freundeskreis. | Foto: pr

"Mut zum Naturbad!"

Der Freundeskreis Waldseebad Gaggenau legt sich fest

Im Vorfeld der Bürgerinformationsveranstaltung der Stadtverwaltung zur Zukunft der Gaggenauer Bäder meldet sich der Freundeskreis Waldseebad zu Wort – und positioniert sich eindeutig: „Mut zum Naturbad!“ lautet die Überschrift in der Mitteilung des Vorstands. Das größte Gaggenauer Bad soll also bleiben, was es ist: Ein Naturbad.

Das besucherstärkste Freibad im Murgtal, so der Freundeskreis Waldseebad, verzeichnete in den letzten Jahren steigenden Zuspruch. „Es ist der Gaggenauer Sommertreffpunkt für Jung und Alt. Ein Wohlfühlbad für Körper und Geist, zum Bewegen, Sporttreiben, eine Oase der Ruhe und Erholung von der Hektik des Alltags. Dieses seit über 85 Jahren bewährte Konzept passt so ideal in das neue Imageprogramm der Stadt Gaggenau: Länger (gesünder) Leben in Gaggenau“. Nach einem Starkregen und Hochwasser im Juni diesen Jahres wurde das Waldseebad mit Schlamm überflutet und soll nach letztem Planungsstand der Stadtverwaltung frühestens 2018 wieder öffnen.

Gegen einen Umbau zum Kombibad

Pläne einer Beckenverkleinerung oder einem Umbau zum Kombibad erteilt der Vorstand des Freundeskreises eine eindeutige Absage. Ein Hallenbad werde zum großen Teil von Schulen, Vereinen und älteren Mitbürgern genutzt, das Waldseebad sei als Standort ungeeignet, so der Freundeskreis. „Gründe hierfür sind zu lange Wege für Kinder und Senioren vor allem in den Wintermonaten. Ein neues Hallenbad gehört aus unserer Sicht in die Nähe einer Schule oder Sporthalle. Optionen wären hier das Schulzentrum Dachgrub in Bad Rotenfels, das Sportzentrum im Traischbachtal oder in Ottenau im Umfeld der Merkurschule (Gemeinschaftsschule).“

Neben den gesundheitlichen Aspekten sprechen vor allem wirtschaftliche Gründe für eine Naturbadlösung, so die Mitteilung weiter. Vorteile seien geringere Investitionskosten durch Sanierung und Modernisierung der vorhandenen maroden Infrastruktur, damit verbunden eine kürzere Bauzeit. „Also kein Neubau wie beim Umbau zum konventionellen Freibad.“

„Hautfreundliche Wasseraufbereitung“

Durch den Wegfall der Kosten für Chemie und Abwasserentsorgung seien bei einem Naturbad die Betriebskosten geringer, bei deutlich niedrigerem Energiebedarf und CO2- Emissionen. Hinzu komme ein Mehrwert durch die chemiefreie und hautfreundliche Wasseraufbereitung. Nachteil sei ein erhöhter mechanischer Reinigungsaufwand durch Biofilme auf Treppen, Beckenwänden und Beckenboden, was mehr Zeit für die Pflege beanspruche. Dies sei aber durch die Anschaffung moderner Reinigungsgeräte beherrschbar.

Das Naturbadthema sei in Gaggenau aufgrund der nicht eingetretenen, versprochenen Kosteneinsparungen und der im Laufe des Betriebs aufgetretenen Mängel inzwischen negativ besetzt. Dem hält der Freundeskreis entgegen, dass das Waldseebad in zehn Betriebsjahren nie wegen gesundheitsgefährdender Wasserwerte habe schließen müssen.

Größere Attraktivität durch Rutsche

Weiter heißt es in der Mitteilung: „Das Unwetterereignis im Juni war höhere Gewalt und zeigte deutlich, dass das Waldseebad ein Hochwasserproblem hat. Im Fall der anstehenden Sanierung gilt diesem Thema besondere Berücksichtigung. Wir sind nach wie vor überzeugt, dass ein funktionierendes Naturbad, in dieser Größe, mit aktueller Technik kein Problem darstellt. Deshalb plädiert der Vorstand des Freundeskreises für den Fortbestand des Waldseebades als Naturbad, welches nicht zu Tode diskutiert werden sollte.“

Viele „Waldseebadler“ wollten ihr Freibad so schnell als möglich zurück. Eine längere Schließung stoße auf breite Ablehnung. Was die Steigerung der Besucherzahlen angehe, sieht auch der Freundeskreis laut eigener Mitteilung noch Nachholbedarf bei der Attraktivität. „Hier wünschen wir uns mehr Attraktionen im und am Wasser, zum Beispiel eine Wasserrutsche. Ein gelungenes Beispiel konnten wir Ende Oktober beim letzten Naturbad-Betreibertreffen in Trossingen begutachten. Bereits im ersten Jahr nach der Fertigstellung der Rutsche kamen 30 Prozent mehr Badegäste in das Naturbad Troase.“