Eine mobile Schutzwand soll bei einem starken Hochwasser von Mitgliedern der Werkfeuerwehr des Gaggenauer Benz-Werks in Minutenschnelle montiert werden. | Foto: Mandic

In Gaggenau

Deutlich besserer Hochwasserschutz für Daimler und die Innenstadt

Eine intensive planerische Vorleistung und eine gute Abstimmung aller Behörden und Firmen waren notwendig, damit die Innenstadt von Gaggenau sowie die Immobilien von Daimler entlang der Murg nunmehr deutlich besser gegen ein extremes Hochwasser geschützt sind. Das Maßnahmenbündel setzt sich abschnittsweise aus einer Hochwasserschutzmauer, einer Böschungsverstärkung und aus einer mobilen Schutzwand zusammen. Bei einem Vor-Ort-Termin war jetzt mehrfach von einer überaus guten Zusammenarbeit aller Beteiligten die Rede.

Erdbauwerk statt Mauer

Das Besondere daran: Im größten Abschnitt der Hochwasserschutzmaßnahme – zwischen dem Daimler-Parkhaus und dem Verwaltungsneubau des Mercedes-Benz-Werks – konnte die Maßnahme hervorragend in die Umgebung integriert werden, der verbesserte Schutz ist dort fast unsichtbar. Möglich wurde dies durch eine Auffüllung und Verbreiterung des bestehenden Damms mit bindigem Erdmaterial.

Bäume am Murgufer gerettet

Und weil „aus einem Damm ein Hochufer wurde“ (Martin Hesch vom Planungs- und Ingenieurbüro Wald + Corbe), konnte der Baumbestand am Murgufer gerettet werden. Wäre gemäß DIN-Vorschrift der Damm ausgebaut worden, hätten hierfür die Bäume zwingend gefällt werden müssen. So aber konnte man dank der Böschungsstabilisierung „in diesem Bereich auf eine Mauer verzichten, damit haben wir hier eine Lösung, die naturnäher und kostengünstiger ist“, freute sich vor Ort Bürgermeister Michael Pfeiffer.

Mobile Schutzwand aus Alu

Eine betonierte Hochwasserschutzmauer gibt es nun lediglich im (relativ kleinen) Teilabschnitt zwischen der Avia-Tankstelle und dem Daimler-Parkhaus. In dem Bereich, in dem weder eine Mauer noch eine Böschungsverstärkung möglich ist, und zwar am Daimler-Fußgängersteg (am Parkplatz „P 12“), soll nun eine mobile Schutzwand ein extremes Hochwasser abhalten: Diese besteht aus 15 Einzelteilen aus Aluminium, die im Bedarfsfall von der Benz-Werkfeuerwehr schnell montiert werden kann.

Innenstadt war gefährdet

Zu Beginn der  Begehung hatte Oberbürgermeister Christof Florus in seiner Ansprache mit Blick auf die Hochwassergefahrenkarten des Regierungspräsidiums (RP) Karlsruhe davon gesprochen, dass ein Extremhochwasser der Murg zwischen Daimler-Steg und Berliner Brücke letztlich auch die Innenstadt überschwemmen könnte. Auch weil in diesem Bereich der Daimler-Neubau entstand, habe man sich zu einer frühen Umsetzung der Hochwasserschutzmaßnahme entschieden; Florus’ Dank ging hier auch an Brigitte Schäuble, die als Beigeordnete bereits die ersten Gespräche geführt habe.

Kosten: 385000 Euro

Die Gesamtkosten der Gaggenauer Maßnahme liegen bei rund 385 000 Euro, die zu 70 Prozent vom Land Baden-Württemberg und zu 30 Prozent von der Kommune getragen werden; im konkreten Fall übernimmt Daimler die Hälfte des städtischen Anteils. Denn nicht nur ein Teil der Gaggenauer City, auch das Benz-Werk werden durch das Maßnahmenbündel geschützt.

„Gute Zusammenarbeit“

Matthias Jurytko, Standortleiter des Benz-Werks Gaggenau, zeigte sich in seiner kurzen Rede „stolz auf die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten“. Ralf Hübner, Technischer Direktor im Landesbetrieb Gewässer des Regierungspräsidiums, rief die intensive Planungsphase in Erinnerung, die es ermöglicht habe, auf einem Großteil der Fläche auf eine Mauer zu verzichten. „Auch von unserer Seite aus ist es ein hervorragendes Projekt“, so Hübner. „Daimler und die Innenstadt sind jetzt vor einem so genannten 100-jährigen Hochwasser geschützt.“ Auch sei die Maßnahme dahingehend geprüft worden, dass die Verbesserung auf der einen Murgseite nicht zu Lasten der anderen Seite gehe, sagte Hübner im BNN-Gespräch. Martin Hesch vom Büro Wald + Corbe meinte, dass man die Mauer auch über die gesamte Fläche hätte durchziehen können – „aber das Erdbauwerk ist ebenso sicher“.