Rege besucht war die Bürgerinformationsveranstaltung der EnBW und der Gemeinde Forbach am Montagabend in der Murghalle.
Rege besucht war die Bürgerinformationsveranstaltung der EnBW und der Gemeinde Forbach am Montagabend in der Murghalle. | Foto: Hensen

Großprojekt in Forbach

EnBW hält an Speicherwerk fest

Nach 17 geprüften Varianten für ein Pumpspeicherkraftwerk in Forbach will sich die EnBW nun auf ein Modell festlegen. In einer Bürgerinformationsveranstaltung in der gut besuchten Murghalle stellten Vertreter den aktuellen Entwurf vor. Dabei wurde deutlich: Der Energieriese will an dem 300-Millionen-Euro-Projekt nach wie vor festhalten. Über die Möglichkeiten der Refinanzierung machten die EnBW-Vertreter keine Angaben. Geplant ist die Erweiterung des Rudolf-Fettweis-Werks (RFW) durch den Bau einer neuen Ober- und Unterstufe sowie zwei Kavernenkraftwerken mit dazugehörigen Stollen.

Abgerückt von der Karwand

Das erste Kraftwerk soll 350 Meter tief in den Seekopf gebaut werden, wobei ein Verbindungsstollen vom Oberbecken auf dem Berg nun nicht mehr wie ursprünglich geplant leicht abfallend, sondern im 90-Grad-Winkel direkt in das hochwertige Granit-Gestein führt. Auf diese Weise könne man den Sandstein umgehen, der einen zusätzlichen Arbeitsaufwand und weniger Sicherheit bedeutet hätte, erklärte der Technische Leiter Ingo Kamuf. Landschaftlich werde das Werk also nicht in Erscheinung treten. Das Oberbecken auf dem Seekopf soll zudem so begrünt werden, dass das Landschaftsbild möglichst wenig beeinträchtigt wird. Es rückt nun auch weiter von der Karwand ab. Tunnel und Schächte werden so tief gebaut, dass Beeinträchtigungen der Karwand und des Herrenwieser Sees während der Bauzeit vermieden werden, so Kamuf. Auch der Bussemer Denkstein müsste dann nicht mehr versetzt werden.
Die Schwarzenbachtalsperre soll nach dem Modell als Unterbecken der neuen Oberstufe dienen. Eine neue Unterstufe, also eine zweite Kraftwerkskaverne mit Wasserspeicher, ist unterhalb der Schwarzenbachtalsperre beim RFW-Betriebsgelände vorgesehen.

Ziel sei es, die vorhandenen Anlagen möglichst weiter zu nutzen. So können sowohl die Schwarzenbachtalsperre als auch das Speicherbecken Kirschbaumwasen ohne größere Veränderungen in das neue Anlagenkonzept integriert werden. Auch die beiden Zulaufstollen Murg- und Schwarzenbachstollen einschließlich der jeweiligen Wasserschlösser können unverändert weiter betrieben werden, so Kamuf. An den Wasserschlössern werden zwei neue Druckschächte angebunden, die die vorhandenen Oberwasserstollen mit der neuen Krafthauskaverne verbinden. In der Kraftwerkskaverne der neuen Unterstufe werden das neue Schwarzenbachwerk als Pumpspeicherkraftwerk und das neue Murgwerk als Laufwasserkraftwerk gemeinsam untergebracht. Die Weiternutzung des bestehenden Krafthauses von Murg- und Schwarzenbachwerk sei aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich. Es bleibt aber weiterhin erhalten, so Kamuf weiter.

Zahleiche Gutachten in Arbeit

Die Haupttransportwege für den auf sechs Jahre angelegten Bau werden über die B 462 und die L 83 verlaufen. „Da wir nicht an alle Punkte kommen, werden wir auch Verbindungsstraßen schaffen müssen“, so Kamuf. Bevor der Antrag auf Planfeststellung Ende 2017 eingereicht werden kann, seien zahlreiche Gutachten in Arbeit, etwa zu Natur-, Lärm- und Schallschutz, wobei sowohl die Bauphase als auch der laufende Betrieb berücksichtigt werde, erklärte die zuständige EnBW-Projektleiterin Angelika Böhringer. Auch Erschütterungs- und Lichtgutachten seien in Auftrag gegeben. So würden die Anlagen teils beleuchtet, was Vogel- und Falterarten unter Stress setzen könnte, so die Projektleiterin. Sie versicherte, dass die Bagger erst dann rollen, wenn die notwendigen Ausgleichsflächen etwa für das geschützte Auerhuhn geschaffen und auch angenommen werden. Derzeit kalkuliert die EnBW mit einem Baubeginn im Jahr 2021 und einer Inbetriebnahme 2026.

 

„Rudolf-Fettweis-Werk nicht voll ausgeschöpft“

Dass das Unternehmen nach wie vor hinter dem Projekt stehe, bewiesen die Mittel, die der Energieriese bereits in die Planungen gesteckt habe. Pumpspeicherkraftwerke bergen ein erhebliches Potenzial für die Klimawende, und das in die Jahre gekommene Rudolf-Fettweis-Werks werde nicht voll ausgeschöpft, begründete Böhringer die Pläne der EnBW („Das Thema Speicherung wird in Zukunft wichtig“.)
Forbachs Bürgermeisterin Katrin Buhrke signalisierte weiterhin ein großes Interesse und Rückendeckung der Gemeinde. Allein bei den anwesenden Bürgern stieß das Projekt auf Skepsis. „Welchen Nutzen hat das Kraftwerk für uns“, wollte ein Besucher wissen. Es sei vor allem eine Standortsicherung für Forbach und garantiere Arbeitsplätze, entgegnete Böhringer. Ein weiterer Zuhörer sah enorme Staub- und Schall-Probleme während der Bauzeit auf die Anwohner zukommen. Ein Umweltschützer kritisierte einen „erheblichen Eingriff in die Natur“. Die Projektleiterin versicherte, entsprechende Gutachten vor der endgültigen Entscheidung abwarten zu wollen. Die Besucher hatten auch die Möglichkeit, Kritik und Anregungen auf „Feedback-Formularen“ zu hinterlassen.

Fisch-Aufzug zur Durchlässigkeit der Murg

Um den Fischen den Auf- und Abstieg in der Murg zu ermöglichen, plant die EnBW ferner den Bau zweier sogenannter Hydro-Fischlifte am Wehr Kirschbaumwasen und am Niederdruckwerk Forbach. Das Energieunternehmen will damit die sogenannte Durchgängigkeit der Murg wiederherstellen, welche die Wasserrahmenrichtlinie der EU vorsieht.

Bei diesem Fischlift werden die Fische mittels einer Lockströmung in einen Schwimmkolben, vergleichbar mit einer Aufzugskabine, geleitet. Nach dem Schließen der Einschwimmöffnung gleitet der Schwimmkolben in einer Röhre, eine Art Aufzugsschacht, durch die Auftriebskraft des Wassers nach oben. Dort angelangt, öffnet sich der Schwimmkolben und die Fische können nach draußen schwimmen. Durch den sinkenden Wasserstand aufgrund der Leerung der Röhre bewegt sich der Schwimmkolben anschließend wieder nach unten. So können die Fische den Lift sowohl zum Aufsteig als auch zum Abstieg nutzen.
Der Fischlift wurde von der Mannheimer Firma Baumann Hydrotec GmbH & Co. KG entwickelt. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat die Funktionsweise des Liftes bestätigt. „Alle in der Murg vorkommenden Fischarten nahmen ihn an, es kam zu keinem Meideverhalten“, so Böhringer. Wie der Projektleiter der Firma Hydrotec ausführte, eigne sich die Anlage auch für den Lachs, der sich zunehmend auch wieder in der Murg ansiedeln soll.
Bis Ende 2016 sollen die Genehmigungsanträge zusammengestellt und beim Landratsamt Rastatt eingereicht werden. Der Baubeginn ist auf 2018, die Inbetriebnahme auf Ende 2019 terminiert. Im Winter müssten die Bauarbeiten unterbrochen werden, informierte Böhringer.
Im Januar hatte Bundesumweltministerin Barbara Hendriks die Firma für ihren Hydro-Fischlift mit dem deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt 2015 ausgezeichnet.

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