Frühzeitig wird der evangelische Kindergarten „Johannesbären“ in Bad Rotenfels geschlossen, um Engpässe während der Gemeindefusion zu vermeiden. Die Eltern sind bereits informiert worden.
Frühzeitig wird der evangelische Kindergarten „Johannesbären“ in Bad Rotenfels geschlossen, um Engpässe während der Gemeindefusion zu vermeiden. Die Eltern sind bereits informiert worden. | Foto: Mandic

Gemeindefusion in Gaggenau

Kindergarten Rotenfels schließt September 2017

Der evangelische Kindergarten Johannesbären in Bad Rotenfels wird im September 2017 schließen. Darüber informierte die Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Jutta Walter, in einem Pressegespräch. Wie angekündigt, hatte sich die Gemeinde aufgrund der Fusion (Markus, Lukas, Johannes) zu diesem Schritt entschlossen. Die Eltern wurden bereits frühzeitig informiert. In dem eingruppigen Kindergarten sind derzeit 24 Kinder untergebracht, davon werden elf auf eine Schule wechseln und acht in anderen Einrichtungen unterkommen, so Walter. Die fünf übrigen Kinder will die Kindertagesstätte in der Jahnstraße, die sich auch in der Trägerschaft der Kirchengemeinde befindet, aufnehmen. Dort sei genügend Kapazität vorhanden.
Zwar wird es noch dauern, bis die Gemeindefusion vollzogen ist und der Bau des neuen Gemeindezentrums zwischen der Markuskirche und der Jahnhalle steht (im Idealfall Januar 2020), jedoch sieht die Stadt für den Kindergarten eine einjährige Kündigungsfrist vor. „Wir wollen lieber ein Jahr früher schließen als mitten im Kindergartenjahr und den Eltern so auch die nötige Planungssicherheit geben“, begründet Walter die frühzeitige Schließung.

„Ein so großer Konzentrationsprozess wie in Gaggenau ist selten“

Eine der beiden jungen Erzieherinnen wird ebenfalls in die Kita Jahnstraße wechseln, die zweite hat sich noch nicht entschieden. „Gutes bewährtes Personal wollen wir natürlich nicht verlieren“, sagte Karl-Heinz Honeck, der als Geschäftsführer des Verwaltungs- und Serviceamtes Baden-Baden innerhalb des Kirchenbezirks Baden-Baden/Rastatt die Verwaltungsangelegenheiten der Fusion steuert. Honeck betonte, dass die Stadt Gaggenau aufgrund dieser großen Umstrukturierung (Gemeindefusion plus Gebäudeverkauf) „Pioniercharakter“ habe und Vorbild für die evangelische Landeskirche sei, die bekanntlich bis 2020 sämtliche Gemeinde-Kapazitäten auf den Prüfstand stellen will. „Ein so großer Konzentrationsprozess wie in Gaggenau ist selten“, so Honeck, der lobend hinzufügte: „Die Gemeinde hat nicht gewartet, bis sie in das Haushaltssicherungskonzept der Landeskirche rutscht, sondern frühzeitig die Weichen gestellt.“ Auf diese Weise könne sie den Prozess selbstständig steuern. Die Gaggenauer Gemeinde will folgende eigene Immobilien veräußern: die Johanneskirche samt Pfarrhaus, das Gemeindezentrum Ottenau und das Gemeindehaus der Markusgemeinde. Wie Jutta Walter erläuterte, würde die evangelische Kirchengemeinde Gaggenau nach Vorgabe der Landeskirche für ihre aktuell 4 870 Mitglieder eine Nutzfläche von 470 Quadratmetern (für Säle und Gruppenräume) zustehen. Gaggenau habe aber 900 Quadratmeter zur Verfügung, also fast doppelt so viel. „Die meisten Räume werden gar nicht ausgelastet“, so Walter. Abgesehen davon seien sie weder barrierefrei noch energieeffizient.
Für das neue Gemeindezentrum soll ein Architekturwettbewerb ausgelobt werden, an dem acht Büros, vermutlich auch aus Gaggenau, teilnehmen sollen. Eine Fachjury wird dann den besten Entwurf auswählen. Dabei soll es so gut wie keine Vorgaben geben, versichert Walter. In zahlreichen Klausurtagungen und Sitzungen bereite man den Fusionsprozess vor, so Walter.

Würdiger Kirchen-Abschied geplant

Was mit den Gebäuden geschieht, sei noch völlig unklar. Außerdem wäre die Gemeinde froh, wenn die Rotenfelser Kirche nicht abgerissen würde. Das Gerüst um den Glockenturm wird in Kürze entfernt, eine kleine Sicherung bleibe bestehen, um herabfallende Kleinteile zu vermeiden. Die Gemeindemitglieder haben die Trennung von ihrer Kirche mittlerweile gut verkraftet, berichtete Pfarrerin Helga Lamm-Gielnik. Für den Schritt hätten die meisten Verständnis. „Wir sind alle guten Mutes“, sagte sie. Ein volles Gotteshaus wie etwa am vergangenen Sonntag sei ein schöneres Gefühl als in halb leeren Kirchen zu predigen. „Wir werden auch einen würdigen Abschied gestalten“, versicherte sie.