Unikate aus dem Schwarzwald: Florian Kohlbecker vor seinen „Black Forest Skiern“. Konstruiert werden die Stücke in seinem Gaggenauer Architekturbüro. Die Hauptproduktion läuft in Tschechien.
Unikate aus dem Schwarzwald: Florian Kohlbecker vor seinen „Black Forest Skiern“. Konstruiert werden die Stücke in seinem Gaggenauer Architekturbüro. Die Hauptproduktion läuft in Tschechien. | Foto: Ottmüller

Architekt entwirft Unikate

Holz-Skier made in Gaggenau

Von Beatrix Ottmüller

Der Berg ruft, die Sonne lacht, der Pulverschnee glitzert und die Skier sind gewachst. Es kann losgehen. Der Saisonbeginn steht vor der Tür und der Gaggenauer Florian Kohlbecker, der seit 2006 seine eigenen „Black Forest Skis“ produziert, kann es kaum erwarten. Die letzten Vorbereitungen sind noch in vollem Gange, dann packt er sein Off-Road-Fahrzeug und steuert gen Pitztal in Österreich, wo am Wochenende die neue Skisaison mit einem Skitest eröffnet wird. „Man kann dieses Gefühl der Freiheit und Natur pur, das man als Freerider beim Skifahren hat, schlecht beschreiben. Vielleicht lässt es sich mit dem Klettern erklären. Sobald man als Kletterer am Seil in der Wand hängt, geht es um das eigene Leben. Man schaltete ab, der Körper schaltet ab. Der Alltag bleibt außen vor. Die Sorgen werden klein. Es ist ein Rückzug aus der Reizüberflutung“, erläutert Florian Kohlbecker und es glitzert in seinen Augen. In seinem Gaggenauer Büro ist Florian Kohlbecker von seinen Holzskiern umgeben. An der Wand lehnt ein reguläres Paar Carving-Skier mit einem Affenbranding, daneben sind individuelle Designs auf einem farbigen Kunststoff-Finish zu sehen und dann sind da noch die gebogenen breiteren Off-Piste-Skier, die ein Kirschholzfurnier mit „Black Forest Skis“-Branding aufweisen.

In den 90ern entstand die Idee

Während Florian Kohlbecker seine Skier beschreibt, holt er immer mehr verschiedene Modelle und Ausführungen heran und verliert sich in technischen Details, denn bei der Konstruktion eines jeden Skis sucht man nach der idealen Balance aus Breite, Gewicht und Eisgriffigkeit. Dabei bestimmen die Stärke und Form vorne und hinten die Fahreigenschaften. Erreicht man eine homogene Biegekurve, ergeben sich keine aufschaukelnden Vibrationen. Jeder Ski besteht aus einem Holzkern, einer Glasfaserschicht und einem Furnier als Außenschicht. Zudem wird Stahl verarbeitet. Die vier Materialien verhalten sich bei unterschiedlichen Temperaturen sehr unterschiedlich. „Man muss die Molekulareigenschaften richtig zusammenbacken mit einem geeigneten Kleber, so dass der Ski nicht auseinanderfällt. Das ist die Kunst.“
Bereits als Dreijähriger erlernte Florian Kohlbecker das Skifahren. Mit acht fing er an, Slalomrennen zu fahren. „Ich stamme aus einer Skifahrerfamilie. Mein Onkel war Skilehrer.“ Heute begeistert ihn das Fahren abseits der Pisten. Die Suche nach dem idealen Ski dafür brachte den gelernten Zimmermann und Architekten darauf, seine eigenen Skier zu produzieren. „Irgendwann Ende der 1990er war ich mit einem Freund aus Schonach in Chamonix und da kam mir die Idee.“ Als er dann mit dem Architekturbüro Kohlbecker im mongolischen Krasnaja Poljana ein Skigebiet plante, war die Entscheidung zur eigenen Skiproduktion gefallen. Dass es ein Ski mit einem durchgängigen Holzkern und einem Furnierfinish sein musste, war schnell klar, denn als gelernter Zimmermann ist seine Liebe zu dem Material Holz, ohne das kein Ski auskommt, ungebrochen. Auch die klare Identifikation mit der Region, in der er das Skifahren erlernte, war schnell gefunden und die Marke „Black Forest Skis“ geboren.

Branding per Laser

Konstruiert werden die schönen Unikate im Gaggenauer Büro, dann geht das Material auf die Reise nach Tschechien, wo es in einer Form zu einem Ski gepresst wird, das heißt die einzelnen Komponenten werden mit einem Spezialkleber fest verbunden. Dann erhält jeder Ski ein Branding per Laser, das man individuell gestalten kann. Den letzten Schliff bekommen die fertigen Skier dann wieder in Gaggenau. „Es war immer mein Plan und Traum, mit Holz zu arbeiten und pro Jahr ein oder zwei Häuser zu bauen. Das heißt im Winter zu planen und zu konstruieren. Im Frühjahr und Sommer zu bauen und im Herbst zu verkaufen. Jetzt mache ich eigentlich genau das, nur eben mit meinen Skiern. Die Verbindung von Handarbeit mit Konstruktion und Ingenieurstätigkeit finde ich ideal.“

Seine Skier verkauft er hauptsächlich im Direktvertrieb. Derzeit sind es zirka 100 Stück pro Jahr. „Ich produziere Skier für Skifahrer. Deshalb sind sie auch erschwinglich. Ich arbeite daran, stetig besser zu werden. Mein Ziel ist es, rund 300 Paar pro Jahr zu verkaufen“, sprudelt es aus ihm heraus.
Doch zunächst freut sich Florian Kohlbecker erst einmal sein neustes Modell für die Skisaison 2016/2017 vorstellen zu können, wieder auf den eigenen Brettern zu stehen und den Neuschnee zu genießen.