Zu Besuch bei den BNN in Gaggenau: Landrat Jürgen Bäuerle (Mitte) sprach mit den BNN-Redakteuren Michael Janke, Lutz Stein, Thomas Dorscheid und Christian Hensen (von links).
Zu Besuch bei den BNN in Gaggenau: Landrat Jürgen Bäuerle (Mitte) sprach mit den BNN-Redakteuren Michael Janke, Lutz Stein, Thomas Dorscheid und Christian Hensen (von links). | Foto: Mandic

Landrat besucht BNN-Redaktion

Klinik Forbach länger in öffentlicher Hand

Soll Bad Herrenalb den Kreiswechsel vollziehen dürfen, wie es die Bürger wünschen, oder nicht? Die Antwort von Landrat Jürgen Bäuerle, des ersten Repräsentanten des Nachbarkreises Rastatt, zu diesem aktuellen Thema fällt beim Besuch der BNN-Redaktion Gaggenau diplomatisch aus. Die Landesregierung müsse jetzt entscheiden, wie sie mit diesem „knappen Bürgerentscheid“ umgeht. Er zeigte sich glücklich, in dieser Sache nicht entscheiden zu müssen und betonte: „In unserem Landkreis stellt sich diese Frage derzeit mit Sicherheit nicht.“ Sollten dennoch Nachbargemeinden Ambitionen hegen, sich dem Landkreis Rastatt anzuschließen, müsse man sich mit diesem „Flirtversuch“ beschäftigen. „Man muss dann schauen, ob die Braut zu uns passt“, sagte Bäuerle. Im Gespräch mit den BNN-Redakteuren ging es um viele weitere Themen, die das Murgtal betreffen.

Die Flüchtlingsfrage

Die im Pionierweg in Ottenau geplante Flüchtlingsunterkunft verfolgt der Landkreis nicht weiter. Es seien keine weiteren Verhandlungen geführt oder Mietverträge unterzeichnet worden. Die Zahl der Flüchtlinge sei deutlich gesunken, weshalb Liegenschaften wie der Baden Airpark, das ehemalige Materiallager in Bietigheim oder eben der Pionierweg nicht mehr zur Flüchtlingsunterbringung benötigt würden. Nun gehe es darum, die Anschlussunterbringung sicherzustellen, zumal die Asylverfahren schneller über die Bühne gehen und die Anerkennungsquote wesentlich zugenommen habe.
Der Landkreis verfüge derzeit (Stand: 7. Oktober) über eine Aufnahmekapazität von 2 600 Plätzen, wovon 2 136 belegt sind. Der Landkreis gehe davon aus, bis Ende 2017 nochmal 1 200 Menschen unterzubringen. Es sei auch denkbar, Erstunterkünfte zur Anschlussunterbringung zu nutzen, sagte Bäuerle. Die Stadt Gaggenau sei gut aufgestellt. „Die Siegfried-Hammer-Halle in Selbach hat uns gut über den Winter geholfen“, so Bäuerle. Die Herausforderung, insbesondere durch die fehlende Planbarkeit, sei enorm gewesen, die Bilanz jedoch positiv: „Wir haben innerhalb von einem halben Jahr 1 700 Plätze geschaffen.“

Murgtal-Tourismus

Der Landrat betonte, dass das Murgtal seine Stärke vor allem im Tagestourismus habe, dem auch die Stadtbahn sehr zu gute komme. Nachholbedarf bestehe indes nach wie vor bei den Übernachtungen. „Dort fehlen einfach die Kapazitäten“, so Bäuerle, der keinen Hehl aus der Lage machte: „Es ist ein brutal schwieriges Thema. Dem Landkreis fehlt es schwer, unmittelbar Einfluss zu nehmen.“ Der Landkreis sei eben schlichtweg kein klassisches Tourismusziel.
Man sei jedoch Mitglied in zahlreichen Verbänden und Gremien wie Schwarzwaldtourismus, Nationalparkrat, Leader-Aktionsgruppe, Pamina, KVV, Im Tal der Murg oder Naturpark, dessen Vorsitzender Bäuerle bekanntlich ist. Die kreisübergreifende Arbeitsgemeinschaft Tourismus habe mittlerweile geordnetere Strukturen, etwa eine Geschäftsordnung. Im November steht ein Treffen auf dem Plan, wo der aktuelle Sachstand und weitere Pläne wie etwa ein Internetauftritt behandelt werden sollen. Bäuerle unterstrich die Bedeutung des Landkreises vor allem als attraktiver Wohnraum und Wirtschaftsstandort. Mit 80 000 Arbeitsplätzen liege die Region gemessen an der Einwohnerzahl vorne.
Bäuerle räumte jedoch ein: „In Sachen Tourismus müssen wir noch stärker zusammenarbeiten.“ Der Nationalpark werde eher zu einer Zunahme des Tagestourismus und damit des Verkehrs auf der Schwarzwaldhochstraße führen, ist der Landrat überzeugt. Eine Verkehrskonzept, das auch die ÖPNV-Erweiterung vorsieht, sei in Arbeit.

ALT-Linien

Mit zehn ALT-Linien (Anruf-Linien-Taxis), die in den Morgen- und Abendstunden die Teilorte anfahren, sei das Murgtal Spitzenreiter im Landkreis. Bei jährlich 90 000 Nutzern und 36 000 Fahrten seien sie sehr gut angenommen. Deshalb will der Landkreis, der dafür 550 000 Euro jährlich zur Verfügung stellt, auch weiterhin an den Linien festhalten. „Wir gehen diesen Weg weiter“, so der Landrat.

Krankenhaus Forbach

Das Krankenhaus Forbach wird auch in zehn Jahren noch fortbestehen, zeigte sich Landrat Jürgen Bäuerle zuversichtlich. Die Forbacher Klinik sei mit 36 bis 40 Patienten plus Kurzzeitpflege gut belegt. „Die Zusammenführung mit dem Klinikum Rastatt hat sich als absolut richtig erwiesen“, betonte der Landrat. Die Fusion gestatte auch einen flexibleren Personaleinsatz.
Mit Blick auf den steigenden Kostendruck im Zuge der Gesundheitsreformen unterstrich Bäuerle: „Ohne den Verbund unter dem Dach des Klinikum Mittelbadens könnte das Krankenhaus Forbach nicht leben.“ Der Klinikverbund solle dauerhaft in kommunaler Hand bleiben, versicherte Bäuerle. Nun stehe die Fusion der Standorte Baden-Baden und Bühl an.