US-Flagge in Serviettenform: Die Zehntklässler der Realschule Gernsbach verfolgen die Wahlauszählung in der Nacht zum Mittwoch in ihrer Schule.
US-Flagge in Serviettenform: Die Zehntklässler der Realschule Gernsbach verfolgen die Wahlauszählung in der Nacht zum Mittwoch in ihrer Schule. | Foto: Ottmüller

Wahlnacht in der Schule

Mit Muffins und Burgern gerüstet für den Auszählmarathon

Von Beatrix Ottmüller

Die Flaggen sind gehisst, die Servietten mit US-Flagge ausgelegt und die Muffins duften. Für später sind selbst gemachte Burger vorbereitet, für die selbstredend amerikanischer Senf und Ketchup bereit steht. Die Videoleinwand surrt und gleich beginnt im Fernsehen die Wahlberichterstattung. Die Schüler sind gerüstet und die lange Wahlnacht in der Gernsbacher Realschule kann losgehen.

Hilary Clinton oder Donald Trump? Die Schüler der 10a der Realschule Gernsbach wollten es genauer wissen und beschäftigten sich im Rahmen des „Schülerwettbewerbs zur Politischen Bildung 2016“, der von der Bundeszentrale für Politische Bildung ausgeschrieben wird, näher mit der Präsidentenwahl in den USA, die auch am Tag danach noch für viel Gesprächsstoff sorgt.

Videobeitrag wird eingereicht

Doch zuerst musste im Unterricht erarbeitet werden, wie das politische System in den USA funktioniert und wie der Präsident gewählt wird. Lehrer Björn Stolle, der die Klasse in EWG (Erdkunde, Wirtschaftskunde und Gemeinschaftskunde) unterrichtet, hatte die Idee zum Projekt, das später als Videobeitrag eingereicht wird.

Mit Videos verdeutlichte Stolle den Schülern das Wahlsystem in den USA, sie verfolgten die TV-Duelle der beiden Spitzenkandidaten, sahen sich die Wahlaussagen an. Dann machten die Schüler eine Umfrage im Familien- und Bekanntenkreis. Hier zeigten sich 22 Prozent unentschieden, 75 Prozent der Befragten stimmten für Clinton und nur drei Prozent für Trump. Danach organisierten die 26 Schüler eine „Wahl“ an der Realschule, bei der 81 Prozent der abgegebenen Stimmen für Hillary Clinton stimmten.

Vorschlag kam von den Schülern

Seit Mitte Oktober ist die US-Präsidentenwahl in der Klasse Thema und seitdem beschäftigen sich die Schüler bewusster mit Politik. „Die Schüler haben das Thema selbst vorgeschlagen. Für den Schülerwettbewerb konnten auch andere Themen bearbeitet werden“, so Stolle. „Das hat sie einfach interessiert. Sie wollten einen Wahlkampf und eine Wahl einmal erleben.“ Und so war schnell klar, dass man die Wahlnacht gemeinsam verbringen wollte, um live mitzuerleben, welcher Kandidat das Rennen macht.

Während man auf die ersten Wahlergebnisse der Nacht wartet, wird diskutiert, denn auch in den sozialen Netzwerken wird sich permanent über die Wahl ausgetauscht. Komisch finden die Schüler, dass man für Clinton mit dem Daumen nach oben abstimmt und für Trump mit einem Herz. Seltsam finden die Schüler die Kommentare, die zu lesen sind. Sind die ernst gemeint? Die Schüler sind sich nicht sicher. Bei dem Projekt sind alle begeistert mit dabei, keiner wollte die Wahlnacht verpassen. „Das ist viel besser und interessanter als Unterricht“, betont Robin Krieg. „Ich habe mich noch nie für die USA interessiert, erst durch das Projekt.“ Dem kann sich Simon Ruppell nur anschließen.

Das Staunen ist groß

Marius Hürst dagegen hatte schon immer Interesse an USA. „Ich finde, das ist ein interessantes Land. Ich wollte wissen, was es mit den Staaten auf sich hat, wie der politische Aufbau ist, wie es sein kann, dass eine Person so viel Macht hat.“ Lucas Ahrens dagegen hat sich schon immer mit Politik befasst. „Meine Tante ist in der Politik. Sie ist Oberregierungsrätin in Brüssel. Da bekommt man Einblick, was so los ist. Ich fand das Projekt total interessant.“

Während seine Mitschüler meist für Clinton stimmen würden, würde er keinen von beiden wählen. „Hillary Clinton war im Wahlkampf sehr zurückhaltend. Donald Trump will Menschen ausgrenzen, dabei sind doch alle gleich.“ Sven Siebert: „Ich würde Hillary Clinton wählen, obwohl ich von ihr nicht überzeugt bin. Donald Trump dagegen wäre eine Katastrophe. Sie ist die bessere der Beiden.“ Mathilde Dehlinger sieht das genauso. Als sich dann der Wahlkrimi auf der Leinwand entfaltet, staunen die Schüler nicht schlecht, als sich mehr und mehr Staaten rot färben – und das Bild sich für Trump wandelt.