Zu einem echten Publikumsmagneten hat sich das einst kleine, familiäre Weidefest in Reichental entwickelt. Die 22 mit Blumen bekränzten Kühe, die am großen Umzug durchs Dorf teilnahmen, waren beliebte Motive für Handyvideos.
Zu einem echten Publikumsmagneten hat sich das einst kleine, familiäre Weidefest in Reichental entwickelt. Die 22 mit Blumen bekränzten Kühe, die am großen Umzug durchs Dorf teilnahmen, waren beliebte Motive für Handyvideos. | Foto: Dürr

Weidefest in Reichental

Peggy, Lina und Lisa im Blitzlichtgewitter

Von Susanne Dürr

Wenn der Bergsommer für das Vieh zu Ende ist, heißt es für die Reichentaler „Landschaftspfleger mit Biss“, den heimischen Winterstall zu beziehen. Dann geschieht dies nicht sang- und klanglos, sondern im Rahmen eines fröhlichen Weidefestes, das sich im zehnten Jahr seines Bestehens zum Publikumsmagnet aus nah und fern im Murgtal entwickelt hat und dieses Jahr auch ein Kamera-Team des SWR Fernsehen nach Reichental lockte, das den „Almabtrieb“ der tierischen Stars an Erntedank noch am selben Abend in der Landesshow zeigte. Angeführt vom gesamten Reichentaler Musikverein, gefolgt von Kindern mit Brezelstecken, Ross und Reitern wurde der Tross der 22, mit Blumen bekränzten Mutterkühe Jaqueline, Peggy, Lisa und Lina samt ihrer Nachkommenschaft, mit gezückten Handykameras erwartet. Die vielen Schaulustige säumten den schmalen Weg zum Schwimmbad mit Panoramablick und genossen die zünftige Stimmung.

Vom kleinen Fest zum Publikumsmagneten

War das Weidefest der mittlerweile sechs Hobbybauern erstmals als kleines Kinderfest und „auch ein bisschen als geselliger Lohn für unsere, das Jahr über geleistete Arbeit geplant“, so zeigt sich Hobbybauer Willi Klumpp selbst überrascht, welche Ausmaße die einst eher familiäre Veranstaltung angenommen hat, das für ihn zu den „schönsten Festen in Reichental“ gehört, erklärt der Landschaftspfleger ins vorgehaltene SWR-Mikrofon. „Auch dass immer mehr Besucher sich extra mit Dirndl und Krachlederner für das heimische Fest ausstaffieren, war eine unerwartete Entwicklung, bemerkte Klumpp.
Der Bewirtungs- und Ausschankbereich wurde auch dieses Jahr wieder ein Stück größer, beim vielfältigen engagierten Unterhaltungsprogramm gab es im Zuge der „Gläsernen Produktion“ Einblicke in die frisch renovierte Kelter mit Verkostung von frisch gepresstem Apfelsaft. Im nach Heu duftenden kommunale Winterstall gab es reichlich Informationen zur artgerechten Tierhaltung.

Würdigung der Landschaftspflege

Die Hördener Besucheresel Sancho und Friedolin entzückten die kleinen Besucher ebenso wie die umherspringenden Ziegen oder das „Heukino“ im Stall mit tierischen Leinwand Comichelden, während die kleinen Besucher sich auf Strohballen im Heu fläzen konnten. Im Bastelzelt von Sabine Grimm konnten sie sich dann entweder für das rosa Einhorn oder den kleinen Braunen als Steckenpferd für ihren Ritt nach Hause entscheiden.
Rund 21 Hektar Weide- und Heuflächen aus kleinparzelliger Landwirtschaft bewirtschaften die Landschaftspfleger mit ihren tierischen Helfern. „Dabei achten wir sehr auf die biologische Haltung der robusten und anpassungsfähigen Limousin- und Hinterwälderkühe, die drei Viertel des Jahres im Freien verbringen. „Melken müssen wir nicht, das übernehmen die Kälber schon selbst“, erzählt Klumpp im BNN-Gespräch. Auch die insgesamt 280 Heuballen als Winterfutter und die 55 Strohballen zum Einstreuen haben die Landschaftspfleger, die mit ihrer Arbeit zur Offenhaltung der steilen Seitentäler beitragen, eigenhändisch geformt.