Gewächshäuser teilen bislang die Hildastraße. Mit der Bebauung des Gärtnerei-Areals könnte dies anders werden, könnten die beiden Straßenteile verbunden werden. Harsche Kritik am Rathaus kommt von Architekt Florian Kohlbecker: „Ein Investor öffnet die Hildastraße, dies geht überhaupt nicht.“
Gewächshäuser teilen bislang die Hildastraße. Mit der Bebauung des Gärtnerei-Areals könnte dies anders werden, könnten die beiden Straßenteile verbunden werden. Harsche Kritik am Rathaus kommt von Architekt Florian Kohlbecker: „Ein Investor öffnet die Hildastraße, dies geht überhaupt nicht.“ | Foto: Kocher

Bürgerprotest in Gaggenau

Wird Wohn- zur Durchgangsstraße?

Von Joachim Kocher

„Wir wollen verhindern, dass die Hildastraße zu einer Durchgangsstraße wird,“ sagt Andreas Gmünd im BNN-Gespräch. Die Hildastraße in der Stadtmitte von Gaggenau zählt zu den ältesten Straßen in der Kernstadt und ist seit vielen Jahren in die obere (südliche) und untere (nördliche) Hildastraße unterteilt. Dazwischen liegen bisher die Gewächshäuser von Blumen Hertweck, einer alteingesessenen Gärtnerei in Gaggenau. Für das Hertweck-Gelände ist nun aber weiterer Wohnungsbau geplant. Die Anwohner in der oberen Hildastraße haben deshalb Angst, dass im Zuge dieser geplanten Veränderungen eine Verbindung zwischen der unteren und oberen Hildastraße geschaffen und diese für den Durchgangsverkehr geöffnet wird.

„Wir haben die Sorge, dass hier eine zweite Goethestraße entsteht“, sagt Andreas Gmünd, Anwohner der oberen Hildastraße. Aus diesem Grunde haben sich Anwohner der Straße zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen. Gmünd, der als Sprecher der Initiative fungiert, betont gegenüber den BNN, dass sich 80 Prozent der Bürger dort der Initiative angeschlossen haben.

„Lkw-Verkehr würde Häusern schaden“

Gegen einen Durchstich zur unteren Hildastraße sprechen nach seiner Aussage mehrere Faktoren. So seien zahlreiche Häuser mehr als 100 Jahre alt und haben kein Fundament. Bei dieser Bauweise wurden die Gebäude in Lehm gesetzt, was vor 100 Jahren gang und gäbe war, so Gmünd weiter.
Erschütterungen durch den Schwerlastverkehr würde den Häusern zu schaffen machen. Außerdem werde sich das Flair des Viertels unweigerlich verändern.

Ferner macht Gmünd auf die Mehrbelastung der oberen Hildastraße als Schleichweg zur Schillerstraße aufmerksam. So werde die Straße schon heute von zahlreichen Autolenkern insbesondere in Richtung Süden genutzt, die den Einmündungsbereich der Goethe- in die Schillerstraße meiden. Aber auch zahlreiche Autofahrer, die über die untere Hildastraße und anschließend über die Karl-Kohlbecker-/Rommelstraße Straße in Richtung Ottenau oder B 462 fahren, nutzten mittlerweile den Schleichweg über die obere Hildastraße.

Kritik übt Gmünd daran, dass die Anwohner des Straßenzugs von der Verwaltung nicht informiert worden seien. Stattdessen sei dies klammheimlich in einer Stadtratssitzung entschieden worden, meint der Sprecher der Initiative. „Wir haben Oberbürgermeister Christof Florus daher um ein Gespräch gebeten“, sagt Gmünd, das bisher noch nicht stattgefunden habe.

Architekt kritisiert Rathaus

„Als absolutes Unding und völlig unnötig“ bezeichnet auch Florian Kohlbecker von der Geschäftsleitung des Architekturbüros Kohlbecker die geplante Öffnung der beiden Straßen (untere und obere Hildastraße), wie es der Bauantrag der Firma Konzok zu dem Bauvorhaben auf dem Gelände der Gärtnerei Hertweck vorsehe. „Ein Investor öffnet die Hildastraße, dies geht überhaupt nicht.“ Florian Kohlbecker spricht von einem historischen Wohngebiet; dies ohne Not zu verändern, verstehe er nicht.

Ohne Not und Verkehrsgutachten würde die Straße zu einer Durchgangsstraße gemacht. Dies führe zu einer Minderung der Wohnqualität. „Wir lehnen dies absolut ab.“ Den vorhandenen Weg für Fußgänger und Radfahrer bezeichnet Florian Kohlbecker als „schöne Sache“. Eine Stellungnahme der Stadtverwaltung Gaggenau zu der Thematik Hildastraße  gab es auf BNN-Nachfrage zunächst nicht.