Millionen für Glasfaser: Der Ortenaukreis arbeitet an seinem Backbone für das schnelle Internet, sieht aber das Verhalten des Konkurrenten Telekom mit Sorge.
Millionen für Glasfaser: Der Ortenaukreis arbeitet an seinem Backbone für das schnelle Internet, sieht aber das Verhalten des Konkurrenten Telekom mit Sorge. | Foto: Peter Kneffel

Ortenaukreis macht Tempo

Ein Backbone und viele Unbekannte

Knapp eine halbe Milliarde Euro würde es kosten, jeden Haushalt in der Ortenau mit einem Glasfaseranschluss zu versorgen. Die Zahl macht die Größenordnung der Aufgabe deutlich, die sich der Ortenaukreis mit seiner Entscheidung zur Einrichtung eines Glasfaser-Backbones zur besseren Anbindung der Ortenau ans Internet aufgebürdet hat. Bei der Umsetzung der Pläne drückt man im Landratsamt gewaltig aufs Tempo: Möglichst noch in diesem Jahr sollen die Städte und Gemeinden entscheiden, ob die mitmachen werden, schon in den nächsten Wochen will Stabsstellenleiterin Diana Kohlmann in den Gemeinderäten für das Netz werben.

Kommunen tragen die Hauptlast

Die Kommunen werden die finanzielle Hauptlast bei der Einrichtung des Glasfasernetzes zu tragen haben. Rechnet der Kreis selbst mit Investitionen von rund 50 Millionen Euro für das zentrale Backbone und die Verbindungsleitungen in andere Landkreise, so schätzt Kohlmann die Investitionen der Kommunen in den kommenden 15 Jahren auf 400 Millionen. Dies sei freilich, so betont sie, ein theoretischer Wert, jede Gemeinde entscheide selbst, wie schnell sie das Netz ausbaut. Erst einmal aber drängt die Zeit: In einer Sondersitzung soll der Kreistag umgehend eine Gesellschaft zum Ausbau des Glasfasernetzes auf den Weg bringen.

Der Schuh drückt an anderer Stelle

Um die Gründung dieser Gesellschaft ging es – vordergründig – auch in der Sitzung des Verwaltungsausschusses  im Landratsamt. Doch schnell wurde deutlich: Der Schuh drückt an ganz anderer Stelle. Die Telekom, potenzieller Konkurrent um die Glasfaser-Kunden, betreibt eine Politik, die einige Kreisräte und auch die Verwaltungsspitze im Landratsamt seltsam anmutet. Das Unternehmen zeigt, so machten Kohlmann und Landrat Frank Scherer deutlich, wenig Neigung, gemeinsam nach einer sinnvollen Lösung zu suchen um so doppelte Investitionen zu vermeiden.

Nebelkerzen von der Telekom

Im Gegenteil: Der Bonner Konzern scheint eher Nebelkerzen zu werfen indem er großzügige Ausbaupläne für sein eigenes Netz veröffentlicht, an deren Umsetzung zumindest Zweifel geboten sind: „Ich muss leider bestätigen, dass die Absichtserklärungen der Telekom nicht einklagbar sind“, so der Landrat. Das macht eine Planung für den Kreis schwierig. Der Konkurrent könnte auch, wie laut Kohlmann bereits Erfahrungen anderer Landkreise zeigen, gerade dort bauen, wo man sich selbst engagiert und so die eigene Investition ins Leere laufen lassen: „Ein volkswirtschaftlicher Blödsinn“, sagt Scherer dazu. Und ein Problem für den Kreis, der natürlich sicherstellen will, dass die eigenen Investitionen in den geplanten 35 Jahren auch refinanziert sind. Das aber funktioniert nur, wenn letztlich genügend Haushalte mitmachen. Denn nur dann werden sich hinreichend Kommunen an dem Netz beteiligen.

Mitmachen wird sich lohnen

Der Kreis schafft daher Anreize, möglichst gleich mit an Bord zu kommen: Wer später einsteigt, muss nicht nur die gesamten Verwaltungskosten nachzahlen, sondern diese auch noch verzinsen. In neun Informationsabenden will Diana Kohlmann in den kommenden Wochen bei den Gemeinderäten im gesamten Kreis für das Backbonenetz werben. Landrat Scherer tat es schon einmal im Verwaltungsausschuss: „Das Mitmachen wird sich für jede Kommune lohnen“.

Noch viele lose Enden

Wie viele Bürger letztlich mitmachen, sie sei die „große Unbekannte“, so hatte CDU-Sprecher Klaus Muttach  die Debatte eröffnet und zugleich auf die „sehr unbestimmten“ Ansagen der Telekom zu ihren eigenen Investitionsplänen verwiesen. Auch andere Kreisräte machten deutlich, dass man noch viele lose Enden sieht: Valentin Doll (FW) sprach die rasante technische Entwicklung an, möglicherweise erwarte der Bürger in einigen Jahren bereits gigabit-schnelle Internetanschlüsse, laut Günter Gorecky (SPD) werde sich die Technik sogar noch rasanter entwickeln. Carsten Gabbert (Grüne) verwies darauf, dass man bei der jetzt vorgelegten Finanzplanung auch hohe Landeszuschüsse eingeplant habe, die aber möglicherweise nicht auf Dauer zu haben sein werden: „Da schauen wir in eine Glaskugel“.