Ziellos streunt "Lisa" durch Pforzheim wie hier in der Fußgängerzone.
Ziellos streunt "Lisa" durch Pforzheim wie hier in der Fußgängerzone. | Foto: PK

Mischling irrt seit zehn Tagen durch Pforzheim

Goldstadt sucht „Lisa“

Ein streunender Schäferhundmischling bewegt die Goldstadt. Seit zehn Tagen ist „Lisa“ im Großraum Pforzheim unterwegs. Über die Umstände des Verschwindens wird in sozialen Netzwerken spekuliert. Zugleich wächst die Anteilnahme in Teilen der Bevölkerung. Ein Tierschützer gründete eine Facebook-Gruppe. Seitdem schicken Nutzer verschiedene Fotos des mutmaßlichen Schäferhundmischlings ein und geben Standorte durch. Auch über WhatsApp verabreden sich Hundefreunde zur gemeinsamen Suche. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt Angelique Eloy gegenüber dem Pforzheimer Kurier. Die Mitarbeiterin des Tierheims Pforzheim kritisiert die „gut gemeinte Anteilnahme“ als eine „regelrechte Schnitzeljagd“.

„Verfolgung schreckt die scheue Hündin auf“

Eloy appelliert an „Tierfreunde“, dass sie den Schäferhundmischling nicht versuchen sollen einzufangen. „Die Hündin ist scheu, man kommt nicht an sie ran“, erklärt Eloy. Es bringe nichts, ihr zu folgen. Dies würde den Vierbeiner weiter aufschrecken. Es gebe nur zwei Möglichkeiten: „Wenn man sie in einen Hof oder Keller lockt und die Tür schließt, könnte die Hündin nicht abhauen“, so Eloy. Das Aufstellen einer Lebendfalle sei eine weitere Fangmethode. In einer getarnten Vorrichtung wird Nahrung ausgelegt, um den Vierbeiner anzulocken. Dann schließt eine Klappe und der Hund wäre gefangen. „Dabei wäre es sinnvoll, den Hund in einer bestimmten Gegend mit Nahrung zu locken“, erklärt Angelique Eloy. Wenn immer mehr Menschen den Hund jedoch einfangen wollten, würde er die Gegend panisch wieder verlassen.
Rückblende: Samstag, 4. Juni, auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants in Niefern. Gabriele Fritz, eine Tierschützerin aus Vaihingen, erwartet mit einer Freundin eine Familie. Letztere will der Tierschützerin eine Hündin, angeblich aus Bulgarien stammend, in Obhut geben. Ein Bekannter der Familie habe Fritz zuvor kontaktiert und das Treffen arrangiert.

„Aus dem Halsband geschlüpft und abgehauen“

Während der Übergabe geht offensichtlich etwas schief. „Lisa“ habe sich mehrmals gedreht. Dann sei sie aus einem viel zu weiten Halsband geschlüpft und abgehauen, erinnert sich Gabriele Fritz. Auf sie habe „Lisa“ einen fahrigen Eindruck gemacht. Die Besitzer seien der Hündin „hinterher gerast“, schildert Fritz. „Lisa“ sei der Familie wohl nicht vertraut gewesen. Am darauf folgenden Tag habe die Tierschützerin nochmals die Gegend um Niefern abgefahren – jedoch ohne Erfolg. Die Hündin habe sie daraufhin beim Tierheim in Pforzheim als vermisst gemeldet und Plakate ausgehängt. „Lisa“ habe einen deutschen Chip. „Sie ist offensichtlich registriert“, ergänzt Gabriele Fritz.
Seit der Vermisstenmeldung bekommt die Tierschützerin geradezu stündlich Nachrichten über Facebook, darunter auch Beleidigungen. Sie weist Behauptungen entschieden zurück, sie würde mit Hunden handeln. „Ich engagiere mich seit 30 Jahren im Tierschutz“, betont Fritz. Sie pflege und vermittle Vierbeiner. Gabriele Fritz sei sich im Fall „Lisa“ keiner Schuld bewusst.
Zuletzt wurde die Hündin in der Innenstadt gesichtet. Nach Augenzeugenberichten soll „Lisa“ mittlerweile schwach sein. Kann sie auf sich alleine gestellt in einer Großstadt überleben? „Solange Menschen ihren Müll wegwerfen, wird Lisa genug Nahrung finden“, sagt Tierpflegerin Angelique Eloy.