Aussichtsplattform Badner Halle
UNANSEHNLICHE PLATTFORM: Auskragende Flächen soll es auf den Murgdämmen geben, aber in einer anderen optischen Umsetzung als an der Badner Halle. | Foto: Collet

Rastatt hat andere Prioritäten

Grillen am Murgufer bleibt ein Traum

Gemütlich Grillen im Murgvorland? Oder ein kleines Päuschen nahe der Innenstadt, aber doch fern vom Trubel auf dem Werderplatz einlegen? Das wird es so bald nicht geben, erklärt Stadtplaner Markus Reck-Kehl im Gespräch mit den Badischen Neuesten Nachrichten. Neun Projekte hatte das Architekturbüro Astoc vor drei Jahren in seinem „Stadtentwicklungskonzept Rastatt“ vorgeschlagen. Ein Teil davon, so etwa die Erneuerung der Pagodenburganlage, die Neuordnung der oberen Kaiserstraße oder die Neugestaltung des Postplatzes sind erledigt oder in der Mache. Beim Werderplatz und der sogenannten „urbanen Murg“ wird das aus unterschiedlichen Gründen noch einige Zeit dauern.

Vision: Platz als Veranstaltungsort

„Wenn man ein Gutachten in der Innenstadt macht, dann stolpert man regelrecht über den Werderplatz“, räumt Reck-Kehl ein. Der Platz werde nicht als Platz wahrgenommen, obwohl es laut Reck-Kehl früher einmal größere Ambitionen gegeben habe müsse: Unter Oberbürgermeister Klaus-Eckhard Walker wurde dort eine „Freiheitslinde“ gesetzt. Danach entwickelte sich der kleine Platz an der Grenze zur Georgenvorstadt allerdings zu einem Parkplatz.

Werderplatz
EIN PARKPLATZ – mehr ist der Werderplatz derzeit nicht. Daran ändert auch die „Freiheitslinde“ nur wenig. | Foto: Collet

Dorfentwicklung hat Vorrang

Astoc hatte vorgeschlagen, die Aufenthaltsqualität zu erhöhen, um den Werderplatz zu einem Treffpunkt und Begegnungsort zu machen, der für Quartiersfeste, Flohmärkte und andere Veranstaltungen genutzt werden könnte. Dafür müssten allerdings sämtliche Parkplätze verschwinden, so die Gutachter. Und die Anwohner in die Planung einbezogen werden, damit der Werderplatz am Ende tatsächlich als Ruheinsel funktioniert. Dass der Werderplatz in der jetzigen Form kein Schmuckstück ist, weiß auch Stadtplaner Reck-Kehl. „Aber wir haben viele, viele Flächen, die vernachlässigt sind. Derzeit steht die Dorfentwicklung im Vordergrund.“ Das Potenzial des Platzes sei erkannt, „und wir wollen es in den nächsten zehn bis 20 Jahren auch ausschöpfen.“ Vorher hätten einfach andere Stellen Priorität.

„Urbane Murg“ wird es nicht geben

Anders sieht es bei der „urbanen“, also von Rastattern belebten Murg aus: „Die wird es so, wie es sich Astoc vorgestellt hat, nie geben“, erklärt der Stadtplaner. Das liege zum einen am Naturschutz – hier ist ein Flora-Fauna-Habitat – und an den wasserbaulichen Anforderungen. Trotz der erfolgreichen Renaturierung der Murg im Hochwasserschutz- und Ökologieprojekt Murg (HÖP) muss die Verwaltung im Innenstadtbereich noch nachrüsten: Die Murgdämme sind zu niedrig, zehn bis 50 Zentimeter höher müssen sie sein, um ausreichend Schutz zu bieten.

Spundwände statt Deich

„Für einen modernen Deich wie im Bittler gibt es in der Kernstadt aber schlichtweg keinen Platz“, erklärt Reck-Kehl. Als einzige Alternative zu einem solchen Deich bleibe dann nur die Spundwand. Die sei allerdings nicht unbedingt schön und würde außerdem zu einem großen Problem für die Bäume am Deich. „Dafür haben wir noch keine Lösung gefunden.“ Da die Retentionsfläche der Murg, also die Uferflächen, die der Fluss bei hohem Pegel fluten kann, nicht verkleinert werden soll, müssten die Spundwände näher zur Wohnbebauung gesetzt werden. So hätte man auch die Möglichkeit, die Wege auf dem Deich etwas zu verbreitern und aufzuhübschen. Oben werde definitiv etwas passieren, unten definitiv nicht.
„Im Idealfall verschwinden die Wände komplett im Deich“, so Reck-Kehl. Und falls nicht, kann sie mit Steinen verkleidet und in eine Mauer verwandelt werden. Vorstellbar wären auch auskragende Flächen, die als Verweilplätze genutzt werden könnten. Eine solche Fläche gibt es bereits an der Badner Halle, allerdings wird sie wenig genutzt und ist von der gegenüberliegenden Flussseite kein Schmuckstück. „So möchte ich mir das nicht vorstellen müssen.“ Bevor die Ideen allerdings konkreter werden können, muss der Stadtplaner das Urteil der Wasserbauer abwarten: Erst dann ist klar, wo überall Spundwände nötig sind.

Wege werden saniert

Bis dahin passiert aber nicht nichts, versichert Reck-Kehl: „Wir haben die Entscheidung getroffen, die Wege auf den Dämmen schon vorher zu sanieren.“ Bis die Deiche tatsächlich erhöht würden, könne locker ein Jahrzehnt ins Land ziehen – „solange wollen wir nicht warten“. Die Entscheidung ist gefallen, nun gehe es daran, die Arbeiten auszuschreiben, um dann nach Möglichkeit im Frühjahr damit zu beginnen, Löcher, Wurzelaufwürfe und andere Stolperfallen zu beseitigen, so wie es bereits zwischen Hindenburg- und Rheinauer Brücke geschehen ist. Wenn auch nicht für Griller, so wird die Murg auf jeden Fall für Fußgänger und Radler erlebbarer.