Das Gutachten der Rechtsmedizin stand im Mittelpunkt des zweiten Verhandlungstags, an dem eine Expertin zu einem von den Aussagen des Angeklagten – hier mit Verteidigerin Susanne Burkhardt – abweichenden Ergebnis kam.
Das Gutachten der Rechtsmedizin stand im Mittelpunkt des zweiten Verhandlungstags, an dem eine Expertin zu einem von den Aussagen des Angeklagten – hier mit Verteidigerin Susanne Burkhardt – abweichenden Ergebnis kam. | Foto: Pfitzenmeier

Gutachten der Rechtsmedizin

Grunbach: Zweifel an Aussage des Angeklagten

Es sind Bilder, von denen man reflexartig den Blick abwenden möchte. Bilder, die verstören und die das Ausmaß des Gewaltausbruchs in der Nacht zum 5. April in einem Grunbacher Haus, wo wie berichtet eine 33-Jährige von ihrem Verlobten getötet wurde, verdeutlichen sollen. Am zweiten Verhandlungstag des Totschlagprozesses am Landgericht Karlsruhe stellte Martine Schaul von der Heidelberger Rechtsmedizin das Obduktionsergebnis vor. Ihr zentraler Befund: Ein vollständiger Abriss des linken Leberlappens habe dazu geführt, dass viel Blut in die Bauchhöhle der Frau drang. Sie verblutete deshalb innerlich. Der Angeklagte hatte beim Prozessauftakt ausgesagt, seine Partnerin nicht nur geschlagen, sondern auch auf eine Kommode im Schlafzimmer gestoßen zu haben. Dabei sei sie so unglücklich gestürzt, dass sie sich danach vor Schmerzen krümmte und schrie.

Leberlappen-Abriss äußerst ungewöhnlich

Die Gutachterin skizzierte jetzt ein von dieser Version abweichendes Szenario. Ein Abriss des Leberlappens sei eine „sehr seltene Verletzung“ und „äußerst ungewöhnlich“. Sie trete eher bei einem Pferdetritt oder bei Verkehrsunfällen auf. „Es braucht eine massive Gewaltanwendung, damit es zur Abtrennung des Leberlappens kommt“, sagte Schaul. Durch den Aufprall auf die Ecke der Kommode sei eher ein oberflächlicher Einriss der Leber denkbar, aber keine vollständige Abtrennung. Nicht auszuschließen sei, dass durch die anschließenden Wiederbelebungsversuche des Beschuldigten der eventuell bereits beschädigte Leberlappen ganz abriss. Für plausibel hält Martine Schaul die Theorie jedoch nicht. Sie halte es vielmehr für wahrscheinlicher, dass die Verletzung von wuchtigen und mehrfach ausgeführten Faustschlägen oder Tritten stammt.

Blutergüsse im Gesicht, am Kinn und Rücken

Der Leichnam der jungen Frau war übersät mit Blutergüssen und Verwesungsflecken. Das hatte zunächst die Leichenschau vor Ort erschwert. Die Rechtsmedizin stellte schließlich Blutergüsse unter anderem im Gesicht, am Kinn, Jochbein und Rücken fest. Der linke Zungenbeinast war zudem gebrochen. Offene Verletzungen hatte die Frau keine. Das Blut, das die Polizei am Tatort fand, stammte ausschließlich vom Angeklagten. Nachdem dieser festgestellt hatte, dass seine Lebensgefährtin nicht mehr lebte, verfasste er einen Abschiedsbrief und fügte sich zunächst mehrere oberflächliche Anritzungen an Hals und Handgelenken zu. Experten sprechen dabei von „Probierschnitten“, um die Hemmschwelle zur Selbsttötung zu überwinden.

Klare Selbstmord-Absicht des Beschuldigten

Ein weiterer Schnitt über dem Handgelenk war sehr tief, wie eine Aufnahme zeigte. Das könnte die im ganzen Haus verteilten Blutspuren des Mannes erklären. Bei dem Schnitt wurden auch die Nerven beschädigt. Der Vorsitzende Richter Leonhard Schmidt sah darin denn auch keine „Appell-Funktion“, sondern eine klare Selbstmord-Absicht des Angeklagten.

Am voraussichtlich letzten Verhandlungstag am Dienstag, 25. Oktober, 9 Uhr, wird vor der Urteilsverkündung noch das Gutachten des Psychiaters des Angeklagten gehört. Die Verteidigung beantragte noch, den Pfarrer aus der Justizvollzugsklinik Hohenasperg, der den Beschuldigten betreute, zu hören.