Idyllischer Altrhein bei Rußheim: Die Varianten zum Hochwasserschutz erhitzen die Gemüter. Bürgermeisterin Ute Göbelbecker unterstrich, dass man sich dem Raum für Hochwasserschutz nicht verstellen werde, sollte dafür ein Nachweis erbracht werden. Dann könne man sich eine kleine Variante vorstellen.
Idyllischer Altrhein bei Rußheim: Die Varianten zum Hochwasserschutz erhitzen die Gemüter. Bürgermeisterin Ute Göbelbecker unterstrich, dass man sich dem Raum für Hochwasserschutz nicht verstellen werde, sollte dafür ein Nachweis erbracht werden. Dann könne man sich eine kleine Variante vorstellen. | Foto: gm

Rückhalteraum Elisabethenwört

Dettenheim bekräftigt „Nein“ zu großer Variante

Von Alexander Werner

Ihren Sorgen über den geplanten Hochwasser-Rückhalteraum Elisabethenwört haben Rußheimer Anwohner schon im Dettenheimer Gemeinderat Luft gemacht. Wie groß diese sind, das zeigt auch der große Zulauf zur Bürgerinitiative „Rußheimer Altrhein“.
Für diese sprach jetzt Karl-Heinz Schmidt, der sich gestern mit Martin Baumgärtner und Günter Wendel vom Verein Rheinkolleg sowie Bürgermeisterin Ute Göbelbecker vor Ort im betroffenen Gebiet eingefunden hatte. Das in gemeinsamer Initiative mit dem Ziel, sich gegenüber den BNN deutlich öffentlich zu positionieren.

Göbelbecker: Nachweis über Notwendigkeit eines Rückhalteraums muss erbracht werden

Ute Göbelbecker bekräftigte das, was die Gemeinde in ihrer Resolution formuliert hatte. Wenn Hochwasserschutz Raum benötige, wolle man sich dem nicht verstellen, hob sie hervor. Aber die Notwendigkeit dafür müsse aktuell nachgewiesen werden. Dann könne man sich die kleine Variante als gesteuerten Polder vorstellen. Sollte ein solcher Nachweis nicht erfolgen, trete man für eine Null-Lösung ein. Vorerst sind es die Varianten, die die Gemüter erhitzen. Vorgelegt wurden die nach Untersuchungen in Regie des Regierungspräsidiums bereits 1992. Weniger die mittlere, sondern speziell die kleine und große Variante stehen zur Debatte, die jeweils als ungesteuerter Retentionsraum in Form einer Deichrückverlegung sowie als gesteuerter Retentionsraum in Form eines Polders konzipiert wurden.
Eine große Variante schlossen alle Beteiligten des Treffens kategorisch aus, selbst wenn sich ergeben sollte, dass die kleine Lösung die Zielvorgaben eines Hochwasserschutzes im Blick auf den Rhein-Neckarraum nicht erfüllen sollte. In dem Fall bliebe die Möglichkeit von Ergänzungsflächen an anderer Stelle. Denn die Auswirkungen auf das Gebiet seien alleine schon in abgespeckter Version massiv, in der größeren aber untragbar. Genau diese vertreten indessen Naturschutzverbände im Ansinnen, Rheinauen zu renaturieren.

„Sollte da irgendwann etwas passieren, saufen wir ab“

Tatsächlich aber hätte dies verheerende Folgen für den Rußheimer Altrhein, dessen wertvolles Biotop mit teils einzigartiger Flora derart einbezogen und aufgestaut völlig zerstört würde, hoben Schmidt, Wendel und Baumgärtner gleichermaßen hervor. Eine Tatsache, die für die Naturschutzbehörde maßgeblich sein müsste.
Markant vor Augen tritt bei einer Ortsbesichtigung, was den Anwohnern blühen würde, denen eh schon der hohe Grundwasserpegel zu schaffen macht. An die 60 Meter hinter der Wohnbebauung würde sich der neue, rückverlegte Damm auftürmen. „Sollte da irgendwann etwas passieren, saufen wir ab“, brachte es Schmidt markant zum Ausdruck, eingedenk auch der vergangenen Großeinsätze am Fuß-und-Nutria-geschwächten Damm XXXI. Ein gewichtiger Punkt war ebenso eine drohende drastische Schnakenplage. Bei wegfallender Vorflutfunktion des Altrheins müssten großflächig Schutzvorkehrungen getroffen werden, Pumpwerke, Brunnen und Gräben und mehr angelegt werden, so Schmidt. Als weiteres Problem führte er an, dass von einem neuen Damm an diesem Knotenpunkt die Rußheimer Abwasserableitung betroffen würde und alles umgebaut werden müsste. Nächste Befürchtung ist, dass durch die direkte Verbindung mit dem Rhein nicht nur bei Hochwasser Schadstoffe wie Pestizide und Müll angeschwemmt werden. Alles nicht nur für ihn zwingende Argumente, eine große Lösung zum Schutz von Natur und Mensch auszuschließen.