Auto an Auto auf der L 558 in Richtung B 36. Auch auf den Zufahrtsstraßen mussten die Pendler viel Zeit einplanen.
Auto an Auto auf der L 558 in Richtung B 36. Auch auf den Zufahrtsstraßen mussten die Pendler viel Zeit einplanen. | Foto: Stieb

Landkreis Karlsruhe

Pendlerfrust auf der B 36

Eine Blechlawine schlängelt sich morgens auf der Bundesstraße 36 von Norden her Richtung Karlsruhe. Autofahrer brauchen derzeit gute Nerven, denn pendelt man normalerweise 15 Minuten von Rußheim nach Karlsruhe, kann dies zurzeit schon eine Stunde dauern. „Es ist der reine Wahnsinn“, berichtet unter anderem BNN-Mitarbeiter Carsten Hager. Da die Ortsdurchfahrt in Leopoldshafen gesperrt sei, bleibe den Leuten nur noch die Fahrt über die B 36. In Leopoldshafen wird gerade die Ampelanlage erneuert. Nicht ohne eine gewisse Ironie fragt er sich, ob sich der Umweg über die Pfalz in die Stadt lohne. Betrachtet man das Problem genauer, so fallen mehrere Faktoren auf, die manchem Pendler im Auto morgens die Zornesröte ins Gesicht treiben. Dass die Bundesstraße kurz vor dem Kollaps steht, weiß auch Joachim Zwirner, Leiter des Referats Verkehr beim Polizeipräsidium Karlsruhe.

„Die B 36 ist an einem normalen Tag schon an der Obergrenze, kommen dann noch zehn bis 15 Prozent mehr oben drauf, dann wird das beinahe unerträglich“, sagt er. Polizei, Notärzte und Bergungsfahrzeuge hätten es in einer solchen Situation schwer und kämen nur schleppend durch. Auch die derzeitigen Baustellen auf der A 5 verschärften die Verkehrssituation auf der Bundesstraße zusätzlich. „Viele verlassen die Autobahn bei Bruchsal, um dann ihr Glück auf der B 36 zu suchen“, betont er. Seit Wochenbeginn ist auch die Landesstraße 560 zwischen Blankenloch und Karlsruhe-Waldstadt wegen Sanierungsarbeiten stadteinwärts gesperrt. Die Konsequenz: Die Strecke muss weitere Pendler aufnehmen – das führt zu Staus. Auch auf den Straßen, die zur B 36 hinführen. Zwirner ist sich sicher, dass über einen vierspurigen Ausbau der Strecke weiter in Richtung Norden nachgedacht werden muss.

Manche Pendler brauchen vierfache Fahrzeit bis zum Ziel

Derselben Meinung sind der Oberbürgermeister von Stutensee, Klaus Demal, und sein stellvertetender Ordnungsamtsleiter, Thomas Schoch. „Die B 36 weist eine hohe Belastung auf. Die Region muss daran arbeiten. Spätestens wenn die zweite Rheinbrücke kommt, muss eine weitergehende Vierspurigkeit der Straße angegangen werden“, sagt Demal. Zur Situation auf der Landesstraße 560 sagt Schoch, man habe schon lange auf die Situation hingewiesen. Es gebe ein Umgehungsstraßennetz, auf dem sich der Verkehr gut verteile. So könne man bei Spöck auf die Kreisstraße 3579 in Richtung Campus Nord des KIT fahren. Man komme zwar wieder zur B 36, allerdings sei sie da schon vierspurig ausgebaut. Das Manko: An den Zufahrten, der L 558 und L 559, staut es sich auch, wie BNN-Mitarbeiterin Doris Stahnke berichtet. „Ich dachte, ich bin im falschen Film“, sagt sie. Als sie dann auf die B 36 fuhr, sei diese wieder frei gewesen.
Thomas Schochs Appell: Ist auf der B 36 kein Durchkommen mehr, soll der ÖPNV genutzt werden. Mit der Stadtbahnanbindung sei man von Stutensee aus schnell in Karlsruhe.

Kommunen fordern vier Spuren

Für das Verkehrsproblem macht Helga Riedel, Sprecherin des Presseamtes Karlsruhe, zwei Ursachen aus. Die erste sei, dass die Bundesstraße bis Leopoldshafen einspurig in eine Richtung verlaufe. Dort herrsche auch ohne Baustellen ein starkes Verkehrsaufkommen. Die zweite Ursache macht sie an der L 560 fest. Zwar habe man mit den Bauunternehmen unter anderem Arbeiten in sogenannten verkehrsarmen Zeiten, nachts oder an den Wochenenden ausgemacht, allerdings seien die Arbeiten am Wochenanfang mit dem Berufsverkehr zusammengefallen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es ein bis drei Tage braucht, bis sich die Leute darauf eingestellt haben“, sagt sie. Es brauche Zeit bis Umwege genommen würden. Eine Frage, die sich Philipp Jänicke, Ordnungsamtsleiter von Eggenstein-Leopoldshafen stellt, ist die der Entlastung der Bundesstraße. „Es ist unstrittig, dass die B 36 überlastet ist. Aber der Verkehr, der nicht über die Straße fährt, geht zu Lasten der K 3580, Hauptstraße Eggenstein“, betont er. Dies stelle eine Belastung für die Anwohner dar. Die Kreuzung in Leopoldshafen, an der die Ampelanlage saniert werde, sei ein Unfallschwerpunkt gewesen. Die Installation von Baustellenampeln und die Öffnung der Straße bringe nichts, da Baustellen-Lichtzeichen nicht mit dem System der AVG kompatibel seien.