Noch weht die US-Flagge vor dem Tor von Harman Becker Automotive Systems Im Stockmädle in Ittersbach. Die 980 am Standort verbliebenen Mitarbeiter haben noch keine Information bezüglich ihrer Zukunft unter dem neuen Eigentümer Samsung.
Noch weht die US-Flagge vor dem Tor von Harman Becker Automotive Systems Im Stockmädle in Ittersbach. Die 980 am Standort verbliebenen Mitarbeiter haben noch keine Information bezüglich ihrer Zukunft unter dem neuen Eigentümer Samsung. | Foto: Weber

Überraschende Übernahme

Harman Becker in Karlsbad geht an Elektronik-Gigant Samsung

Ein Paukenschlag wie aus heiterem Himmel war die Nachricht: Smartphone-Gigant Samsung schluckt für knapp acht Milliarden Euro den Automobilzulieferer Harman – also auch Harman Becker mit Sitz in Karlsbad. 980 Arbeitsplätze sind am Standort Karlsbad-Ittersbach, wo noch absolute Ungewissheit bezüglich der Zukunft herrscht.
„Keiner der Kollegen wusste Bescheid. Wir wurden durch eine Meldung im Internet überrascht“, erklärte gestern der Karlsbader Betriebsratsvorsitzende Klaus Rupp im BNN-Gespräch. Und auch für die Geschäftsführung von Harman Deutschland sei es wohl überraschend gekommen. „Die müssen sich wohl erst in den USA informieren.“ Letztlich wurde der Deal eben von den USA aus ausgehandelt und dann wurden nur noch vollendete Tatsachen verkündet. Dafür spricht auch die Reaktion der Geschäftsführung am größten deutschen Standort in Karlsbad. „Ein direktes Telefonat ist nicht zu vermitteln“, erklärt die Kommunikationsabteilung im Haus bezüglich Geschäftsführer Udo Hüls. „Die Kommunikation läuft eigentlich über die USA.“

Es wird einfach etwas entschieden

Schon in der Vergangenheit waren die Mitarbeiter bei Harman Becker nicht eben durch eine mitarbeiterfreundliche Konzern-Kommunikation verwöhnt. Entsprechend reagiert auch jetzt die Gewerkschaft IG Metall. „Das ist ein bemerkenswerter Vorgang. Das Verhalten der amerikanischen Unternehmensseite setzt sich fort, es wird einfach etwas entschieden“, sagt die für den Standort zuständige Liane Papaioannou. Nicht ausgeschlossen sei es, dass auch die Karlsbader Firmenleitung bis zuletzt keine Kenntnis hatte. „Ich halte alles für möglich.“ Jedenfalls liefen in Karlsbad offensichtlich die Drähte und es wurde heftig konferiert. Die Gewerkschaft wolle jetzt mit dem Betriebsrat zusammen vehement „ins Gespräch mit der Geschäftsleitung gehen“, um für die Mitarbeiter schnellstmöglich mehr Information zu bekommen.
Was hat der südkoreanische Konzern Samsung vor? Das ist für Karlsbad noch keineswegs zu beantworten. Die Gesamtstrategie schon, denn wie Apple will sich der Samsung jetzt im Bereich Automobil-Elektronik verzahnen. Modernste Autos gelten heute schon als „fahrende Smartphones“. Betriebsratschef Klaus Rupp sieht für Harman Becker durchaus nicht schwarz, vielleicht steht den Mitarbeitern gar eine bessere Zukunft ins Haus als unter dem US-Konzern.
Wie berichtet, hatte Harman den Standort Karlsbad mehr und mehr beschnitten. Vor Jahren waren noch rund 1 600 Menschen dort beschäftigt, dann wurde sukzessive die Produktion heruntergefahren. „Inzwischen wurde die Produktion nach Ungarn verlagert“, so Rupp. Die Entwicklungsabteilung sei das Rückgrat bei Harman Becker, Verwaltung und Vertrieb kommen hinzu, dazu eine kleine Ersatzteilfertigung.
„Wir sind in Sachen elektronischer Vernetzung im Auto ein interessanter Partner“, blickt Rupp voraus. Immerhin habe man die Premium-Automobilhersteller als Kunden. Am Standort Karlsbad in erster Linie Audi und VW. Gerade diese Kundenbeziehungen seien für Samsung interessant. Chancen und Risiken mit Samsung als Eigentümer schätzt der Betriebsratsvorsitzende noch mit 50 zu 50 ein. Zuerst müssen sich aber die Nebelschleier nach der Übernahme lüften.