Gerätewartin Eileen Ganther
Alles im Griff hat die hauptamtliche Acherner Gerätewartin Eileen Ganther nicht nur am Löschfahrzeug, wo die 29-Jährige auf der Rückseite die Pumpe bedient. seit 1. September erste hauptamtliche Gerätewartin Feuerwehr Achern | Foto: Prinz

Feuerwehrfrau Eileen Ganther

Erste hauptamtliche Gerätewartin in Achern

Sie ist eine Rarität: Eileen Ganther arbeitet seit Anfang September als erste hauptamtliche Gerätewartin bei der Acherner Feuerwehr  – und ist als Frau die einzige in der gesamten Ortenau. Im Interview spricht die  29-jährige Feuerwehrfrau aus Großweier über ihre Arbeit, die noch immer eher ein Männerberuf ist.

Können Sie die Frage, warum Sie als Frau zur Feuerwehr gegangen sind, überhaupt noch hören?

Ganther: Nein, ich war einfach schon immer der Typ dafür. Eine Klassenkameradin war bei der freiwilligen Feuerwehr, sie hat mich eigentlich dazu gebracht, und ich bin 2000 zum ersten Mal zur Probe der Jugendfeuerwehr gegangen. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich immer zur Feuerwehr wollte. Man muss dafür einen Handwerksberuf haben, ich bin gelernte Schreinerin.

Wie ging es dann für Sie weiter?

Ganther: Dann bin ich stattdessen 2008 zum Rettungsdienst gegangen, mein Cousin war da schon. In Achern hat es dann doch geklappt. Es war von Vorteil, einen Lkw-Führerschein zu haben und Feuerwehr-Fortbildungen gemacht zu haben: Ich war schon Maschinistin, Atemschutzträgerin und Truppführerin.

Gab es jemals Vorbehalte gegen Sie als Frau in einem Beruf, in dem eher Männer arbeiten?

Ganther: In der Jugendfeuerwehr waren wir damals zwei oder drei Frauen, da habe ich mich nie benachteiligt gefühlt. Und in der Männerdomäne fühle ich mich wohl: Wenn es ein Problem gibt, wird das gleich geregelt. Mein Vorteil war auch, dass ich in der Zeit als Ehrenamtliche bei der Freiwilligen Feuerwehr Achern schon die Hauptamtlichen dort kennengelernt habe. Am 1. September habe ich angefangen, und am 2. wurde ich schon nach meiner Meinung gefragt.

Seit 1. September sind Sie hauptamtliche Gerätewartin – was sind Ihre Aufgaben?

Ganther: Das ist sehr vielfältig, unter anderem alles was mit Erster Hilfe zu tun hat, auch die Ausbildung. Ich bestücke Rettungsrucksäcke und prüfe das Material für die Absturzsicherung, unter anderem zum Beispiel Seile und Karabiner. Ein großes Gebiet ist die Kleiderkammer: Es gibt ein System, in dem erfasst wird, wer welche Größen braucht, das pflege ich gerade ein. Und ich helfe in der Werkstatt und bei Wartungen.

Wie viele Kolleginnen und Kollegen haben Sie im Moment?

Ganther: Wir sind sechs Leute und ein FSJler, im ganzen Ortenaukreis bin ich die einzige Frau als Gerätewartin. Bei der freiwilligen Feuerwehr in allen Stadtteilen zusammen sind 19 Frauen.

Warum aus Ihrer Sicht so wenige?

Ganther: Vielleicht haben Frauen einfach eher andere Interessen. Ich unterstütze aber alle, die das machen wollen.

Der Beruf ist nicht nur körperlich schwer, sondern in manchen Momenten auch psychisch. Gab es Situationen, die Sie abends mit nach Hause genommen haben?

Ganther: Durch meine Jahre als Rettungsassistentin bin ich darauf schon geeicht: Auch wenn es schlimm war, sollte man das nicht mit heimnehmen. Das ist natürlich schwer, wenn Kinder im Spiel sind oder die eigene Familie – das habe ich auch schon miterleben müssen. Aber man muss einfach abschalten, das muss man lernen. Bei mir ist es so, wenn ich nach Hause komme und dusche, bin ich danach privat.

In welchen Momenten sind Sie besonders gerne Feuerwehrfrau?

Ganther: Immer, mir machen alle Aufgaben Spaß.

Im vergangenen Jahr zählte das Statistische Landesamt Baden-Württemberg rund 110 000 Feuerwehrleute in Gemeindefeuerwehren in Baden-Württemberg. Davon waren rund 2 100 Hauptamtliche, heißt es in einer Mitteilung des Innenministeriums. Unter allen aktiven Feuerwehrleuten waren rund 5 500 Frauen.