Hetz-Plakate
Hetz-Plakate gegen den VfB sind in Karlsruhe aufgetaucht. | Foto: jodo

Staatsanwaltschaft ermittelt

Hetz-Plakate in Karlsruhe vor KSC-Spiel gegen VfB

Aufgebracht ruft der Mann am Morgen in der Redaktion der BNN an. Auf dem Weg zur Arbeit entdeckte er in der Beiertheimer Allee die „Tod dem VfB“-Plakate – von denen er empört einige abriss, wie er berichtet. „Aber alle schaffte ich nicht, ich musste ja ins Büro.“ Nicht nur entsetzte Bürger halfen gestern mit, die Kampfansage vor dem Fußballspiel zwischen dem KSC und dem VfB Stuttgart, das am 30. Oktober im Wildpark stattfindet, aus dem Stadtbild zu verbannen. Auch der Kommunale Ordnungsdienst nahm die Hetz-Plakate ab.

Städtischer Mitarbeiter bemerkte Hetz-Plakate auf Weg zur Arbeit

„Einer unserer Mitarbeiter sah welche um 8 Uhr auf dem Weg zur Arbeit und informierte noch von unterwegs die Behörde. Wir reagierten dann sofort“, berichtet der Chef des Ordnungs- und Bürgeramts, Björn Weiße.

Hetz-Plakate
Mitarbeiter dem Kommunalen Ordnungsdienstes entfernten Hetz-Plakate gegen den VfB | Foto: jodo

Zwar habe es immer mal wieder unschöne Plakate im Vorfeld von KSC-Spielen gegeben. An eine solche Aussagekraft wie jetzt könne er sich in den vergangenen zehn Jahren jedoch nicht erinnern. Weiße spricht von einem Aufruf zur Gewalt.

Urheber nicht geklärt

Wer hinter den Hetz-Plakaten steckt, ist unklar. Die Ultra-Szene als Urheber gilt als wahrscheinlich. Der KSC stellte gestern Strafanzeige, die Staatsanwaltschaft ermittelt. „Schwaben jagen, Schwaben schlagen“, heißt es in weißen Lettern auf schwarzem Grund. Treffpunkt am Tag des Derbys sei um 10 Uhr der Friedrichsplatz. Vorgegeben wird zudem eine Kleiderordnung: In schwarz möge man erscheinen, mit blau-weißem Schal um den Hals. Und über allem steht eben: „Tod dem VfB.“ Hundertfach in der gesamten Stadt.

Supporters distanzieren sich

„Wir lehnen diese Aktion ab“, sagt Martin Löffler, Vorsitzender der Supporters, über die Hetz-Plakate. Der Dachverband der KSC-Fanklubs habe kein Problem damit, wenn man sich gegenseitig mit Wortwitz auf die Schippe nehme, das gehöre zu einem Derby dazu. „Hier wurde aber eine Schwelle übertreten. Gewalt gegen Andersdenkende lehnen wir ab, das entspricht nicht unseren Werten.“

Ähnliches in Stuttgart zu sehen

„Ich finde die Wortwahl nicht passend“, sagt Volker Körenzig vom KSC-Fanprojekt. Allerdings gebe es vergleichbare Plakate oder Graffiti in der Fanszene eben immer wieder, auch in anderen Städten. „In Stuttgart hängen derzeit ähnliche Sachen mit Schmähattacken gegen den KSC im Vorgriff des Spiels am 30. Oktober, ich war am Wochenende zufällig selbst dort und habe es gesehen“, berichtet Körenzig. All dies sei ein Vorgeschmack auf das Derby, das bei den Anhängern selbstverständlich Emotionen wecke. „Wir stehen selbstverständlich im ständigen Kontakt mit der Fanszene und versuchen dort Ruhe reinzubringen. Wir sind aber kein Allheilmittel.“

Dennoch sei die Aussage auf den Hetz-Plakaten sicher nicht wörtlich zu nehmen, ein Witz sei es jedoch ebenfalls nicht. Grundsätzlich sei der Friedrichsplatz bei brisanten Heimspielen, etwa auch gegen Eintracht Frankfurt, Treffpunkt von Fans. Dennoch ist Körenzig sicher, dass dort direkt nichts passieren wird. Bei der letzten Begegnung der beiden Teams im Jahr 2009 kam es hingegen vor und nach dem Spiel unter anderem beim Stadion zu massiven Auseinandersetzungen, es flogen Steine, es kam zu Schlägereien und zu Festnahmen.

1.000 Beamte im Einsatz

„Entscheidend wird jetzt sein, wie die Polizei agiert“, so Körenzig. Die wird am 30. Oktober wohl mit rund 1.000 Beamten im Einsatz sein, berichtet Martin Plate, Chef der Pressestelle der Polizei. Gegen Stuttgart bestehe das höchste Risiko, dass bei einem Heimspiel des KSC denkbar sei.

„Am vergangenen Sonntag beim Spiel des KSC gegen Nürnberg wurde ja einmal mehr die Konfliktbereitschaft deutlich“, erklärt Plate. Die Beamten hätten auch bei Spielen etwa gegen Kaiserslautern alle Hände voll zu tun, aber zwischen den Fanlagern von VfB und KSC herrsche eben eine noch größere Feindschaft. Es gebe einige, die kämen nur wegen der Brisanz der Partie. „Oberstes Gebot ist für uns die strikte Fantrennung“, sagt Plate.

Aggessiv und geschmacklos

BNN-Informationen zufolge könnten beide Lager eine Begegnung am Durlacher Tor anstreben – sehr wohl auch für Schlägereien. Seit Wochen gibt es in der Sache Gespräche zwischen der Polizei, der Fanbetreuung, der Stadt und beiden Vereinen.
Die jetzt aufgetauchten Hetz-Plakate sind nach Einschätzung Plates Dokument einer hohen Eskalationsstufe. „Das ist aggressiv und geschmacklos“, urteilt er. Ordnungsamtschef Weiße spricht von einem falschen Zeichen: „Wir wollen ja gerade die Deeskalation.“

Hier finden sich Informationen zum Ticketverkauf für das Derby.