Renter
Optimistisch blickt Reinhard Renter in die Zukunft. Seit Donnerstag ist er Vizepräsident des Polizeipräsidiums Offenburg.

Interview mit Reinhard Renter

„Ich bin wachsamer geworden“

Anonyme Anzeigen und langwierige Ermittlungen, Fehler im Auswahlverfahren des Innenministeriums und polizeiinterne Querelen: Fast drei Jahre hat es gedauert, bis die Stelle des Vizepräsidenten im Polizeipräsidium Offenburg besetzt war. Seit Donnerstag ist Reinhard Renter offiziell Inhaber des Amtes. Renter hätte schon 2014 Polizeipräsident in Karlsruhe werden sollen. Nun kehrt der 59-jährige wieder an jenen Arbeitsplatz zurück, an dem er von 2005 bis 2014 Ortenauer Polizeichef war. Im Interview spricht Renter über die vergangenen drei Jahre – und blickt in die Zukunft

Herr Renter, willkommen zurück in Offenburg. Wie geht es Ihnen, zurück im alten „Revier“?

Renter: Ich empfinde Freude, ich empfinde Heimat, und der Empfang am Donnerstag war so herzlich und offen, dass ich mich richtig wohlfühle. Wenn man auf die vergangenen knapp drei Jahre zurückblickt, dann kann ich sagen: Es war keine einfach Zeit für mich, und auch keine einfache Zeit für meine Familie. Was ich schätzen gelernt habe, das ist aber die Stärke von Familie und die Stärke von Freunden.

Drei Mal gab es aus dem Kollegenkreis anonyme Anzeigen gegen Sie bei der Generalstaatsanwaltschaft. Haben Sie schon eine Erklärung dafür gefunden?

Renter: Eine Erklärung in dem Sinn gibt es nicht. Es wollte mir jemand schaden. Derjenige weiß natürlich: Wenn Ermittlungen eingeleitet werden, dann werden diese auch im Sinne des Rechtsstaatsprinzips geführt. Und Derjenige weiß auch, dass man als Polizeibeamter in seinem beruflichen Weitergehen zunächst einmal gestoppt wird.

Gehen Sie mit Ihrem Amt deshalb jetzt anders um als vor ein paar Jahren? Werden Sie ihr Verhalten

Renter: Nein. Ich will authentisch sein. Renter bleibt Renter. Aber ich bin wachsamer geworden.

Lassen Sie uns nach vorne blicken: Sie sind seit Donnerstag offiziell im Amt und sogleich als Stellvertreter des längerfristig erkrankten Polizeipräsident Michael Gehri gefordert. Wo sehen Sie Ihre ersten Herausforderungen?

Renter: Ich werde die Aufgaben des Präsidenten hier im Sinne von Herrn Gehri wahrnehmen, um unser Präsidium weiterzubringen. Ich habe ihn besucht und wir haben ähnliche Vorstellungen darüber, wie ein solches Präsidium geführt werden sollte.

Sie haben selbst maßgeblich an der Polizeireform mitgewirkt. Inzwischen gibt es Kritik, etwa an den doch zu großen Zuschnitten und Standorten, aber auch an Neuerungen wie einem Kriminaldauerdienst, in dem Beamte tatenlos nächtelang in Bereitschaft gehalten werden. Muss nachjustiert werden?

Renter: Meine Aufgabe in der Polizeireform war nicht maßgeblich, sondern das Polizeipräsidium Karlsruhe aufzubauen. Das habe ich gemacht und das Präsidium auch einen Monat geführt. Dann bin ich ins Innenministerium abgeordnet worden und habe zwei große Projekte umgesetzt: Es ging um zentrale Zeitwirtschaft und um Dienstposten-Bewertung. Ich bin natürlich dadurch noch etwas außerhalb der Interna eines Präsidiums und kann noch nicht viel dazu sagen. Was ich aber sagen kann: Ich weiß, dass die Beamten des Kriminaldauerdienstes beim Polizeipräsidium Offenburg nicht tatenlos rumsitzen. Wir haben alle viel zu tun.

Aber Sie stimmen vielleicht zu, dass es mit der Ortskenntnis nicht weit her ist, wenn ein in Rastatt kundiger Kollege plötzlich in Offenburg Dienst schiebt – das merken auch wir bei der Presse.

Renter: Im administrativen Bereich muss ich ja nun nicht die Ortskenntnis von Ettenheim im Süden oder Durmersheim im Norden mitbringen. Dafür gibt es die Ebene vor Ort. Durch die Polizeireform gab es einen großen personellen Wechsel und damit natürlich auch einige Anpassungsprobleme. Aber die verschwinden mit der Zeit.

Ziel der Reform war, mehr Beamte auf die Straße zu bringen. Ist das gelungen?

Renter: Die zwei Stellen pro Revier wurden umgesetzt – landesweit. Aber Reviere leben, sie haben keine konstante Personalstärke. Das schwankt durch Zu- und Wegversetzungen, aber auch durch Krankheitszeiten, Schwangerschaften und nicht zuletzt durch Abordnungen, wie aktuell durch die Vorbereitungen des Finanzgipfels nächstes Jahr in Baden-Baden. Dadurch sind die zwei Stellen zusätzlich nicht sofort augenfällig – aber sie sind dort. Und das war das Ziel.

Bleiben wir auf der Straße: Die Gewalt gegen die Polizei wächst kontinuierlich, der Respekt wird geringer. Selbst die Staatsanwaltschaft hat inzwischen eine härtere Gangart angekündigt. Das scheint aggressive Täter wenig zu schrecken…

Renter: Die steigenden Zahlen der Gewalt gegen Polizeibeamte sind auch hier vorhanden, ebenso der sinkende Respekt. Ich selbst befürworte das konsequente Vorgehen der Justiz. Aber man kann natürlich aufgrund der kurzen Zeit über eine Wirkung noch nichts sagen.

Sie sind jetzt 59 Jahre alt, könnten in einigen Monaten in Pension gehen. Wie sieht Ihre Zukunftsplanung aus?

Renter: Ich arbeite auf jeden Fall bis 63 und freue mich darauf. Was die Zukunft noch bringt, werden wir sehen.