Grünzug oder Gewerbefläche? Auf dem ehemaligen Acherner Standortübungsplatz will die Edeka ein neues Zentrallager bauen
Grünzug oder Gewerbefläche? Auf dem ehemaligen Acherner Standortübungsplatz will die Edeka ein neues Zentrallager bauen | Foto: Roland Spether

Stadt Achern will Edeka-Invest retten

„Inakzeptable Einschränkung“

Offenbar noch nicht beendet ist die Diskussion um die Ansiedlung eines Zentrallagers der Edeka auf dem Standortübungsplatz in Achern. Die Stadtverwaltung hat für die Sitzung des Bau- und Umweltausschusses am kommenden Montag eine umfangreiche Vorlage erarbeitet, in der die Forderung erneuert wird, die rund 38 Hektar große Fläche des ehemaligen Standortübungsplatzes in Achern nicht in den neu geplanten Regionalen Grünzug in den Regionalplan aufzunehmen und auch nicht als Vorranggebiet für Naturschutz und Landschaftspflege auszuweisen. In die gleiche Richtung zielt ein von den Geschäftsführern Rainer Huber und Rudolf Matkovic unterzeichnetes Schreiben der Edeka Handelsgesellschaft Südwest an die Mitglieder des Regionalverbands.
Am 17. März hatte der Planungsausschuss des Regionalverbands die Forderung der Stadt Achern zurückgewiesen und damit die Pläne der Edeka zunächst durchkreuzt, in Achern ein neues Zentrallager mit mehr als 1 000 Arbeitsplätzen zu schaffen. Nun will die Stadt im Rahmen der zweiten Offenlage zum aktuellen Entwurf der Gesamtfortschreibung des Regionalplans erneut Stellung nehmen: Wie es in der Vorlage heißt, stellen die beiden raumordnerischen Restriktionen „eine gravierende und letztlich inakzeptable Einschränkung der städtebaulichen Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt Achern dar“. Zu berücksichtigen sei auch das Schreiben der Edeka-Geschäftsführer, die erneut klargestellt haben, dass die Entscheidung des Planungsausschusses zu einer Verlagerung von bis zu 1 200 Arbeitsplätzen aus der Region führen kann.
Oberbürgermeister Klaus Muttach, der sich in Sachen Edeka heftiger Kritik seiner Offenburger Amtskollegin und Parteifreundin Edith Schreiner ausgesetzt sah, weil diese um den Edeka-Standort Offenburg fürchtet, freute sich gestern in einer Pressemitteilung über die seitens der Edeka-Geschäftsführung erfolgte Klarstellung, dass die „in die Welt gesetzte Legende“, Achern habe Edeka von Offenburg „abwerben“ wollen, jeder Grundlage entbehre. Darüber hätten diese auch die immer wieder von der Stadt Achern dargelegte Aussage bestätigt, dass es bei der Investition der Edeka keine Konkurrenzsituation zwischen Offenburg und Achern gibt. „Edeka“, so Muttach, „serviert der Raumschaft auf dem Silbertablett den Erhalt beziehungsweise die zusätzliche Schaffung von 1 200 bis 1 400 Arbeitsplätzen“. Das Unternehmen habe dazu ausdrücklich erklärt, dass die Arbeitsplätze deutlich nördlich vom Ortenaukreis entstehen, wenn die Ansiedlung in Achern verhindert wird. Diese Gefahr hätten auch die betroffenen Arbeitnehmer „längst“ erkannt und eine Unterschriftenaktion gestartet hätten. „Ausgerechnet ein Teil der Regionalräte, von denen viele auch als Oberbürgermeister, Bürgermeister oder auch Aufsichtsratsmitglied in der Wirtschaftsregion Ortenau Verantwortung für Arbeitsplätze tragen, werden jetzt zum Arbeitsplatzrisiko für die Menschen in ihren Kommunen“, warnt Acherns Oberbürgermeister.
Bei der Berücksichtigung des Masterplans für ein großes Unternehmen in Achern habe der Regionalverband bewiesen, dass man zu verantwortbaren und guten Lösungen im Sinne einer angemessenen Abwägung zwischen Ökologie und Ökonomie kommen könne, so Muttach. Deshalb sei es unverständlich, wenn ein für eine Ansiedlung des Edeka-Zentrallagers ins Auge gefasstes Grundstück von vornherein einer Prüfung durch die Verantwortlichen der Stadt entzogen wird, indem ein regionaler Grünzug und eine Vorrangfläche für Naturschutz hier neu festgesetzt wird. Die Verantwortlichen der Stadt wünschen sich, im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung und unter Beteiligung der Fachbehörden und Verbänden selbst eine Abwägung zwischen den Belangen des Naturschutzes und der Schaffung einer großen Zahl von Arbeitsplätzen vornehmen zu können. Die Stadt sei bereit, die Investitionsanfrage von Edeka verantwortungsbewusst und konstruktiv im Interesse der Beschäftigten zu prüfen: „Verhinderungsstrategien und Kirchturmdenken sind bei dieser wichtigen Thematik wirklich fehl am Platz“.