Eine der schönsten Trafostationen findet man in der Daxlander Straße in Karlsruhe, gebaut 1902.
Eine der schönsten Trafostationen findet man in der Daxlander Straße in Karlsruhe, gebaut 1902. | Foto: Illo-Frank Primus

Dicker Bildband

125 Jahre Trafostationen in Deutschland

Türme haben Menschen schon immer fasziniert“, sagt Illo-Frank Primus. Kein Wunder also, dass es zahlreiche reich bebilderte Bücher über Wassertürme, Leuchttürme, Kirchtürme oder Fördertürme gibt. „Nur über Trafostationen gab es keinen vergleichbaren Bildband“, wunderte sich der promovierte Maschinenbau-Ingenieur aus Pfinztal-Berghausen. Als dem ehemaligen Geschäftsführer eines Trafostationen-Herstellers dann ein „Büchlein“ von Michael Neumann („Zwischen Kraftwerk und Steckdose“) mit über 100 Schwarzweiß-Fotos in die Hände fiel, war sein Ehrgeiz geweckt. Er wollte ein umfassendes Werk über das Kulturgut Trafostation und die einzigartige Vielfalt an Ausführungsformen herausbringen – und das ist ihm mit viel Liebe zur Technik und zum Detail gelungen.

Bildband über Trafostationen

Der farbige Bildband präsentiert – 125 Jahre nach Inbetriebnahme der weltweit ersten Trafostation im württembergischen Lauffen – Trafotürme in ganz Deutschland. Er spiegelt Epochen und Baustile dieser besonderen Kleinarchitektur wider. Die Geschichte der Trafostationen wird von den Anfängen bis zur Gegenwart erzählt. Zusätzlich enthält das Werk eine Liste aller von Landesdenkmalämtern erfassten Trafostationsstandorte, eine Zeittafel und das bislang wohl umfangreichste Literaturverzeichnis zu diesem Thema. Mit seinen 456 Seiten und 377 Farbbildern stellt das Werk ein umfassendes und anschauliches Kompendium dar.

Nicht schön, aber zweckdienlich: Trafostation in Karlsruhe-Neureut.
Nicht schön, aber zweckdienlich: Trafostation in Karlsruhe-Neureut. | Foto: Illo-Frank Primus

Im ersten Bildteil finden sich Stationen der ersten Generation von 1891 bis 1944, im zweiten Teil Stationen nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart. Danach werden Verschönerungskonzepte der oft eintönigen neuzeitlichen Gebäude vorgestellt (zum Beispiel durch Graffiti). Den Abschluss bilden interessante Strategien zur Erhaltung und Umnutzung von sehenswerten Trafostationen inklusive einer Übersicht der Stationen, die jetzt als Museum dienen.

Am Anfang Argwohn

Wurden die Trafostationen als sichtbares Zeichen der Elektrifizierung Anfang des 20. Jahrhunderts von vielen noch argwöhnisch beäugt, war fortschrittlichen Zeitgenossen dennoch schnell klar, dass sich der Einsatz von elektrischem Strom langfristig bald auszahlen würde. Und mit der Popularität der Elektrizität wurden nach und nach immer mehr Trafostationen nötig.
In der Öffentlichkeit fristen Trafostationen nach wie vor ein Mauerblümchen-Dasein. Ihre Existenz wird von den meisten ebenso wenig wahrgenommen wie ihr Verschwinden. Dies zu ändern, war eines der Anliegen von Primus. Es macht Spaß, seinen fulminanten Bildband durchzublättern – selbst dann, wenn man von Elektrotechnik keine Ahnung hat.

 

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