Florian Wittman
Faible für Feuchtgebiete: Florian Wittman ist der neue Leiter des Aueninstitus in Rastatt. | Foto: Collet

Wittmann wird neuer Leiter

Rastatter Aueninstitut soll internationaler werden

Über zwei Jahre war der Chef-Sessel vakant, zum 1. September hat der neue Leiter des früheren WWF-Aueninstituts – heute das Institut für Geographie und Geoökologie beim Karlsruher Institut für Technologie – Florian Wittmann, nun seine Stelle angetreten. Für den Nachfolger von Emil Dister, der vor zwei Jahren in Ruhestand ging, sind das ein paar „Institute“ im sperrigen Namen zu viel: Gerne würde er die Einrichtung in „Institut für Feuchtgebietforschung“ umbenennen. Mit der namentlichen Umbenennung geht auch eine inhaltliche Neuausrichtung einher, mit der sich das Institut internationaler aufstellen will.

Praxiswissen soll in Grundlagenforschung fließen

Mit den bisherigen anwendungsorientierten Forschungsprojekten – am Oberrhein, im rumänischen Donaudelta, an der Loire oder bei der Deichrückverlegung an der Elbe – sieht Wittmann gute Ausgangsbedingungen für die zukünftige Grundlagenforschung im Bereich Feuchtgebiete. Feuchtgebiete sind für den 47-Jährigen aber nicht nur Auengebiete, sondern auch Moore, Küsten- oder Flusslandschaften, deren Rolle im Ökosystem die Gesellschaft nach wie vor unterschätze. Florian Wittmann verweist im BNN-Gespräch auf deren Artenreichtum, das Reinigungspotenzial von Pflanzen für Haus- und Industrieschlämme wie auf den Wert als Naherholungsgebiet. „Das empfindliche Ökosystem ist extrem anfällig für Störungen“, so der Institutsleiter, der in den Rheinauen ein Forschungsprojekt zur Vegetationsdynamik und der Wirkung von Kohlenstoffen plant. Weitere Projekte in Frankreich, auf der iberischen Halbinsel, in Rumänien oder Brasilien werden von den 20 Mitarbeitern bearbeitet oder sind beantragt.

20 Jahre Forschung in Brasilien

Auf dem südamerikanischen Kontinent hat Florian Wittmann die vergangenen 20 Jahre geforscht, zunächst als Stipendiat zu den Überschwemmungswäldern des Amazonas, später im Rahmen eines deutsch-brasilianischen Forschungsprojekts zur Biosphäre im Regenwald und deren Reaktion auf die globale Erderwärmung. Zehn Jahre hat er auch in Brasilien gelebt: „Da ist es eigentlich immer heiß – mal mit und mal ohne Regen“, scherzt er im Pressegespräch, während ihn eine Erkältung plagt – dass Klima am Oberrhein ist dann doch noch ungewohnt. Im Juli ist er aus dem brasilianischen Manaus nach Deutschland gekommen. Mittlerweile lebt er mit der Familie, seine brasilianische Frau ist promovierte Botanikerin und den zwei Kindern, in Gaggenau-Selbach. Zwischenzeitlich ist auch der Übersee-Container eingetroffen.
Damit steht der offiziellen Amtseinführung am Donnerstag, 29. September, im WWF-Aueninstitut bei der Übergabe des Wolfgang-Staab-Naturschutzpreises an Klaus Markgraf-Maué nichts mehr im Wege.

Institut bleibt auch in Zukunft in Rastatt

Auch der Verbleib des Aueninstituts in Rastatt ist für die Zukunft gesichert. Ende des Jahres wollen die star.Energiewerke die städtische Immobilie übernehmen und den Forschern zur Verfügung stellen. Im Gegenzug sollen dann auch öffentliche Vorträge in dem Hörsaal des Instituts am Gewerbekanal stattfinden können.