Klaus Michael Baur über die Zukunft der Tageszeitung
BNN-Verleger Klaus Michael Baur im Gespräch mit Ullrich Eidenmüller (links). | Foto: jodo

BNN-Verleger Baur im Gespräch

Bekenntnis zu Qualitätsjournalismus

Aus den wenigsten Schlagzeugern wird wahrscheinlich ein Zeitungsverleger. Schließlich gibt es viel mehr Bands als Zeitungen. Aber wenn es wirklich mal so kommt, haben die Dinge miteinander zu tun. Ein Schlagzeuger gibt den Takt vor, gibt seiner Band Orientierung und Halt, auch wenn der Wind mal von vorne kommt. Eigentlich wie ein Verleger. Er gibt seiner Zeitung Orientierung und Takt wie Tempo vor, hält Kurs auch in Umbruchzeiten. Und dass Tageszeitungen, gerade auch die BNN, im Umbruch sind, wer mag es bezweifeln. BNN-Verleger Klaus Michael Baur war in den 70er Jahren Schlagzeuger der regional bekannten Karlsruher Band „It’s Time“, wie er dem Publikum in der „Hemingway Lounge“ auf die Auftaktfrage von Ullrich Eidenmüller verrät. Wer in die fast schon familiäre Gesprächsrunde Eidenmüllers in die Lounge in der Weststadt geladen wird, weiß, es geht nicht nur um Fakten und Zahlen. Hier geht es auch um den Menschen.

Der Weg in den BNN

Deshalb dreht sich das Gespräch zunächst um die Vita Baurs, um seinen Weg in den BNN von 1979 an über die klassischen Stationen Redaktionsvolontariat, Redakteur und Ressortleiter bis heute zum Verleger, Chefredakteur und Herausgeber der Badischen Neuesten Nachrichten. Und es geht um die Musik, zu der Baur – siehe die Leidenschaft fürs Schlagzeug – eine intensive und auch familiär geprägte Bindung hat. So hat der BNN-Verleger gleich eine Musikauswahl mitgebracht, von den Beatles mit ihrem legendären weißen Album, Phil Collins mit seinem Karriereaufbruch „Face Value“, Adele und Ed Sheeran, dann aber auch Klassisches mit Jonas Kaufmann, um nur mal einiges zu nennen. Allerdings werden die Titel nur angespielt, sonst wären weder Eidenmüller noch Baur zu Wort gekommen. Der Ton Eidenmüllers ist locker, es kommt natürlich die Frage nach der mutmaßlichen „Kronprinzenrolle“ für den Adoptivsohn des 2015 verstorbenen BNN-Verlegers Hans Wilhelm Baur. „Da war keine Rede vom Kronprinz“ erinnert sich Baur an seine Redakteursjahre und deshalb sei sein Prinzip immer gewesen: „Ich strenge mich an, ich hänge mich rein“. Und schon ist man mitten drin in der Debatte, was die BNN unter der Ägide Baurs ausmachen, wie sie sich nun dem digitalen Wandel und der Zukunft stellt.

Ich bin keiner, der jammert

Hier gibt Anwalt Eidenmüller den Advocatus Diaboli, sieht das Ende der klassischen Printmedien gekommen. Baur kontert: „Ich bin keiner, der jammert, wir sollten die Chancen nutzen“ . Die Inhalte würden immer wichtiger, so Baur. Gedruckte Zeitungen müssten Hintergrund bieten, eben Qualitätsjournalismus, mit gut ausgebildeten und ausgestatteten Redaktionen. In der Tat hat sich die Taktzahl bei den BNN in den vergangenen Monaten massiv erhöht, um im Bild der Musik zu bleiben. Baur schildert den Umbruch, das Stärken der Marke BNN, die Modernisierung von Redaktionen und Geschäftsstellen, das Setzen auf die „Zweigleisigkeit“ von qualitätsvoller Printausgabe und einem modernen digitalen Auftritt. Eidenmüller, der einst selbst als Bürgermeister die Klaviatur der Medien zu bedienen wusste, fragt, was dies etwa für Karlsruhe bedeutet, wie sich eine moderne Lokalzeitung definiert. „Als Zeitung muss man ein Tagesgespräch vor Ort anstoßen, am besten über viele Tage hinweg,“ formuliert der BNN-Verleger. Prompt verweist Eidenmüller auf die zugespitzte Moscheedebatte des vergangenen Sommers. Auch hier die klare Antwort: „Ich bin froh, dass alle großen Interviews in dieser Sache bei uns gelaufen sind“. Jetzt sehe er die Chance, eine echte Zukunftsdebatte über die Moschee zu führen. Allerdings wolle man die Bürger nicht in eine gewisse Richtung lenken. „Jeder darf seine Meinung haben, wir wollen die Dinge von allen Seiten beleuchten,“ so Baurs Credo. Und hier stellt Eidenmüller fest: „In der Tat lief die Debatte in Ihrer Zeitung nicht so aufgeregt wie in den sozialen Medien“. Eine Steilvorlage wiederum für den Verleger und sein Bekenntnis für eine moderne qualitätsorientierte Zeitung: „Das ist doch unsere Chance“.