Nicht nur die Pflanzen wachsen im Garten der Religionen in der Südstadt-Ost. Die Vorsitzende der AG Garten der Religionen für Karlsruhe, Mirja Kon-Thederan, steht hinter einer Stahlwand mit einem ausgestanzten Buddha.
Nicht nur die Pflanzen wachsen im Garten der Religionen in der Südstadt-Ost. Die Vorsitzende der AG Garten der Religionen für Karlsruhe, Mirja Kon-Thederan, steht hinter einer Stahlwand mit einem ausgestanzten Buddha. | Foto: jodo

Einjähriges Bestehen

Garten der Religionen in Karlsruhe – Die Ringparabel als Grünanlage

Im Garten der Religionen in der Südstadt-Ost schlagen nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Inhalte Wurzeln. Am Samstag, 24. September, feiert der Ort der Information, des Austauschs und der Begegnung sein einjähriges Bestehen. Die Arbeitsgemeinschaft (AG) Garten der Religionen für Karlsruhe veranstaltet deshalb ein „Vielfaltsfest der Begegnungen“.

Symbolträchtiges Datum

Der Jahrestag ist ein symbolträchtiges Datum, denn vor 301 Jahren veröffentlichte Stadtgründer Karl Wilhelm den Privilegienbrief, der unter anderem die Religionsfreiheit garantierte. Damit lud der badische Markgraf Menschen verschiedener Herkunft und Konfessionen ein, sich in der Stadt anzusiedeln. Das entspricht einem Ziel des Gartens an der Ecke Stuttgarter-/Marie-Juchacz-Straße, der im vergangenen Jahr regen Zuspruch fand – die Begegnung und der Austausch von Menschen verschiedener Kulturen: „Es ist ein belebter, kein toter Ort. Hier begegnen sich Menschen verschiedener Kulturen“, sagt die AG-Vorsitzende Mirja Kon-Thederan: „Der Hauptzweck des Gartens ist, unser aller Kompetenzen zu erweitern und mit Dingen, die uns fremd sind, umzugehen.“ Denn Wissen verringere Berührungsängste.

Manche Menschen besuchen den Garten einfach so. Ein anderer Weg sind die Gruppenführungen, die den Garten näher bringen und versuchen zu erklären. „Das kann ein Betriebsausflug, eine Kirchengruppe oder auch eine Gruppe muslimischer Frauen sein“, meint Kon-Thederan. Auch Kinder seien ab und an im Garten und spielen beispielsweise Verstecken. Ein Blick über die Gartenfläche zeigt, dass sich der Garten bislang prächtig entwickelt: Der Lavendel geht in die Breite, und wird zu dieser Jahreszeit wild von der blühenden weißen Gaura überwuchert. Die Wände aus Baustahl beginnen zu oxidieren und nehmen langsam einen warmen orange-farbenen Ton an.

Literarische Deutungen

Die Anlage erinnert an die Ringparabel, die in Giovanni Boccaccios „Dekamerone“ oder in „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing berühmt wurde. Das ist freilich nur einer von vielen Interpretationsansätzen des Gartens. Die Kreise im Garten stehen für den Buddhismus, das Christentum, den Hinduismus, den Islam und das Judentum. Die Bahai-Religion und die Freireligiöse Gemeinde sind mit Stelen vertreten.

Alle Kreise sind mit Wegen verbunden und treffen sich in der Mitte, in der fünf Zierapfelbäume stehen. „Die fünf Bäume korrespondieren nicht mit den fünf Weltreligionen. Wir würden gerne mehr Bäume pflanzen“, erklärt Kon-Thederan, die diese Frage öfter beantworten muss. Generell stellen die Menschen immer die gleichen Fragen. Deshalb bringt die AG nun eine Infobroschüre heraus, die man am Garten erhalten kann, um sich spezielleren Fragen widmen zu können.
Probleme hat es bislang keine gegeben. Anfänglich hatte man Angst wegen Vandalismus. „Das ist für uns glücklicherweise kein Thema, es wurde nichts zerstört oder mit Graffiti bemalt“, sagt die Vorsitzende. Am Festtag werden Mitglieder der AG Garten der Religionen Karlsruhe kenntlich als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Das Fest-Programm

Zum Programm gehören gesungene und instrumental gespielte buddhistische Mantras, Sufi-Musik und eine indische Tanzgruppe. Ferner sollen Führungen stattfinden. Parallel dazu kann das schon kundige Publikum laut Kon-Thederan mit der Actionbound-App eine digitale Schnitzeljagd spielen. Das Vielfalts-Fest beginnt um 14 und endet um 18 Uhr. Die Veranstaltung ist kostenlos.