Das ZKM ist Schauplatz des  CODE_n new.New Festvials. Vom 20. bis 22. September kommen Start-ups, Branchengröße und Insider der Szene in die ehemalige Munitionsfabrik.
Das ZKM ist Schauplatz des CODE_n new.New Festvials. Vom 20. bis 22. September kommen Start-ups, Branchengröße und Insider der Szene in die ehemalige Munitionsfabrik. | Foto: ZKM/Deck

CODE_n im ZKM

Karlsruhe und das Innovationsfestival ergänzen sich bestens

Karlsruhe eine IT-Hochburg, ein El Dorado für Start-ups? Die Antwort lautet definitiv: Ja. Einst als eher behäbige Beamtenstadt, als Metropole mit einem barocken Image wahrgenommen, gelten Karlsruhe und die Region heute mit über 4200 wichtigen IT-Unternehmen als viertgrößtes IT-Cluster in Europa.

Wenn vom 20. bis 22. September das CODE_n new.New Festival im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medien zu Gast ist, schaut die globalisierte und vernetzte Start-up-Szene auf die Fächerstadt. Karlsruhe wird zum Treffpunkt der digitalen Industrie. Dieser Fokus mag zunächst ungewohnt sein – denn die Karlsruhers IT-Szene drängt sich nicht permanent ins Scheinwerferlicht. Unaufgeregt und professionell wurde gearbeitet, zumeist im Business-to-Business-Bereich, ohne die glitzernden Aufhängerthemen, die für die Öffentlichkeit von Interesse sein könnten. Dabei ist fällt auf: CODE_n und Karlsruhe ergänzen sich optimal.

Es wird an digitalen Lösungen zur vernetzten und integrierten Kommunikation zwischen Menschen, Maschinen sowie an der Interaktion und den Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine gearbeitet. Auch an der Verarbeitung von Daten in Lichtgeschwindigkeit. Denn alles ist mittlerweile in Datensätzen erfassbar: Dinge, Bilder, Töne, Worte und Menschen. „Dadurch wird die Kommunikation immens leichter“, sagt auch ZKM-Vorstand Professor Peter Weibel als Gastgeber für das new.New Festival.

Abseits des Publikumsfokus hat sich in Karlsruhe ein digitales Ökosystem entwickelt, das in seiner Größe und Vernetzung in Europa seinesgleichen sucht. Die Fächerstadt ist längst ein IT-Standort, der sich auf dem Kontinent einen Namen gemacht hat.

Die Gründe für diesen Erfolg sind vielfältig. Einen wesentlichen Anteil hat die Informatikfakultät des KIT beigetragen, damals noch Universität Karlsruhe. Sie hatte bereits einen ausgezeichneten Ruf, bevor das Internet durch das World Wide Web massentauglich wurde. Einige der Abgänger gründeten Unternehmen in der Stadt, die  sich heute als Global Player im Markt bewegen. Und auch heute werden Absolventen des KIT von innovativen Firmen weltweit umworben. Ähnlich geht es Abgängern der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft, eine der größten Fachhochschulen im Südwesten und bei Rankings der technischen Fächer stetig in den Spitzenpositionen. Tatsächlich ist es so, dass die hohe Qualifikation der Absolventen von Karlsruher Hochschulen für viele IT-Unternehmen ein entscheidender Standortfaktor ist.

Mit dem ZKM, das 1989 gegründet wurde, betrat eine Institution in Karlsruhe die Bühne, die gänzlich neue Wege beschritt, in dem es Medien und Kunst zusammenführte. Es erweiterte den Begriff Medientechnologie und überwindet bis heute die Grenzen zwischen Kunst und IT. Von der Londoner Tageszeitung „Independent“ wurde es auf Platz drei der 50 besten Museen für darstellende Kunst in Europa gehoben -– noch vor dem L‘ouvre auf Platz elf. Es ist nicht von ungefähr der Ort, an dem das erste CODE_n new.New Festival stattfindet.

Weitere Akteure kamen hinzu – so 1997 das Cyberforum, das sich bis heute zum größten regionalen Hightech-Netzwerk Europas entwickelt hat, mit aktuell über 1000 Mitgliedern. Heute, knapp 20 Jahre nach der Gründung, ist das Cluster unverzichtbarer Bestandteil der Karlsruher IKT-Branche. Das Cyberforum stellt für viele junge Unternehmer nicht nur die Kontakte zu Mediatoren und Business Angels her, es bietet eine ideale Infrastruktur und liefert jederzeit wichtige Ratschläge – gerade für die schwierigen ersten Monate eines jungen Unternehmens und darüber hinaus.

Im Perfekt Futur auf dem Alten Schlachthof-Gelände finden Start-ups in ausgebauten Seecontainern beste Voraussetzungen für die Anfangsphase.
Im Perfekt Futur auf dem Alten Schlachthof-Gelände finden Start-ups in ausgebauten Seecontainern beste Voraussetzungen für die Anfangsphase. | Foto: Holger Keller

Für sich losgelöst hätten all diese Initiativen nur begrenzte Wirkung, aber im Zusammenspiel mit der städtischen Wirtschaftsförderung und den zahlreichen Initiativen der Industrie- und Handelskammer sowie mit der Kreativszene auf dem Gelände des Alten Schlachthofs floriert der digitale Kosmos der Stadt. Konzentriert in einer mittleren Großstadt mit kurzen Wegen und attraktiven Lebensbedingungen – eingebettet in eine Region Deutschlands, die von jeher durch ihre wirtschaftliche Stärke reizvoll für Arbeitnehmer ist, wo sich Großkonzerne und Zulieferer der mächtigen Autoindustrie niedergelassen haben. Es sind genau jene Unternehmen, für die die Start-ups ihre Produkte zuschneiden.

Das Innovationsfestival  von CODE_n trägt maßgeblich dazu bei, diese Vernetzung weiter voranzutreiben und rückt die Region ins Licht der breiten Öffentlichkeit. Karlsruhe weckt Lust auf Neues und gestaltet damit erneut die digitale Zukunft. Und dieses Mal darf auch ruhig ein bisschen lauter getrommelt werden.