Grünes Paradies in der Südstadt: Die Eigentümergemeinschaft hat in Eigenregie eine Wohlfühloase geschaffen, rücksichtslose Mitbürger auf dem öffentlichen Durchgangsweg schert das allerdings wenig – Lärm und Müll machen den Bewohnern zu schaffen.
Grünes Paradies in der Südstadt: Die Eigentümergemeinschaft hat in Eigenregie eine Wohlfühloase geschaffen, rücksichtslose Mitbürger auf dem öffentlichen Durchgangsweg schert das allerdings wenig – Lärm und Müll machen den Bewohnern zu schaffen. | Foto: jodo

Ärger in der Südstadt

Nicht alles grün im Hinterhof

Mehr Natur in Karlsruhe fördert die urbane Lebensqualität und steigert dazu die Attraktivität. Das ist über alle politische Lager hinweg Konsens. Die Bürger werden sogar von der städtischen Ökopolitik unter dem Motto „Grüne Stadt“ dazu aufgefordert, mit vielen Projekten Plätze, Straßen und Höfe eigenverantwortlich grün aufzuwerten. Was passiert aber, wenn das Engagement einzelner mit den Füßen vieler getreten wird? Der Traum einer grünen Wohlfühloase in der Stadt wird so ganz schnell zum Alptraum:

Eine zehnköpfige Eigentümergemeinschaft in der Rüppurrer Straße 18 hat vor 15 Jahren in der Südstadt einen grauen, zubetonierten Hinterhof in einen „grünen Rückzugsort“ verwandelt. „Unser Glück endete, als die Stadt im Zusammenhang mit der Neubebauung des ehemaligen Steffelin-Geländes im Jahr 2005 einen öffentlichen Weg durch unseren Hof eingerichtet hat“, sagt Eigentümer Peter Cerny.

Schockiert und enttäuscht über die Mitbürger

Seitdem schwankt sein Bild von den Karlsruher Mitbürger zwischen schockierend und sehr enttäuschend. „Pflanzen werden beschädigt, der weiße Kalksplitt wird durch Radfahrer im Gras verteilt und Hunde sch… überall hin“, erzählt Cerny. Silke Hinterkopf, eine Nachbarin, weiß sogar von menschlichem Kot vor ihrer Haustür zu berichten. „Da ist es halt schön abgelegen und es stört einen niemand beim Geschäft“, meint die Frau mit einer ordentlichen Portion Galgenhumor. Dass der öffentliche Durchgangsweg kommt, war der Eigentümergemeinschaft schon beim Kauf ihrer Grundstücke und Häuser klar: „Wir haben dafür finanzielle Zuschüsse und günstigere Abschreibungen von der Stadt erhalten“, erklärt Cerny. Auch juristisch gebe es an den geschlossenen Verträgen nichts zu rütteln. Allerdings ist laut Cerny zu Beginn weder aus städtischer noch von seiner Sicht aus absehbar gewesen, welches Klientel sich durch den öffentlichen Hinterhof bewegt.

„Die Begebenheiten haben sich geändert“, gibt er zu bedenken. Seine Nachbarin Dagmar Hagenthurn ergänzt: „Wir bezahlen die Grundsteuer und pflegen auf eigene Kosten unseren Hinterhof.“ Vandalismus, finstere Gestalten, Gruppentreffen am nahe gelegenen Spielplatz und der Lärm sowie Müll, vor allem am Wochenende, sei nicht die Art von Anerkennung, die man sich wünsche. „Das persönliche Wohl- und Sicherheitsbefinden leidet darunter enorm“, fügt Hinterkopf hinzu. Zwei Einbrüche und einen Einbruchsversuch hat es auch schon gegeben. Die Eigentümergemeinschaft hat sich deshalb mehrmals schriftlich seit November 2015 an Bürgermeister Michael Obert gewandt und die Schließung des „unnötigen Durchgangs“ gefordert.

Der Dezernent hat kein Verständnis für dieses Anliegen und hält an den geschlossenen Verträgen fest: „Wir können nicht einfach einen öffentlichen in einen privaten Bereich umwidmen, nur weil es technisch möglich ist. Das wäre bürgerfeindlich“, erklärt Obert auf Nachfrage den BNN. Das sei in etwa so, als würden Anwohner des Werderplatzes dessen Schließung fordern. Hinzu kommt, dass der Umbau und die Schaffung des öffentlichen Durchgangs im Zusammenhang mit dem Sanierungsgebiet Südstadt erfolgte.

Durchgang ist in der Nacht geschlossen

„Das waren geförderte Sanierungsprojekte“, sagt Obert, der den Ärger persönlich verstehen kann, weil er in einer ähnlichen Lage wohnt. Der Stadt sind die Probleme in der Südstadt bekannt. „Deshalb sind wir gerade dabei zu überlegen, was wir in diesem Bereich unternehmen können“, sagt Obert. Ein Zugeständnis hat die Stadt schon an die Eigentümergemeinschaft gemacht, indem erlaubt wurde, den Durchgang zwischen 22 und 6 Uhr zu schließen. Aber was den Eigentümern besonders sauer aufstößt ist, dass Obert die Nachbarn im 50 Meter weiter entfernten „Apfelhof“, die sich gegen eine Öffnung erfolgreich gewehrt haben, beim Tag der offenen Pforten lobt. Dabei hob Obert die Wichtigkeit der „kleinen Wohlfühloasen“ in dicht besiedelten Gebieten hervor. Im Hinblick auf den „Apfelhof“ meint der Bürgermeister, dass man das nicht eins zu eins mit dieser Situation vergleichen kann, weil man die Einzelheiten nicht kennt.

Bislang kein Dialog mit der Stadt

„Die Südstadt hätte eigentlich schöner werden sollen, davon gemerkt habe ich aber in den vergangenen 15 Jahren nichts“, sagt Cerny resigniert. Man habe eben einen anderen Bezug zu den Dingen, wenn man sie mit eigenen Händen aufgebaut und viel Zeit investiert habe. Die Eigentümergemeinschaft ist auch unzufrieden darüber, dass bislang kein Dialog mit der Stadt zustande kam. „Nur so können wir zusammen Alternativen aufzeigen“, meint Cerny. Der Bürgermeister sagt dazu, dass man bei Bedarf auf die Eigentümergemeinschaft zukommen werde.