Gegenwind gab es für die geplanten Windkraftanlagen, die auf Straubenhardter Gemarkung gebaut werden könnten.
Gegenwind gab es für die geplanten Windkraftanlagen, die auf Straubenhardter Gemarkung gebaut werden könnten. | Foto: Helbig

Interview mit Helge Viehweg

„Keine Scheuklappen bei Energiewende“

Helge Viehweg ist seit drei Jahren Bürgermeister von Straubenhardt und hat in dieser Zeit viele große Projekte angepackt. Windkraft, Flüchtlingsunterbringung und der neue Standort für die Feuerwehr sind drei große Themen, die den 38-jährigen Rathauschef auch in den kommenden Jahren beschäftigen werden, wie er im Gespräch mit den BNN-Redakteuren Torsten Ochs und Tassilo Pfitzenmeier bestätigt.

Herr Viehweg, der Gemeinderat hat sich gerade mit den geplanten Windkraftanlagen in Straubenhardt beschäftigt. Wie ist der Stand der Dinge?

Viehweg: Der Flächennutzungsplan steht, wir stellen also die Fläche zur Verfügung und damit haben wird den Planungsauftrag des Landes erfüllt. Der Gemeinderat hat über ein fertiges Paket entschieden. Konkret geht es um eine Konzentrationszone für Windkraft, die etwa 5,6 Prozent unserer Gesamtfläche umfasst. Wir entscheiden allerdings nicht über den Bau der Anlagen; dafür ist das Landratsamt zuständig.

Hat noch einige Projekte im Blick: Der Straubenhardter Bürgermeister Helge Viehweg, der seit 2013 im Amt ist.
Hat noch einige Projekte im Blick: Der Straubenhardter Bürgermeister Helge Viehweg, der seit 2013 im Amt ist. | Foto: Pfitzenmeier

Nun gab es ja viel Gegenwind beim Windkraftthema. Wie sehen Sie das Projekt persönlich?

Viehweg: Ich sehe es pragmatisch. Wir setzen um, was von uns gefordert wird. Man kann dem Gesetzgeber allerdings vorwerfen, dass er die Kommunen auffordert, Fläche für die Anlagen zur Verfügung zu stellen und Kommunen dadurch in Wettlauf bringt – und dass die Wirtschaftlichkeit nicht gesichert ist. Allerdings darf es bei der Energiewende auch keine Scheuklappen geben. Das hört vor der eigenen Haustür nicht auf. Diese Verantwortung haben wir vor Ort angenommen.

In Ihrer Haushaltsrede haben Sie gesagt, Straubenhardt könnte eine energieautarke Gemeinde werden. Wie könnte das verwirklicht werden?

Viehweg: Straubenhardt hat ein Biomasseheizwerk und einen Solarpark. Ich könnte mir vorstellen, dass die Gemeinde einen Mix aus Nahwärme, Sonnen- und Windenergie und Speichertechnologie nutzt und die Nahversorgung CO2-neutraler Wohngebiete ausbaut. Wir überlegen uns auch, ob wir Elektromobil-Tankstellen einrichten.

Das Aufregerthema im Sommer war die marode Ortsdurchfahrt in Conweiler. Wie geht es hier weiter?

Viehweg: Wir haben die Zusage des Landes, dass die Straße 2017 saniert wird. Das soll im Zuge der Kreiselplanung zwischen Schwann und Conweiler gemacht werden – mit einer Abzweigung nach Feldrennach. Die K4547 nach Feldrennach soll danach rückgebaut werden.

Aufreger des Sommers war die marode Ortsdurchfahrt von Conweiler, die im kommenden Jahr saniert werden soll.
Aufreger des Sommers war die marode Ortsdurchfahrt von Conweiler, die im kommenden Jahr saniert werden soll. | Foto: Helbig

Ganz anderes Thema: Wie ist die Gemeinde in der Flüchtlingsarbeit aufgestellt?

Viehweg: Derzeit leben 143 Personen auf alle Ortsteile verteilt in vorläufiger Unterbringung und Anschlussunterbringung. Wir bauen unsere Kapazitäten aus; in Feldrennach wird derzeit ein Gewerbeobjekt für die Anschlussunterbringung umgebaut. Das soll bis Mitte November fertig sein. Künftig wollen sich Straubenhardt und Keltern eine 100-Prozent-Stelle teilen, die sich um Koordinierungsfragen zwischen Ehrenamt, Haupt- und dem Landratsamt kümmert. Die Bewerbungsfrist ist gerade abgelaufen. Jemanden zu finden, ist schwierig im Moment.

Sie haben auch gesagt, Sie sehen in der Zuwanderung ein Chance…

Viehweg: …ja, wenn es gelingt, qualifizierte Leute ins Land zu bekommen und ihnen den Zugang zum Arbeitsmarkt zu vermitteln. Das ist natürlich nicht bei allen der Fall. Allerdings gibt es einige Flüchtlinge hier in Straubenhardt, die inzwischen bei Firmen arbeiten.

Wird es bald eine Stadtbahnverbindung nach Ittersbach geben?

Viehweg: Hier bohren wir ein dickes Brett. Wir haben eine vertiefende Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben im Schulterschluss mit Karlsbad, dem Enzkreis, der AVG und dem Landkreis Karlsruhe. Da sich die große Lösung von Pforzheim nach Karlsruhe als nicht machbar erwiesen hat, wird untersucht, ob die kleine Lösung eine Chance hat und ob sie wirtschaftlich ist – also die kurze Verbindung nach Ittersbach und damit auch der Weg nach Karlsruhe.

 Straubenhardt lässt derzeit mit einer Machbarkeitsstudie prüfen, ob sich die „kleine Lösung“, also die Stadtbahnverbindung nach Ittersbach, wirtschaftlich lohnt.
Straubenhardt lässt derzeit mit einer Machbarkeitsstudie prüfen, ob sich die „kleine Lösung“, also die Stadtbahnverbindung nach Ittersbach, wirtschaftlich lohnt. | Foto: Helbig

Wie geht es weiter bei der Ortskernsanierung in Schwann?

Viehweg: Wir sind ins Landessanierungsprogramm aufgenommen worden, der Gemeinde stehen in den kommenden acht bis zehn Jahren also 900 000 Euro zur Verfügung. Hinzu kommen 600 000 Euro als Zuschuss von der Gemeinde selbst. Es herrscht eine rege Beteiligung von Privatleuten, wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz. Die ersten Maßnahmen laufen schon.

Gibt es in dem Zusammenhang auch Überlegungen zum Dauerthema Verwaltungszentrum, das ja in der Nähe entstehen könnte?

Viehweg: Ich mache mir keine Gedanken um das Verwaltungszentrum, wir haben so viele andere Aufgaben zu bewältigen. Aber mittel- bis langfristig müssen wir das Thema angehen, da die Rathäuser in den Ortsteilen nicht barrierefrei sind. Die Bürger sollen bei so einem großen Projekt dann aber frühzeitig eingebunden werden.