KOA Offenburg
Immer mehr Flüchtlinge betreut die Kommunale Arbeitsförderung Ortenau, auch wenn zuletzt nicht mehr so viele Flüchtlingsfamilien in den Landkreis zogen. | Foto: dpa

Quartalsbilanz bei KOA Ortenau

Arbeitsförderung betreut immer mehr Flüchtlinge

Wärend in den vergangenen Monaten nicht so viele Flüchtlingsfamilien in die Ortenau gezogen, könnte die Kommunale Arbeitsförderung Ortenau (KOA) die niedrigste Zahl an Bedarfsgemeinschaften seit Gründung der Behörde vor knapp zwölf Jahren vermelden. Doch die Zuwanderer schlagen sich zunehmend in der Statistik nieder, wie bei der Quartalsbilanz der KOA deutlich wurde. „1 002 der 8 384 Bedarfsgemeinschaften kommen aus den Hauptflüchtlingsländern“, sagt Amtsleiter Armin Mittelstädt. Weiterhin große Probleme bereite es, junge Flüchtlinge zu überzeugen, eine Ausbildung statt eines Hilfsarbeiterjobs anzustreben.

Gestartet mit 8 000 Bedarfsgemeinschaften

Das Zweite Buch im Sozialgesetzbuch (SGB II) regelt die Förderung von Menschen sowie deren Angehörigen, soweit diese ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenen Mitteln bestreiten können. Im Gegensatz zur Agentur für Arbeit Offenburg, die quasi den ersten Arbeitsmarkt betreut, ist im Ortenaukreis dafür die KOA zuständig. Mit ziemlich genau 8 000 Bedarfsgemeinschaften – Betroffene und ihre Familien – war sie 2005 gestartet, um ein Jahr später, bisheriger Höchststand, bei 9 423 anzukommen. Die Zahl ging im Dezember 2008 auf 7 610 zurück, dem bisherigen Tiefststand. Seit seit Dezember 2012, damals verzeichnete die KOA mit 7 675 Bedarfsgemeinschaften die zweitbeste Zahl, verzeichnet die Behörde einen mehr oder weniger kontinuierlichen Anstieg, der seit September 2015 auffällig ist. Stand nach dem dritten Quartal 2016: 8 384 Bedarfsgemeinschaften.

KOA erwartet 2016 pro Monat 75 Zugänge bei Flüchtlingen

Dieser Zuwachs gegenüber dem Vorjahresquartal um 418 habe nahe liegende Gründe, wie Georg Benz, Sozialdezernent des Ortenaukreises, jetzt betonte: Er liege ausschließlich in der Zuwanderung begründet. Im vergangenen Dezember erhielten 471 Bedarfsgemeinschaften mit Menschen aus den Hauptzugangsländern Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Pakistan und Syrien Gelder von der KOA, dieser Bestand erhöhte sich im dritten Quartal um weitere 531 auf jetzt 1 002. Hätte es nicht einen so starken Zugang an Flüchtlingsfamilien gegeben, so Benz, hätte man bei den Bedarfsgemeinschaften gewiss einen neuen Tiefststand vermelden können. Im Jahresverlauf 2016 erwarte man pro Monat im Schnitt 75 Zugänge bei den Flüchtlingen, für 2017 geht die Behörde sogar von monatlich 80 Zugängen aus. Grund: das deutlich höhere Tempo, welches das Bundesmigrationsamt zuletzt bei der Erledigung von Asylanträgen eingeschlagen hat. Für 2018 rechne man noch mit 25 Zugängen pro Monat. Was bedenklich stimme, so Benz und Mittelstädt unisono: Es sei sehr schwierig, junge Flüchtlinge vom Sinn einer dualen Ausbildung zu überzeugen.

Ende September 268 Personen in Integrations- oder Sprachkursen

Für eine duale Ausbildung, die meist ohne eine längere, gründliche Sprachausbildung nicht auskomme, müsse man sechs bis sieben Jahre ansetzen. Doch ein junger, 20-Jähriger Flüchtling wolle meist schnell Geld verdienen, „um die Familie im Heimatland zu versorgen – oder auch irgendwelche Schlepper“. Immerhin könne man im Ortenaukreis fast allen schulpflichtigen Jugendlichen zwischen 15 und 18 ein Angebot in einer Vorbereitungsklasse machen, in der Hoffnung, dass diese dann danach auch eine Ausbildung anstreben und nicht das schnelle Geld. Ende September hätten sich 268 Personen in Integrations- oder Sprachkursen befunden. In allen KOA-Dienststellen wurde für Zuwanderer eine spezielle Zielgruppenarbeit eingeführt. Einen Erfolg konnte die KOA bereits über das „Zentrum für berufliche Integration von Flüchtlingen“ verbuchen, derzeit werden dort 135 arbeitsmarktnahe Flüchtlinge mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit betreut: Seit März konnten elf Personen aus dem Hartz-IV-Bereich in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden.