Die Uhr der Bühler Stadtpfarrkirche und ihr nächtlicher Schlag sorgen seit Monaten für Diskussionen.
Die Uhr der Bühler Stadtpfarrkirche und ihr nächtlicher Schlag sorgen seit Monaten für Diskussionen. | Foto: Ulrich Coenen

Bühler Kirchturmuhr

Kompromiss soll Glockenstreit beenden

Wenn der Oberbürgermeister Ernest Hemingway zitiert, muss es ernst sein. „Wem die Stunde schlägt“, meinte Hubert Schnurr. Mit einer Pressekonferenz beendete er die Diskussion um den Glockenschlag der Bühler Kirchturmuhr, die die Stadt monatelang beschäftigt hat. (siehe weiteren Bericht)

Start mit dem Angelusläuten

Ganz bewusst hat der Oberbürgermeister das Thema nicht im Gemeinderat, sondern intern in der Runde der Fraktionsvorsitzenden behandelt. Die haben sich nun für einen Kompromiss entschieden. Statt wie bisher ab 22 Uhr wird die Kirchturmuhr in Zukunft erst ab 23 Uhr verstummen. Der Glockenschlag ertönt dann wieder (wie gehabt) ab 7 Uhr am Morgen. „Also mit dem Angelusläuten“, konstatierte der OB. Er sei den Befürwortern des Glockenschlages mit der einstündigen Verlängerung entgegengekommen. „Die meisten sind mit diesem Kompromiss einverstanden, es gibt aber einige wenige Ausnahmen“, meinte Schnurr. Im Januar wird die Uhr umgestellt.

Nicht wichtig genug für Gemeinderat

Der OB betonte, dass er das Thema in Absprache mit den Fraktionschefs ganz bewusst nicht auf die Tagesordnung des Gemeinderates gesetzt habe. „Damit waren letztlich alle einverstanden“, sagte er. Auch die CDU-Fraktionsvorsitzende Margret Burget-Behm habe in dieser Hinsicht ihre Meinung in den vergangenen Wochen revidiert. „Das Thema ist einfach nicht bedeutend genug, um es in einer Ratssitzung zu behandeln“, meinte Schnurr. Die Befürworter des nächtlichen Glockenschlags hätten rund 170 Unterschriften gesammelt. Das seien nicht einmal ein Prozent der Bevölkerung der Kernstadt.

Kein Verständnis für Polemik

Bürgermeister Wolfgang Jokerst nannte ein weiteres Argument gegen die Behandlung im Gemeinderat. „Dann hätten wir eine Entscheidung für die Kirchturmuhren in der gesamten Stadt fällen müssen“, erklärte er. „Das wollen wir ganz bewusst nicht. Wir wollen den Stadtteilen ihre Eigenständigkeit lassen.“
Für die Polemik in der Diskussion, die auch im sozialen Netzwerk Facebook im Internet ausgetragen wurde, hat Hubert Schnurr kein Verständnis. „Es gibt viele Bühler, die mit der aktuellen Lösung gut leben konnten, aber im Gegensatz zu anderen nicht die Öffentlichkeit gesucht haben“, meinte er. „Manche wollten sich mit diesem Thema ganz offensichtlich profilieren. Wenn man sieht, wo die Leute teilweise wohnen, fragt man sich, ob die den Glockenschlag überhaupt hören.“

OB empfiehlt Smartphone

Für die Liebhaber der Kirchturmihr hatte Schnurr einen Tipp. „Die Leute sollen sich den Glockenschlag auf ihr Smartphone spielen und damit nachts ihr Glück finden“, meinte er. Ganz sicher ist sich der OB bei einer Sache: „Die Narren werden das Thema in der nächsten Fastnacht ganz gewiss aufgreifen.“

Initiatorin ist enttäuscht

Die Initiatorin, die mit ihrer Unterschriftenliste für eine Ausweitung des nächtlichen Glockenschlags gekämpft hatte, wurde von Schnurr gestern Morgen telefonisch informiert. Danach zeigte sie sich gegenüber den BNN enttäuscht. Eine Stunde sei kein wirklicher Kompromiss, „sondern ein Nasenwasser“. Unter einem Kompromiss verstehe sie ein Aufeinanderzugehen und die Suche nach einem gemeinsamen Nenner. Sie hatte neben der Stunde am Abend auch darum gebeten, bereits um 6 Uhr, eine Stunde vor dem Angelusläutern, wieder mit dem Glockenschlag zu beginnen. Das sei ihr auch in Aussicht gestellt worden, aber jetzt sei keine Rede mehr davon.

Auch die im September verkündete Bürgerbefragung sie nie zustande gekommen, weshalb ihr Fazit nun laute: „Es gibt in Bühl jetzt einen demotivierten Bürger mehr.“

Angemerkt

Gut so: Die Diskussion um den nächtlichen Glockenschlag vom Bühler Kirchturm ist jetzt vom Tisch. An der zweigeteilten Haltung der Bürger zu diesem Thema wird sich dadurch indes kaum etwas ändern – anders formuliert: Was den einen ein akustisches Manna bleibt, erscheint den anderen weiterhin als Lärmbelästigung.

Die Stadtverwaltung hat das nächtliche Ruhebedürfnis höher gewichtet als den Wunsch, eine Tradition am Leben zu erhalten. Das sollte in der Sache selbst völlig nachvollziehbar sein. Warum es aber vier Monate lang dauerte, bis in einer vergleichsweise unbedeutenden Angelegenheit das Schlusswort gesprochen ist, das ist weit weniger nachvollziehbar, umso mehr als eine abendliche Stunde mehr oder weniger kaum einen Unterschied machen dürfte.