Die Proben laufen: Junge Sängerinnen und Sänger studieren in einer Inszenierung von Regisseur Johannes Schmid am Festspielhaus die Kinderoper „Käpt’n Bone“ ein.
Die Proben laufen: Junge Sängerinnen und Sänger studieren in einer Inszenierung von Regisseur Johannes Schmid am Festspielhaus die Kinderoper „Käpt’n Bone“ ein. | Foto: Karlheinz Fischer

Festspielhaus Baden-Baden

Konzert für Krabbelkinder

Von Karl-Heinz Fischer

„Das Kinderprogramm des Festspielhauses wächst und wächst kontinuierlich seit 18 Jahren“, stellt Intendant Andreas Mölich-Zebhauser bei der Vorstellung des neuen Programms in Baden-Baden fest. Das Programm der neuen Saison sei „bunter, vielfältiger und nachhaltiger“, wobei er unter Nachhaltigkeit zwar auch versteht, dass das Festspielhaus durch das Jugendprogramm viele neue Besucher gewinne, wichtiger aber sei, Kinder an die Musik heranzuführen, sowohl mit selbst gemachter Musik, als auch als gut auf die Musik vorbereitete Zuhörer.

Drei Schwerpunkte

Drei Programmschwerpunkte stehen für diesen Anspruch. Das sind neue Konzertformate wie die bereits ausverkauften beiden Krabbelkonzerte für Kleinkinder am kommenden Sonntag, die Kinderoper „Käpt’n Bone“ nach Motiven von Rossinis Oper „Die Italienerin in Algier“ am 28. und 29. Oktober und ein neues Konzertformat für die Oberstufe. Auch Stars wie die Cellistin Sol Gabetta und die Pianistin Ragna Schirmer wirken dabei mit. Sol Gabetta spielt mit einem Puppenspieler das Programm „Wenn kleine Ohren große Augen machen“ und Ragma Schirmer ist im Oberstufen-Projekt „Konzert für eine taube Seele“ zu erleben.
Die Proben zur Kinderoper „Käpt’n Bone“ sind derzeit voll im Gang.

Regisseur Johannes Schmid, der gerade eine kindgerechte Fassung der „Entführung aus dem Serail“ an der Mailänder Scala inszeniert hat und der neben großen Erfolgen an Opern und Theatern zu den Hoffnungsträgern unter den jungen deutschen Filmregisseuren zählt, erarbeitet das Stück derzeit am Festspielhaus mit jungen Sängerinnen und Sängern, die gerade ihre professionelle Opernkarriere begonnen haben. Bei den Aufführungen wird ein kleines Orchester mit Studenten der Musikhochschule Karlsruhe spielen.

Schüler liegen Haus am Herzen

Besonders die Arbeit mit Grundschülern liegen dem Intendanten und dem Kommunikations-Direktor Rüdiger Beermann am Herzen. Die Politik habe inzwischen zwar erkannt, dass die Grundschule zu wenig für die musikalische Bildung tue, aber bis diese Erkenntnis in der Praxis Früchte trage, sei noch ein langer Weg. Deshalb seien Projekte, wie das vom Festspielhaus für die kommende Saison neu ins Leben gerufene „Musiktheater in der Schule“ so wichtig. Nach Motiven der „Odyssee“ wird zunächst an Grundschulen in Baden-Baden und in Berghaupten bei Offenburg ein eigenes Musiktheater erfunden und am 20. November im Festspielhaus aufgeführt.

Die künstlerische Leitung haben die Heidelberger Theaterpädagogin Nelly Noack und der britische Musikvermittler Richard McNicol übernommen. McNicol gründete einst die legendären Kinderkonzerte des London Symphony Orchestras und beriet Simon Rattle bei der Entwicklung des Education Programms der Berliner Philharmoniker. Letztere werden bei den Osterfestspielen versuchen, Kindern die Musik von György Ligeti näher zu bringen.

Schulprojekt im Festspielhaus bleibt

Ein Klassiker des Kinder- und Jugendprogramms bleibt weiter bestehen: Das Schulprojekt „Kolumbus – Klassik entdecken“, das es dank der Förderung durch die Grenke AG 3 000 Schülern pro Saison ermöglicht, nach einer Vorbereitung im Musikunterricht Aufführungen des Festspielhauses zu besuchen. In diesem Projekt bietet das Festspielhaus auch in der neuen Saison Lehrern Fortbildungen an.