Krippenausstellung in Unterharmersbach: Hans-Peter Wagner vor einer 25 Quadratmeter großen Krippe.
Krippenausstellung in Unterharmersbach: Hans-Peter Wagner vor einer 25 Quadratmeter großen Krippe. | Foto: Christine Storck

Ausstellung bis 15. Januar

Seltene Krippen in historischer Kulisse

Von Christine Storck
Das Heimatmuseum Fürstenberger Hof in Unterharmersbach ist seit 1998 bekannt für seine Krippenausstellungen. In diesem Jahr gibt es dort etwas ganz Besonderes zu sehen: Die schönsten und noch nie gezeigten 300 Exponate des französischen Krippensammlers Paul Chaland.
Die Weihnachtsgeschichte in Kunst und Handwerk aller Herren Länder zu zeigen – dafür ist der 370 Jahre alte Fürstenberger Hof die perfekte Kulisse. Verwinkeltes Dachgebälk, schmale Holztreppen und ein immer kühles Lüftchen setzen die „Kostbarsten Perlen weltweiter Krippenkunst“ passend in Szene. Arrangiert und dekoriert haben das alles rund 250 Ehrenamtliche aus dem Ort.

Erinnerung an Paul Chaland

Die Ausstellung ist auch eine Hommage an den Leihgeber Paul Chaland, der kurz nach der Zusammenstellung im Sommer verstorben ist, sagt Hans-Peter Wagner, Ortsvorsteher von Unterharmersbach und mit Chaland bis zu seinem Tod viele Jahre freundschaftlich verbunden.
Chaland, Direktor der Zeitschrift „Marie Claire“ und ehemaliger Chefredakteur von „Paris Match“, hat über Jahrzehnte eine insgesamt rund 10 000 Krippen umfassende Sammlung zusammengetragen. Bereits 2015 konnte Hans-Peter Wagner, selbst leidenschaftlicher und in der Szene gut vernetzter Krippenfan, einige seiner Stücke nach Zell am Harmersbach holen und damit nach eigenen Angaben rund 20 000 Besucher anlocken. Diesmal sind es Krippen, die für die Öffentlichkeit noch nie zugänglich waren.

Schmuckstück ist 25 Quadratmeter groß

Das Schmuckstück ist von Angela Tripi, einer führenden Bildhauerin von Figuren rund um die Geburt Christi. Die rund 25 Quadratmeter große Landschaft erzählt in verschiedenen Szenen Episoden aus der Kindheit und dem Leben und Sterben Jesu. „Es war eine Auftragsarbeit von Paul Chaland. Daran hat sie drei Jahre lang gearbeitet“, so Hans-Peter Wagner. Tripi hat dabei nicht einfach nur Gesichter, Hände und Füße der Figuren, sondern die vollständigen Körper aus Terrakotta geformt, bevor sie die Kostüme hinzufügte. Dadurch konnte sie ihnen dynamische Bewegungen verleihen. Den Stoff für die Bekleidung tauchte sie in Leim und bemalte ihn anschließend.

38 spanische Dioramen von 1840

Daneben zeigen 38 spanische Dioramen von 1840 in räumlicher Darstellung Szenen der Weihnachtsgeschichte. Die aufwändig gestalteten Kästen wurden durch eine spezielle Spiegeltechnik optisch verlängert. Hinzu kommen weitere 150 Krippen aus aller Welt, die Paul Chaland in mehr 30 Jahren auf seinen Reisen entdeckt und erworben hat. Auch sie stehen in bunt angestrahlten Holzkisten, deren Enden wie Bilderrahmen wirken. Aus Mexiko stammen zum Beispiel Figuren aus Salzteig, liebevoll arrangiert in einem Flaschenkürbis. Eine Krippe aus Italien wurde aus zwölf verschiedenen Körnern gefertigt, eine andere in den Bauch einer Espressokanne oder einen wuchtigen Amethysten gesetzt. Wieder eine andere besteht aus Maiskolben und Blättern. „Jeder Krippenbauer nimmt das Material, das ihm zur Verfügung steht“, sagt Wagner.

Ruf nach Friede auf Erden

Ein Exponat hat trotz seines Alters ganz aktuellen Bezug: In einem durch Krieg zerstörten Tempel wird Jesus Christus geboren – davor werfen Soldaten ihre Waffen weg und gehen hinein. Das ist und bleibt die Weihnachtsbotschaft: Liebe und Frieden auf Erden. „Chalands Lieblingskrippe“, verrät der Ortsvorsteher.
Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung sind traditionelle Krippen aus dem Schwarzwald, zum Beispiel vom einheimische Krippenbauer Karl-Erich Schätzle. Auch Gerhard Burkard, ein Sammler aus Bayrisch-Schwaben, stellt einige seiner schönsten Stücke aus.

Ausstellung bis 15. Januar von Montag bis Freitag 13 bis 17 Uhr; Sonn- und Feiertage (auch Heilig Abend, Weihnachten, Silvester und Neujahr) 11 bis 17 Uhr. Anmeldung zu Gruppenführungen (0 78 35) 6 38 30 oder (0 78 35) 83 46.