Das Training der KSC-Profis lockt immer wieder die treuen KSC-Fans an, für die derzeit wenig Grund zur Freude besteht.
Das Training der KSC-Profis lockt immer wieder die treuen KSC-Fans an, für die derzeit wenig Grund zur Freude besteht. | Foto: jodo

Das Meckern der Kiebitze

KSC-Fans zwischen Verzweiflung und Galgenhumor

Ihren Humor haben die älteren Herren nicht verloren. Oder sollte man es eher Galgenhumor nennen? „So schlecht sind wir doch gar nicht, immerhin haben wir vier Punkte – Schalke hat noch gar keinen“, kommentiert einer der KSC-Fans trocken. Gelächter. „Na ihr Absteiger!“ Ein weiterer Kiebitz gesellt sich dazu.

Achterbahnfahrt der Gefühle für KSC-Fans

Doch zum Kiebitzen gibt es noch nichts, auf dem Trainingsplatz herrscht Leere. Für 13 Uhr war das Training der KSC-Profis zunächst angesetzt, dann kurzfristig auf 11 Uhr vorverlegt. Jetzt ist es Viertel nach elf, von den KSC-Kickern aber weit und breit nichts zu sehen.
Dafür entspinnt sich eine lebhafte Diskussion unter den ewig Treuen am Rand, die die Auswärtsniederlage bei Hannover 96 noch nicht verdaut haben. Zwei Tore, vier Punkte, Abstiegsplatz – das ist die Bilanz nach sechs Spieltagen, die für die Rentner einer Achterbahnfahrt der Gefühle gleicht.

Es wird ein Kampf gegen den Abstieg

Der KSC ist in diese Runde ohne Sturm und ohne Konzept gegangen. So kann man doch nicht bestehen!“, empören sie sich. „Eine so schlechte Mannschaft haben wir noch nie gehabt! Aber wen willst du jetzt noch kriegen? Der Transfermarkt ist zu.“ Es geht noch drastischer: „Die Mannschaft ist tot. Die haben kein Spielsystem! Oder hast du eines gesehen?“ Kopfschütteln. Man ist sich einig: Es wird ein Kampf gegen den Abstieg.

Ist der Trainer der Knackpunkt?

Stollen klackern über das Pflaster. Die ersten Spieler laufen zum Trainingsplatz. In kleinen Gruppen kommen sie aus den Katakomben, ganz zum Schluss folgt Cheftrainer Tomas Oral, allein. Mit Argusaugen verfolgen die Fans die Prozession und sind so gar nicht glücklich über das, was sie sehen. „Man sieht doch an den Gesichtern und an der Körperhaltung die Gemütsverfassung – die haben sich aufgegeben. Die müssten als Gruppe laufen, mit dem Trainer, der voraus geht.“ Der Trainer. Ist er der Knackpunkt? Man ist sich uneins. Die Meinungen sind vielfältig: „Man kann von außen schwer beurteilen, ob er die Mannschaft erreicht.“ Und würde Oral entlassen, welcher Trainer käme dann? Wen könne der KSC überhaupt bezahlen? „Wie kann man diesem Mann einen Dreijahresvertrag geben? Der wird Weihnachten hier nicht mehr erleben.“

Politiker waren noch nie große Sportchefs

Die Gemüter sind erhitzt. „Die Valencia-Euphorie, die immer wieder bemüht wird. Das ist doch Schnee von gestern. Hier leben noch zu viele in der Vergangenheit und vergessen das Jetzt und die Zukunft“, schimpft einer der Männer. Auch am KSC-Präsidium und der Vereinspolitik wird Kritik laut. „Politiker waren noch nie große Sportchefs!“ Und: Man habe das Gefühl, dass sich die Verantwortlichen mehr damit beschäftigen, welche Stühle in den VIP-Räumen stehen sollen, als mit Spielern und der Mannschaft. Die Stadiondebatte würde viel zu sehr das Sportliche überlagern, lautet die einhellige Meinung. „Es sollte zuerst um die Mannschaft gehen, dann erst um Dinge wie das Stadion“, findet auch eine glühende KSC-Anhängerin.

Zu teure Ticketpreise?

Auch die Ticketpreise stoßen den Fans teilweise übel auf. „Für das Spiel gegen St. Pauli hätte ich 35 Euro bezahlen müssen – das habe ich boykottiert. Ich habe zuhause geschaut. Gegen den VfB Stuttgart oder 1. FC Kaiserslautern würde ich das ja noch einsehen – wegen des erhöhten Aufwandes. Aber doch nicht gegen Pauli, das sehe ich nicht ein.“

Trotziger Optimusmus

Doch in all die Wut und Verzweiflung mischt sich auch trotziger Optimismus. „Ich gebe ihnen am Samstag gegen Aue noch eine Chance. Die Saison ist am Samstag schließlich noch nicht zu Ende.“ Es muss doch mal endlich mit einem Sieg klappen.

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