Majolika Karlsruhe
Neu ausrichten will sich die Majolika - sie produziert unter anderem Vasen und Gegenwartskunst. | Foto: jodo

Zuschuss für ein Jahr sicher

Letzte Chance für Karlsruher Majolika

Letzte Chance für die Karlsruher Majolika: Der Gemeinderat hat der Manufaktur einen neuerlichen städtischen Zuschuss in Höhe von 350 000 Euro für das kommende Jahr zugebilligt.
Bis Sommer 2017 muss dann jedoch ein Zwischenbericht vorgelegt werden, wie die Neuausrichtung des zuletzt defizitären Betriebs läuft.

Majolika kreierte einst das „Bambi“

Die 1901 gegründete Manufaktur, die einst den Fernsehpreis „Bambi“ kreierte, will sich als „Internationales Keramikzentrum“ aufstellen. Redner mehrerer Fraktionen zeigten sich skeptisch, ob die geplante Neuausrichtung funktioniert.

Die CDU gibt der Majolika eine „letzte Chance“, sagte Stadtrat Albert Käuflein. Und Elke Ernemann von der SPD sprach gar von einem „allerletzten Mal“, dass die Stadt die Manufaktur rettet. Redner quer durch alle politischen Lager machten deutlich, dass sie das Konzept des traditionsreichen Betriebs nicht völlig überzeugt, weshalb die Majolika und ihre Zukunft schon in einem Jahr wieder auf den Prüfstand kommen.

350.000 Euro fließen

Der Gemeinderat entschied am Ende mehrheitlich, dass im kommenden Jahr 350.000 Euro aus städtischer Kasse an die Majolika fließen. Zuletzt waren es 328.000 Euro, wobei ein Teil jedoch über „Sponsoring“ durch die städtische KVVH verbucht wurden. Der Zuschuss für 2018 soll dann bei 300.000 Euro liegen. Allerdings wird dieser Betrag mit einem Sperrvermerk versehen.

Bis zum 30. Juni 2017 muss die Majolika einen Zwischenbericht präsentieren, wie sich die Neuausrichtung – Ziel ist ein „Internationales Keramikzentrum“ unter anderem mit Keramikschule – entwickelt. Nach einer Bewertung durch die Verwaltung wird dann der Gemeinderat im September 2017 entscheiden, ob für 2018 erneut Geld aus städtischer Kasse fließt.

Probezeit ist nicht zielführend

Dem Vorschlag der Verwaltung zufolge sollte dieser Zuschuss die nächsten Jahre über immer weiter schrumpfen und ab 2022 bei maximal 120.000 Euro jährlich liegen. Käuflein nannte schon die Pläne für 2017/18 sehr ambitioniert. Ernemann bezeichnete das bisherige Konzept der Manufaktur als nicht mehr zeitgemäß, das neue sei gewagt, man wolle ihm aber eine Chance geben.

Ute Leidig von den Grünen sprach von einer schweren Entscheidung. Eine „Probezeit“ für die Majolika halte sie für nicht zielführend, da es schwierig sei, Aufträge zu akquirieren, wenn vielleicht doch das Aus drohe. Die Stadt müsse sich überlegen, ob sie zu einer Dauerfinanzierung bereit sei. Die Pläne der Manufaktur seien nämlich nicht realistisch, sondern optimistisch, „und das wird selten Wirklichkeit“, so Leidig.

Land in der Pflicht

Eberhard Fischer von der Kult-Fraktion erklärte, dass ihn die aktuellen Zahlen der Majolika nicht überzeugen. Seine Fraktion sei bereit, den Zuschuss für 2017 zu gewähren. Ein Sperrvermerk für 2018 reiche seinem Team jedoch nicht, da müsse der Betrag schon deutlich geringer ausfallen. Die Manufaktur sollte sich aus seiner Sicht lieber auf das Kerngeschäft konzentrieren, statt nun noch beispielsweise Workshops zu starten. Grundsätzlich sieht Fischer das Land bei der Majolika, die ja den Begriff „staatlich“ im Namen führt, in der Pflicht. Insofern müsse das Land ab 2018 sich wieder engagieren.

Thomas Hock von der FDP sagte: „Wir lügen uns heute hier gemeinsam etwas in die Tasche. Wir werden in zwei Jahren wieder hier stehen.“ Er glaube nämlich nicht, dass die Majolika ohne Unterstützung der Stadt auskomme. „Wenn wir sie sterben lassen wollen, können wir das heute schon tun“, so Hock. Die FDP wolle dies jedoch nicht. Stattdessen möchten die Liberalen das städtische Haus Solms verkaufen und dann in der Majolika unter anderem Empfänge abhalten und Trauungen anbieten, was gestern jedoch keine Mehrheit fand.

Majolika sieht erhöhten Druck

Majolika-Geschäftsführer Dieter Kistner – der mit seinem Team die Debatte verfolgte – zeigte sich angesichts des gestrigen Beschlusses zwiegespalten. Er erkenne die kurzfristige Perspektive an, die die Entscheidung bringe.

Majolika Gemeinderat
Das Team der Majolika verfolgt die Debatte im Gemeinderat | Foto: jodo

Er hätte in der Debatte allerdings ein stärkeres Bekenntnis zur Majolika als Kunst- und Kulturinstitution erwartet, sagte er am Abend gegenüber den BNN. Man habe sich auch eine längerfristige Perspektive gewünscht. Kistner verwies auf den angesichts des Personalabbaus schmerzlichen Erneuerungsprozess. „Der Gemeinderatsbeschluss erhöht den Druck auf uns noch einmal,“ räumte er ein. Zuvor hatten zahlreiche Redner die Anstrengungen der aktuellen Majolikaführung, die etwa deutlich Personal abbaute, gewürdigt. Hier findet sich, was die Majolika aktuell anbietet.