Der Abriss droht dem sogenannten Stolzer-Parkhaus in Achern. Ein entsprechender Vorschlag der Stadtverwaltung stößt beim Bau- und Umweltausschuss bislang jedoch auf wenig Gegenliebe – nun will man die Gesprächs mit einem möglichem Kauf-Interessenten abwarten.
Der Abriss droht dem sogenannten Stolzer-Parkhaus in Achern. Ein entsprechender Vorschlag der Stadtverwaltung stößt beim Bau- und Umweltausschuss bislang jedoch auf wenig Gegenliebe – nun will man die Gesprächs mit einem möglichem Kauf-Interessenten abwarten. | Foto: Roland Spether

Parkplatzsituation in Achern

Letzte Frist für Stolzer-Parkhaus läuft

Die gute Nachricht: In der Kernstadt Achern gibt es nach aktuellen Zählungen der Stadtverwaltung alles in allem bis zu 7000 Parkplätze. Die schlechte: Die wenigsten davon sind gerade frei, wenn man sie braucht. Nun soll ein Parkraumkonzept erstellt werden. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Bau- und Umweltausschuss des Gemeinderats in seiner jüngsten Sitzung. In den Vordergrund der Diskussion rückte dabei die Zukunft des sogenannten Stolzer-Parkhauses. Um den drohenden Abriss zu vermeiden, sprachen sich die Mitglieder des Ausschusses dafür aus, mit einem potenziellen Interessenten Gespräche über einen Verkauf auf Erbpacht-Basis zu führen.

Stadtverwaltung für Abriss

Die Stadtverwaltung hatte in einer umfangreichen Vorlage alle Informationen zusammengetragen. Sie plädierte für einen Abriss der Anlage, stellte die Entscheidung jedoch in das Ermessen der Bürgervertreter. Oberbürgermeister Klaus Muttach berichtete von dem – letztlich erfolglosen – Versuch, für mindestens 50 Stellplätze feste Mieter zu gewinnen (siehe „Stichwort“) und stellte die nötigen Investitionen für die Wiedereröffnung den zu erwartenden Einnahmen gegenüber. Für die Wiederinbetriebnahme müsse mit Kosten von mindestens 100000 Euro gerechnet werden, hinzu kommen jährliche Betriebskosten von rund 57000 Euro. Langfristig seien jedoch weitere Investitionen von mindestens 500000 Euro nötig – genannt wurden hier unter anderem die Umstellung vom Hydraulik- auf Elektroantrieb, aber auch die Abdichtung der Fassade, um die im Inneren des Parkhauses abgestellten Fahrzeuge besser vor Witterungseinflüssen zu schützen.

Potenzielle Mieter zeigen wenig Interesse

Da eine Vermietung des Parkhauses mangels Interessen in Fremdregie ebensowenig in Betracht komme wie ein Betrieb durch die Stadt, gehe es nur um Verkauf oder Abriss. Die Stadt habe Gespräche mit einem möglichen Interessenten geführt, der das Gebäude auf Erbpacht-Basis zu übernehmen bereit sei. Für die ersten Jahre betrachte dieser Interessent das Parkhaus als „Abschreibungsmodell“, später jedoch rechne er bei einer zunehmenden Zahl an Autos im Raum Achern und einem gleichzeitigen Verlust an Parkplätzen in der Kernstadt mit einer „gewissen Rentabilität“.

„Städtebaulich gelungen“

„Viele offene Fragen“ sah CDU-Fraktionschef Karl Früh. Deshalb könne man über den „sicherlich unpopulären Abriss“ des „städtebaulich gelungenen Stolzer-Parkhauses“ noch nicht entscheiden. Im übrigen hält Früh das gegenwärtige Parkraumkonzept angesichts des zunehmenden Verkehrs nicht nur in der Kernstadt für überholt. Ähnlich äußerten sich Gebhard Glaser (Freie Wähler) und Jutta Römer (ABL). Sie sprach sich allerdings dafür aus, die gebührenfreie Parkscheibenregelung rund um das Stolzer-Parkhaus abzuschaffen, „um Schlupflöcher zu schließen“. Überdenken müsse man, so Jutta Römer weiter, auch das Parkleitsystem: „Die Schilder stehen relativ nutzlos herum“. Im Übrigen empfahl sie den Bürger, aufs Fahrrad umzusteigen, um sich die Zeit für die Parkplatzsuche in der Innenstadt zu ersparen.

Stadträte wollen Ergebnis der Gespräche abwarten

Am Ende stimmte der Bau- und Umweltausschuss dafür, vor einer endgültigen Entscheidung über das Stolzer-Parkhaus die Gespräche mit dem Interessenten abzuwarten. Zustimmung gab es ferner für den Vorschlag der Stadtverwaltung, in einem neuen Parkraumkonzept das künftige Parkhaus an der Lammbrücke nicht gebührenfrei zur Verfügung zu stellen. Allgemein begrüßt wurde ferner die Absicht der Stadtverwaltung zur Ausweisung weiterer behindertengerechter Parkplätze im gesamten Stadtgebiet.

Stolzer-Parkhaus
Der Prototyp eines auf Lagertechnik basierenden automatischen Parkhauses war von der Gamshurster Firma Stopa als Demonstrationsobjekt errichtet worden. Es verfügt über rund 80 Stellplätze. Weil die Anlage offenbar nicht wirtschaftlich betrieben werden konnte, hat das Unternehmen das Parkhaus im vergangenen Jahr zum symbolischen Preis von einem Euro an die Stadt veräußert und ihr darüber hinaus einen Betrag von 90000 Euro bereitgestellt. Mit dem Geld könnte die Stadt das Parkhaus abreißen oder wieder in Betrieb nehmen.
In seiner Sitzung vom 29. Februar diesen Jahres hat der Bau- und Umweltausschuss des Gemeinderats beschlossen, das Parkhaus zu erhalten, falls bis zum 30. September Mieter für mindestens 50 Stellplätze gefunden werden, die bereit sind, einen Drei-Jahres-Vertrag zum Preis von 55 Euro pro Monat abzuschließen. Dieses Ziel wurde bei weitem nicht erreicht: Sieben potenzielle Mieter haben Interesse an 16 Stellplätzen bekundet.