Sattelzug Duftkerzen
In Schieflage geriet ein polnischer Sattelzug auf der A 5 bei Rust, ehe er auf die Seite stürzte und seine Ladung auf der Fahrbahn verlor. | Foto: Adelbert Mutz

LKW-Bergung auf A5 bei Rust

Mit Campingstühlen und Duftkerzen auf der Autobahn

Der Unfall mit einem umgekippten Lastzug auf der Südfahrbahn der A5 zwischen Rust und Herbolzheim ist für Autofahrer eine Geduldsprobe geworden. Die Bergungsarbeiten und die Reinigung der Fahrbahn zogen sich bis nach Mitternacht. Der Grund war die Lastwagen-Ladung: Duftkerzen. Deren Wachs hatte die Fahrbahn in eine Rutschbahn verwandelt.

Lastzug hatte Duftkerzen geladen

Nach Ermittlungen der Polizei hatte der Fahrer eines polnischen Sattelzuges kurz nach 8 Uhr die Kontrolle über sein Gespann verloren und war ins Schleudern geraten. Dabei geriet der voll beladene 40-Tonner in Schieflage und kippte letztlich quer zur Fahrtrichtung um. Durch den Unfall zogen sich der 28 Jahre alte Unfallverursacher und dessen 41-jähriger Beifahrer leichte Verletzungen zu, die im Ortenauklinikum Lahr behandelt werden mussten. Möglicherweise wurde der Unfall durch die Übermüdung des Fahrers verursacht, heißt es im Polizeibericht. Der Lastzug blockierte alle zwei Fahrspuren der Südfahrbahn. Lediglich die Standspur ließ der Havarist frei. Deshalb wurden nach Auskunft von Polizeisprecher Patrick Bergmann zu Beginn der Unfallaufnahme die Südfahrbahn bei der Anschlussstelle Rust vollgesperrt und die zwischen Unfallstelle und Anschlussstelle „gefangenen“ Verkehrsteilnehmer bis 10 Uhr über die Standspur abgeleitet. Der Verkehr Richtung Süden wurde ab der Anschlussstelle Rust ausgeleitet. Die Umleitungsstrecke B 3 war schnell überlastet. Ein bis zu 15 Kilometer langer Rückstau bildete sich, der bis zur Anschlussstelle Lahr zurückreichte. Zwischen zwei bis fünf Stunden dauerte die Wartezeit für die Autofahrer.

Polizei schickt Havariekommissar zum Unfallort

Wegen der absehbar komplizierten Bergung schickte das Polizeipräsidium einen Havariekommissar an die Unfallstelle. Die Ladung bestand zum Großteil aus Paletten mit leichtem Fließmaterial. Es waren kleinteilige Benzinfilter, die laut Petra Tokos, Chefin des beauftragten Lahrer Bergungsunternehmens, nicht gut verpackt waren. „Sie waren in Schachteln verpackt. Es fehlte eine feste Folie, die die Schachteln auf den Paletten zusammengehalten hätte“, erklärte sie auf Anfrage. Deshalb brauchte es einen Radlader und die Hilfe der Leute vom Technischen Hilfswerk Offenburg, um die Teile teilweise sogar einzeln von der Fahrbahn zu pflücken. Das dauerte.

Bergung dauerte 17 Stunden

Noch komplizierter wurde die Lage dadurch, dass nach Schätzung von Petra Tokos rund ein Achtel der Ladung des Sattelzugs aus Duftkerzen bestand. Vom Radlader seien diese platt gewalzt und mit dem Asphalt fest verbacken worden. So entstand eine seifig glatte Wachsschicht auf der Fahrbahn. Diese zu entfernen, bereitete der Reinigungsfirma später größere Probleme. Deshalb konnte die Polizei die Südfahrbahn der A 5 erst gegen 0.45 Uhr wieder freigegeben. Wegen der weiterhin nicht vollständigen Entfernbarkeit des Wachses richtete sie an der Unfallstelle sicherheitshalber eine Tempo-80-Zone ein.
Im Stau packten wartende Autofahrer teilweise Campingstühle aus und setzten sich auf die Fahrbahn. „Ich sah eine Fahrerin, die offensichtlich so großen Hunger hatte, dass sie sich aus einem Feld einen Maiskolben zum Essen holte“, erzählt Nadine Zeller aus Freiburg, die selbst zwei Stunden im Stau feststeckte. Andere, die ein dringenden Bedürfnis quälte, hätten das Steuer einem Mitfahrer überlassen und laufend die Raststätte Mahlberg angestrebt. Dieter Lehmann vom Technischen Hilfswerk Lahr, das am Stauende mit der Stauabsicherung beauftragt war, sah Autofahrer, welche die blockierte A5 erst nach der Einfahrt in die Autobahn bemerkten. „Es gab welche, die rückwärts die Auffahrt wieder zurückgefahren sind oder welche die sogar gewendet haben“, so Dieter Lehmann.