Assistenzarzt Iman Eshagzaiy spricht mit einer jungen Patientin, die erkältet ist. Der in Syrien ausgebildete Mediziner Mohammad Salem steht im Hintergrund und übersetzt, wenn es nötig ist.
Assistenzarzt Iman Eshagzaiy spricht mit einer jungen Patientin, die erkältet ist. Der in Syrien ausgebildete Mediziner Mohammad Salem steht im Hintergrund und übersetzt, wenn es nötig ist. | Foto: Schneider

Mediziner sprechen Arabisch

Mobile Arztpraxis für Asylbewerber im Landkreis Karlsruhe

Der Weg in die Arztpraxis ist für die Asylbewerber in der Sulzfelder Gemeinschaftsunterkunft nicht weit – heute parkt er direkt vor der Tür: Tapfer sitzt die kleine Patientin auf der Liege und folgt mit neugierigen Augen, was der Mann im weißen Mantel da macht. Assistenzarzt Iman Eshagzaiy hört mit einem Stethoskop die Lungen des jungen Mädchens ab.

Ein gewöhnlicher Rettungswagen

Der Rettungswagen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ist ein ganz gewöhnlicher – nur mit ein paar Extras. „Es ist drin, was auch sonst drin ist“, erklärt Richard Spörri, der für die Organisation zuständig ist. An Zusatzausstattung ist ein Laptop und ein Drucker dabei, der die Rezepte druckt, wenn es nötig ist. „Ansonsten führen wir natürlich auch allgemeinmedizinische Medikamente mit.“

Rund 500 Menschen wurden  behandelt

Seit Mai ist die Arztpraxis auf vier Rädern im Landkreis unterwegs, enden soll das Projekt im November. „Das ist ein Versuchsballon des Landratsamtes und des DRK“, erklärt Spörri. Die Nachfrage in den angesteuerten Unterkünften ist allerdings groß. Rund 500 Menschen wurden schon behandelt, Tendenz steigend. „Anfänglich waren die Leute in den Unterkünften noch skeptisch, aber jetzt sind sie Feuer und Flamme“, erzählt der früherer Notarzt Spörri.
Mit der mobilen Arztpraxis wird einerseits versucht, die ortsansässigen Ärzte und Kliniken zu entlasten. Andererseits ist es für die Asylbewerber einfacher, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Insbesondere die sprachlichen Barrieren sind hier niedriger. Insgesamt sind sieben Ärzte abwechselnd mit dem DRK-Mobil unterwegs. Eshagzaiy, der in der Bruchsaler Klinik als Internist arbeitet, hat afghanische Wurzeln und spricht Dari, eine Umgangssprache in dem Land am Hindukusch.

Mit Ärzten ohne Grenzen zusammengearbeitet

Der Syrer Mohammad Salem, der heute mit dabei ist, spricht insgesamt fünf Sprachen, unter anderem arabisch, englisch und einen afrikanischen Dialekt. Der 29-Jährige kommt aus dem nordsyrischen Daara und hat in seiner Heimat Medizin studiert. In Aleppo und Homs hat er mit den Ärzten ohne Grenzen zusammengearbeitet. Er ist in Deutschland als Arzt noch nicht anerkannt, deshalb übernimmt er die administrativen Aufgaben wie Patienten aufnehmen, Protokoll führen und Rezepte drucken. Auch zwei türkische Ärztinnen und eine iranische Medizinerin sind im Team dabei. „Wenn man sich nicht verständigen kann, dann rufe ich einen Dolmetscher an, der über das Telefon hilft oder wir verständigen uns mit Händen und Füßen“, meint Eshagzaiy. Heute seien beispielsweise Patienten aus Eritrea, Afghanistan, Syrien und dem Irak da gewesen.

„Nur Vorsichtung und Vorbehandlung“

Das DRK-Mobil hält auf seinen Touren in den Unterkünften in Flehingen, Bretten, Zeutern, Forst und Dettenheim. „Wir machen nur die Vorsichtung und Vorbehandlung“, erläutert Rettungsassistent Werner Fünffinger. Kontrollbedürftige Krankheiten werden weitergegeben an die Ärzte vor Ort. „Die Asylbewerber sind alle registriert, deren Nummer wird von uns aufgenommen“, sagt Spörri. Die Kosten trage dann das Landratsamt.